31 Jahre nach der Wiedervereinigung Wo sich Ost- und Westdeutschland noch immer unterscheiden – und wo nicht mehr

Max Schörm
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Seit 31 Jahren gibt es ein vereinigtes Deutschland – doch noch immer sieht man in vielen Bereichen Unterschiede zwischen Ost und West. Lohn, Rente, Abwanderung: Oft hat der Osten das Nachsehen, auch wenn es Annährungen gibt. Doch bei Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen oder Betreuungsquoten in Kitas liegen die neuen Bundesländer vorne.

Treuhand-AufarbeitungDer teilweise verwitterte Schriftzug - Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost -
Nach 31 Jahren bleibt noch immer ein Stück Weg zur vollständigen Einheit. Bildrechte: dpa

Mit der deutschen Wiedervereinigung vor 31 Jahren standen Politik und Gesellschaft vor einer Mammutaufgabe: Zwei unterschiedliche Systeme, Wirtschaftsstrukturen und Gesellschaftsentwürfe mussten zusammengeführt werden. Diese Zusammenführung findet noch immer statt. Deutlich wird das etwa bei den Themen Arbeitslosigkeit oder Rente.

Rente im Osten nähert sich an

Ein Blick auf die "monatliche Standardrente" der gesetzlichen Rentenversicherung zeigt, dass der Osten gegenüber dem Westen immer weiter aufholt. Betrug die Rente im Osten zu Beginn der 1990er Jahre nur rund 60 bis 70 Prozent der Rente im Westen, so liegt der Unterschied aktuell nur noch bei unter drei Prozent.

Viele Arbeitslose in den 1990er und 2000er Jahren im Osten

Besonders in den frühen 1990er und Mitte der 2000er Jahre war der Osten von hoher Arbeitslosigkeit betroffen. Der Höhepunkt lag zwischen 2003 und 2008, als mehr als jeder Fünfte im Osten keinen sozialversicherungspflichtigen Job hatte. Auch der Westen war in dieser Zeit von einer hohen Zahl an Arbeitslosen betroffen, allerdings war dort kaum jeder Zehnte ohne Arbeit.

Seit dieser Zeit gleichen sich die Arbeitslosenzahlen in Ost- und Westdeutschland langsam an und liegen seit 2018 nur noch rund zwei Prozentpunkte auseinander.

2017: Erstmals ziehen mehr Menschen vom Westen in den Osten als umgekehrt

Im Zuge der hohen Arbeitslosigkeit und wegen der erhofften Chancen im Westen waren die Neuen Bundesländer von Abwanderung betroffen. Viele Ostdeutsche zog es in den Westen, doch 2017 kam die Trendwende: Erstmals zogen mehr Menschen vom Westen in den Osten als umgekehrt. Der Trend hatte sich schon seit einigen Jahren abgezeichnet und hält auch bis 2019 an.

Allerdings muss festgehalten werden, dass insgesamt die Zahl der im Osten lebenden Menschen seit 1990 um 15 Prozent gesunken ist, während die Zahl im Westen in der gleichen Zeit um neun Prozent gewachsen ist.

Hohe Kinderbetreuungsquote im Osten

Ein Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland, bei dem sich der Westen langsam an den Osten annähert: Die Kinder im Osten gehen durchschnittlich häufiger und vor allem früher in Kitas. Hier liegen die Zahlen in den Alten Bundesländern deutlich unter denen der Neuen, nähern sich aber vor allem bei den unter Dreijährigen langsam an.

Frauen im Osten verdienen fast so viel wie Männer

Auch was die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen angeht, die mit dem sogenannten "Gender-Pay-Gap" gemessen wird, liegt der Osten deutlich vor dem Westen, der nur langsam aufholt. Im Durchschnitt verdienen im Westen Männer 20 Prozent mehr als Frauen – im Osten sind es nur rund sechs Prozent.

Konstant höhere Löhne im Westen

Allerdings: Die Löhne sind im Westen noch immer deutlich höher. Der Bruttodurchschnittslohn beträgt im Osten nur etwa 86 Prozent von dem im Westen. Seit 1996 haben sich die Löhne nur um knapp zehn Prozentpunkte angeglichen. In diesem Tempo würden erst im Jahr 2062 gleiche Bruttodurchschnittslöhne im Westen und im Osten gezahlt werden.

MDR/Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Oktober 2021 | 05:00 Uhr

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