Engpass in Gasversorgung Chemnitzer Energieversorger Eins will Kohlekraftwerk länger nutzen

Die sächsische Landesregierung hat Verbraucher und Unternehmen zum Gassparen angehalten. Grund ist die von der Bundesregierung ausgerufene Alarmstufe in der Gasversorgung. Es gebe zwar noch keine Mangellage, die Ausrufung der Alarmstufe zeige aber, dass man sich in einer ernsten Lage befinde. Die Industrie- und Handelskammer Chemnitz spricht sich für die verstärkte Nutzung von Gasalternativen bei der Stromerzeugung aus. Der Chemnitzer Energieversorger Eins denkt um.

Batteriespeicher von Eins Energie in Chemnitz
Der Energieversorger Eins in Chemnitz sucht wegen drohender Gasenpässe nach alternativen Brennstoffen. Bildrechte: eins/Peter Zschage

Drohende Engpässe in der Gasversorgung könnten das Chemnitzer Braunkohlekraftwerk auch nach 2023 am Netz halten. "Die Option einer Weiternutzung von Braunkohle über das Jahr 2023 hinaus ist aktuell in der Prüfung", sagte der Geschäftsführer des Energieversorgers Eins, Roland Warner. Dies hänge von den weiteren Weichenstellungen auf Bundesebene ab. Derzeit fehle es an klaren Vorgaben, erklärte er. Dies betreffe mehrere Optionen wie auch eine etwaige Nutzung der Kraftwerksblöcke als künftige Reserve.

Bundesregierung will weniger Gasverbrauch für Strom

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag wegen stark verringerter Gaslieferungen aus Russland die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Den Angaben nach ist die Versorgungssicherheit gegeben, die Lage aber angespannt. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die aktuelle Alarmstufe ist die zweite, die dritte ist die Notfallstufe und sie sieht vor, dass Gas als knappes Gut "hoheitlich zugeteilt" wird.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den Einsatz von Gas für Stromerzeugung und Industrie senken. Vorübergehend sollen Kohlekraftwerke Ersatz leisten, deren Tage eigentlich gezählt sind. Gerade in Sachsen spielt die Nutzung von Braunkohle noch eine große Rolle in der Stromerzeugung mit einem Anteil von etwa 75 Prozent. Dazu tragen vor allem die Kraftwerke Lippendorf südlich von Leipzig und Boxberg in der Lausitz bei, die nach bisherigen Plänen bis Ende 2035 und Ende 2038 stillgelegt werden sollen.

Gasmotorenkraftwerk soll dennoch kommen

In Chemnitz forciert das Unternehmen Eins seit Jahren den Umbau weg von der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Dazu werden die Kohleblöcke des Heizkraftwerks durch gasbetriebene Motorenkraftwerke ersetzt. Sie sollen den Kohlendioxid-Ausstoß um 60 Prozent verringern und ungeachtet der jüngsten Entwicklungen am Gasmarkt bis Jahresende ans Netz gehen. "Am Bau und der Inbetriebnahme unserer Gasmotorenkraftwerke halten wir fest", betonte Warner. Angesichts der neuen Rahmenbedingungen werde nun aber verstärkt über Ergänzungen durch andere Technologien nachgedacht.

Am Bau und der Inbetriebnahme unserer Gasmotorenkraftwerke halten wir fest.

Roland Warner Geschäftsführer von Eins Energie

Ein Mann auf der Baustelle am Heizkraftwerk Nord in Chemnitz
Der Energieversorger Eins hält an der Umrüstung von Kohle auf Gas fest. Bildrechte: dpa

Abfall oder Hackschnitzel als alternativer Brennstoff

Geprüft würden der Bau eines Abfallheizkraftwerkes sowie eines Kraftwerks für Holzhackschnitzel. "Beide Projekte würden unsere Unabhängigkeit vom Medium Gas deutlich stärken." Dazu veranstaltet das Unternehmen am Sonnabend ein Energieforum mit Podiumsdiskussion und Workshops. Eins ist mehrheitlich in kommunaler Hand und beliefert nach eigenen Angaben rund 400.000 Haushalte und Gewerbebetriebe mit Erdgas, Strom, Internet, Wärme und Wasser. Dabei spielt bisher das Heizkraftwerk Nord in Chemnitz eine zentrale Rolle. Dort wird Braunkohle verfeuert und so Strom und Wärme erzeugt. Dabei bläst das Kraftwerk jährlich knapp eine Million Tonnen CO2 in die Luft und gilt damit als größter Emittent des klimaschädlichen Gases in der Region.

MDR (ma)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 24. Juni 2022 | 08:00 Uhr

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