Kunstprojekt Neue Apfelbäume für künftige Kulturhauptstadt Chemnitz

Ein Kulturhauptstadtprojekt in Chemnitz ist eine "Parade" von 4.000 seltenen europäischen Apfelbäumen. Mit und an dem Kunstprojekt sollen Fragen nach Macht und Normen gestellt und diskutiert werden.

eine Frau und zwei Männer mit Spaten pflanzen Baum auf Wiese
Seltene Sorten von Apfelbäumen sollen in Zukunft in einer "Parade" die gesamte Stadt Chemnitz durchqueren. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

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"Kultur und Politik pflanzen mit" - unter diesem Motto haben am Sonnabend in Chemnitz Baubürgermeister Michael Stötzer gemeinsam mit dem Generalintendanten der Chemnitzer Theater, Christoph Dittrich, und der Filmemacherin Bea Kunath selbst den Spaten in die Hand genommen. Sie sind Baumpaten beim Kunstprojekt "We parapom! - Europäische Parade der Apfelbäume", bei dem bis zum Kulturhauptstadtjahr 2025 insgesamt 4.000 seltene Sorten von Apfelbäumen in Chemnitz gepflanzt werden.

Fragen zur Zivilgesellschaft stellen - Paraden hinterfragen

Barbara Holoub, die Kuratorin der "Parade der Apfelbäume", will später damit eine Verbindung durch die gesamte Stadt herstellen. "Die Pflanzung verbindet dann ganz verschiedene Gebiete von Chemnitz miteinander und hinterfragt das Format einer Parade." Paraden kenne man in Chemnitz vor allem in der Innenstadt mit ihren Aufmarschboulevards. "Der Hintergrund des Projektes war, Fragen zur Zivilgesellschaft zu stellen", sagt Holoub.

Frau mit gelber Mütze und Mikrofon steht vor einer Wiese und hält linke Hand in die Höhe, während sie redet
Barbara Holub, die Kuratorin von "We parapom!", will Chemnitz querfeldein mit Apfelbäumen bepflanzen und der Stadt damit neue Achsen geben. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

WE PARAPOM! Das Kunstprojekt "WE PARAPOM! - Kollektive europäische Parade der Apfelbäume" wird von der österreichischen Künstlerin Barbara Holub kuratiert. In einer Achse quer durch die Stadt und über Grundstücksgrenzen hinweg sollen bis 2025 etwa 4.000 Bäume verschiedener europäischer Apfelsorten gepflanzt werden. Entlang dieser Achse durch die Stadt gibt es Kunstaktionen, die Themen wie Migration, Arbeitsbedingungen, Ökologie, Bodenversiegelung, Macht vor dem Hintergrund der aktuellen Situation von Demokratie und ein neues Engagement der Zivilgesellschaft für aktive demokratische Teilhabe diskutieren. Stadt Chemnitz

Bäume mit Apfel-Sortenvielfalt symbolisieren Norm-Bruch

Was haben die Apfelbäume mit der Norm zu tun? Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt es weltweit etwa 20.000 Apfelsorten. Allerdings werden demnach lediglich nur sieben davon regelmäßig im Handel angeboten: Golden Delicious, Boskoop, Cox Orange, Elstar, Gloster, Jonagold und Granny Smith. Sie sind so, wie der Verbaucher es erwarten soll: rund, süß und saftig.

Die Apfelparade in Chemnitz will mit diesen Normen aufräumen. Augenzwinkernd betrachtete auch ein Kurzfilmfestival die Frage nach der Norm. Bereits die Auswahl der Spielstätten lag außerhalb des Erwartbaren. Die Filme wurden zum Beispiel in einem Café und in einem ehemaligen Edeka-Markt gezeigt.

Ein Baum steht vor dem maroden Eingang einer alten Kaufhalle.
Ein ehemaliger Supermarkt war beim kleinen Filmfestival kurzerhand zum Kino umfunktioniert worden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Vielfalt soll Perspektivwechsel bei Filmfestvial ermöglichen

Die Verbindung zwischen Apfel und Norm zieht auch Filmfestival-Kuratorin Beate Kunath. "Im Supermarkt kann man nur eine bestimmte Art von Äpfeln kaufen. Die sehen alle toll aus. Alle anderen sind ja nicht zu sehen." Es gehe jedoch eigentlich um die Vielfalt, die gebraucht werde, die es gebe und die gezeigt werden solle. "So habe ich gedacht, das Thema Vielfalt in das Kurzfilmprogramm einzubinden." Außerdem ließen sich mit Kurzfilmen verschiedene Perspektiven in relativ kurzer Zeit zu zeigen.

Filmemacherin Beate Kunath steht neben einer Kamera.
Filmemacherin Beate Kunath hat Kurzfilme zusammengestellt, die sich alle einer Frage stellen: Was ist die Norm? Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Strampeln in der Kälte beim Fahrradkino

Wer dann noch am Sonnabend Filme schauen wollte, musste sich dafür beim Fahrradkino ganz schön abstrampeln. Nur gemeinsam gab es genug Strom für den Projektor. Wieder ein Thema für die Kulturhauptstadt: Vielfalt gepaart mit Gemeinsamkeit.

Zwei Jugendliche treten auf aufgebockten Fahrrädern neben Liegestüheln in einem Park. An eine Hauswand ist eine Filmprojektion zu sehen.
Abstrampeln für den Film: Beim Fahrradkino musste der Strom für den Projektor mit Muskelkraft erzeugt werden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

MDR (tfr)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 03. April 2022 | 19:00 Uhr

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