Pflegenotstand Seniorenheim in Bischofswerda setzt auf philippinische Pflegekräfte

Rund 15 Prozent des Pflegepersonals in der Altenpflege kommen bereits aus dem Ausland. Angesichts der hohen Arbeitsbelastungen durch die Corona-Pandemie und die von vielen Pflegekräften kritisch gesehene Impflicht könnte der Anteil noch steigen. Ein Seniorenwohnhaus in Bischofswerda hat bereits gute Erfahrungen mit ausländischen Pflegekräften gemacht. Seit einigen Monaten beschäftigt es zwölf Pflegerinnen und Pfleger von den Philippinen.

Im Seniorenwohnhaus "Am Belmsdorfer Berg" in Bischofswerda arbeiten seit Oktober auch Pflegekräfte aus den Philippinen.
Henry Ocana arbeitet seit Oktober als Pflegeassistent im Seniorenhaus am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Henry Ocana lacht gern und gibt bei den Gesprächen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenhauses "Am Belmsdorfer Berg" sein Bestes. "Die Sprache ist noch mein Problem", sagt der 41-Jährige. Aber in den gut drei Monaten, die er in Bischofswerda lebt, habe er schon viel gelernt. Vormittags besucht Henry einen Deutschkurs, nachmittags arbeitet er gemeinsam mit elf weiteren philippinischen Landsleuten im Seniorenhaus als Pflegeassistent.

Nicht nur wegen Corona wird Personal fehlen

Die Idee, ausländische Pflegekräfte in die Oberlausitz zu holen, hatte Sascha Bock, Chef der Oberlausitz Pflegeheim- und Kurzzeitpflege–Gesellschaft. Sie betreibt verschiedene Pflegheime in der Region, wie das in Bischofswerda. Die Einrichtungen stehen wie viele vor dem Problem, auch künftig genügend Personal zu finden. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Aber sie ist nicht der einzige Grund. "Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeitenden ist relativ hoch", erklärt Sascha Bock. Man wisse also jetzt schon, dass sie in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden und dann fehlen. Nachwuchs zu finden ist jedoch schwierig.

Uns ist klar, dass wir durch ausländische Pflegekräfte das Problem nicht lösen können. Wir sehen unser Potential nach wie vor in der Region. Aber wir wollten ein Zeichen setzen und nichts unversucht lassen.

Sascha Bock Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege gGmbH

Warum Pflegekräfte aus den Philippinen?

Der Blick ins Ausland lag da nahe. Europa allerdings schied für Sascha Bock und sein Team aus. Nicht nur in Deutschland sei die Nachfrage an Pflegekräften hoch, sagt Sascha Bock: "Wenn wir aus Europa Fachkräfte holen, schaffen wir eine Schieflage in dem betreffenden Land selber." Auf den Philippinen mit seiner hohen Geburtenrate funktioniere die Alterspyramide jedoch noch. Dort würden mehr Pflegekräfte ausgebildet, als benötigt würden.

Die Philippinen sind christlich geprägt. Das heißt, das Wertebild und auch die Traditionen, die wir hier leben, sind dort bekannt.

Sascha Bock Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege gGmbH

Gut ausgebildetes Pflegepersonal

Henry Ocana hat in seiner Heimat eine Krankenpflegeausbildung mit Bachelorabschluss gemacht. Er bringt viel Berufserfahrung mit. Bevor er nach Deutschland kam, war er unter anderem mehrere Jahre in Dubai in einem Krankenhaus beschäftigt. Doch in Deutschland gebe es mehr Arbeitsmöglichkeiten, die Bedingungen seien besser, sagt der 41-Jährige: "Deutschland ist ein angenehmes Land." Sein Abschluss ist hier allerdings für die Arbeit in der Altenpflege noch nicht anerkannt, da er mehr auf die Arbeit im Krankenhaus ausgerichtet ist. Das umfasse vor allem Dinge wie Spritzen setzen und Medikamente verabreichen, erklärt Sascha Bock. Die eigentliche Pflege gehöre nicht dazu. Deshalb holen Henry und seine Landsleute diese Qualifizierung nach, um als vollwertige  Pflegefachkraft hier arbeiten zu können.

Im Seniorenwohnhaus "Am Belmsdorfer Berg" in Bischofswerda arbeiten seit Oktober auch Pflegekräfte aus den Philippinen.
Henry Ocana ist ausgebildeter Krankenpfleger und hat bereits viele Jahre Berufserfahrung. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Keine Berührungsängste

Bisher hat das Seniorenheim gut Erfahrungen mit Henry und den anderen philippinischen Pflegekräften gemacht. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner hätten sie gut aufgenommen, erklärt seine Chefin Daniela Gottlöber. "Sie waren da sehr offen", sagt sie. Das bestätigt auch Sascha Bock. Besonders aufgefallen sei allen die Freundlichkeit und die positive Ausstrahlung, die die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgebracht hätten. Er hofft, dass Henry und seine Landsleute länger in Bischofswerda bleiben werden. Auch dem Philippiner gefällt die Arbeit im Seniorenhaus. Wenn alles klappt, will er seine vierjährige Tochter und seine Frau im kommenden Jahr nach Deutschland holen. Sie arbeitet als Biologielehrerin an der Universität in Dubai.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 18. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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