Kulturhauptstadt Altes Straßenbahndepot in Chemnitz wird zum Ideen-Campus

Die Zeit läuft: In drei Jahren wird Chemnitz Kulturhauptstadt Europas sein. Eine Weichenstellng mit Symbolkraft wurde am Donnerstag schon vorgestellt. Das 1880 erbaute ehemalige Straßenbahndepot wird zum "Garagen-Campus" mit Platz für neue Ideen.

Luftaufnahme eines alten, nicht restaurierten Straßenbahndeputs mit mehreren Hallen.
In diesen alten Hallen sollen bald neue Ideen wachsen. Bildrechte: Chemnitz 2025/Ernesto Uhlmann

Das alte Straßenbahndepot im Chemnitzer Stadtteil Kappel wird bis zum Kulturhauptstadtjahr 2025 zum "Garagen-Campus" umgebaut. Auf einer Fläche von etwa 30.000 Quadratmetern - das entspricht etwa der Fläche von fünf Fußballfeldern stehen sieben teilweise sanierungsbedürftige Gebäude. In den kommenden drei Jahren soll hier ein Kultur - und Begegnungsort entstehen, auf dem Wirtschaft, Kultur, Handwerk und Wissenschaft zusammengeführt werden sollen. Mit regionalen Akteuren und Chemnitzer Bürgern hat die Agentur "Age of Artists" dazu in den vergangenen Monaten ein Konzept entwickelt, das am Donnerstagabend vorgestellt wurde. Projektkoordinatorin Tina Winkel hat dazu Chemnitzerinnen und Chemnitzer eingebunden. "Wir haben mit etwa 500 Menschen gesprochen und mehr als 250 davon haben uns auf dem Gelände besucht. Es gab diverse Führungen für Gruppen, meist in Verbindung mit Gesprächsrunden im Nachhinein oder auch thematischen Workshops". Dabei hätten Themen wie Bildung, Ernährung, Nachbarschaft, Digitalität, Mobilität und Inklusion Im Mittelpunkt gestanden.

Es sind sehr viele Ideen zusammengekommen und uns ist es auch wichtig, dass das über das Kulturhauptstadtjahr 2025 hinausgeht.

Tina Winkel Projektkoordinatorin der Agentur Age of Artists

Genau diese Nachhaltigkeit macht den Erfolg einer Kulturhauptstadt aus, ist sich Ferenc Csâk, der Amtsleiter des Kulturbetriebs der Stadt Chemnitz sicher. "Erfolgreiche Kulturhauptstädte zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Wirkung noch lange über das Ereignisjahr hinausreicht." So solle auch der Garagen-Campus wirken. "Für mich ist das ganz besonders wichtig, dass es eine Fläche wird, die zu den Bedürfnissen der Chemnitzerinnen und Chemnitzer und der Region passt.

Wir entwerfen nichts, wir gestalten gemeinsam.

Ferenc Csâk Amtsleiter des Kulturbetriebs der Stadt Chemnitz

Pressefotografen in einer Werkhalle vor einem Tisch, an dem Ministerpräsident Kretschmer, Kulturstaatsministerin Grütters und OB Schulze sitzen.
Im Sommer 2021 unterzeichneten die damalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Sven Schulze die Vereinbarung zur Finanzierung des gesamten Programms der "Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025" im alten Straßenbahndepot. Bildrechte: Chemnitz 2025/Ernesto Uhlmann

Garagen sollen zu kreativen Kontakten führen

In der vorgestellten Konzeption haben sich die kreativen Köpfe der Agentur Age of Artists Gedanken gemacht, wie die gesammelten Ideen Form annehmen könnten. So sollen neben den schon ansässigen Museen, dem Straßenbahn- und dem Uhrenmuseum, Kreativwerkstätten entstehen. Genutzt werden könnte das Areal aber auch als Freizeitpark und als Wohnraum auf Zeit für kreative Köpfe. Auch gastronomische Einrichtungen sind geplant. Der Garagen-Gedanke hat auch bereits Gestalt angenommen. In dem Komplex sollen unter anderem Bereiche zu folgenden Themen entstehen:

  • Europa-Garage
  • Regional-Garage
  • Garage der Stadtentwicklung
  • Garage der Digitalität
  • Nahrungsmittel-Garage
  • Up-Cycling-Garage
  • Garage der Inklusion
  • Garage der Mobilität
  • Garage der Unabhängigkeit
  • Bau-Garage

Straßenbahnbetriebshof Chemnitz Kappel Der CVAG Betriebshof Kappel ist der älteste Betriebshof des Chemnitzer Nahverkehrs. Am 22.04.1880 erfolgte die Inbetriebnahme mit der Eröffnung der ersten Pferdebahnlinie. Dafür wurden ein Wagenschuppen aus Holz mit vier Gleisen für 20 Fahrzeuge und eine Kutscherstube gebaut. 1893 wurde der Betriebshof für die elektrischen Bahnen umgebaut. Im Jahr 1908 wurde eine weitere Halle mit Platz für 64 Schmalspur-Straßenbahnwagen gebaut. Außerdem entstanden ein Direktionsgebäude. Nach dem 2. Weltkrieg wurden zunächst Bombenschäden beseitigt, danach erfolgten weitere Umbaumaßnahmen. In den 1980er Jahren endete die Ära der Schmalspurstraßenbahn, der Betriebshof wurde stillgelegt. Seit 1987 restauriert und präsentiert die "Arbeitsgemeinschaft Straßenbahnfreunde" die historischen Straßenbahnfahrzeuge. Age of Artists gGmbH

Noch werden weitere Ideen gesucht, um das Areal des alten Straßenbahndepots bis 2025 mit Leben zu erfüllen. Auf jeden Fall soll die Sanierung der alten Hallen 2023 beginnen. Dann können auch schon die ersten Garagen in Betrieb gehen.

MDR (tfr/igr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 28. Januar 2022 | 14:30 Uhr

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