Verkehr Hunderte Züge täglich: Wieso die West-Altmärker an den Schranken stehen

Für besonders große Verkehrsbelastung ist die Altmark nicht bekannt. Im Dorf Fleetmark bei Salzwedel befürchten Anwohner aber genau das: Das Dorf liegt an der sogenannten Amerika-Linie, einer für den Güterverkehr wichtigen Bahntrasse. Sie wird in naher Zukunft weiter ausgebaut. Lange Schranken-Schließzeiten und Lärm wären die Folge.

Ein Zug fährt an einem Bahnübergang mit Halbschranke vorbei.
Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk

Das Dorf Fleetmark im Altmarkkreis Salzwedel hat ein Problem mit dem Zugverkehr. Der Ort liegt an der sogenannten Amerika-Linie zwischen Uelzen und Stendal, einem stetig wachsenden Güterverkehrs-Korridor. Nach Angaben der Deutschen Bahn wird die Trasse ab 2025 durchgehend zweigleisig ausgebaut. Für Fleetmark bedeutet das zunehmende Verkehrsbehinderungen, denn die Hauptstraße des Ortes kreuzt die Trasse mit einem Bahnübergang. Auch um zum Bahn-Haltepunkt des Ortes zu gelangen, muss die Bahnstrecke überquert werden.

Keine Brücke und kein Tunnel geplant

Blick aus einem Pkw an einem beschrankten Bahnübergang, den ein Regionalzug passiert
Auf dem Weg zum Bahnhof den Zug verpassen: Das könnte in Fleetmark bald häufiger passieren. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Olaf Döring

Berechnungen zufolge könnten somit in wenigen Jahren bis zu 280 Züge täglich über die Bahntrasse rollen und für ein Schließen der Schranken im Dauertakt sorgen – und folglich lange Wartezeiten. Für die Entlastung sind weder ein Tunnel noch eine Brücke geplant. Das nächstgelegene Bauwerk ist 15 Kilometer entfernt, kurz vor Salzwedel.

Als Idee steht auch eine Umgehungsstraße im Raum. Ortsbürgermeister Jörg Kratz sieht darin aber keinen Vorteil. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, einerseits sei das ein großer Eingriff in die Natur, andererseits der Sinn wegen des Umwegs fraglich.

Wie lange sind Bahnschranken geschlossen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab: Der Bahnübergang in Fleetmark ist technisch gesichert. Hier hängt die Schließzeit davon ab, wie weit entfernt entsprechende technische Auslöser vom Bahnübergang entfernt sind. Da die Strecke auf maximal 160 km/h ausgebaut ist, ist der Vorlauf entsprechend lang. Die Schließzeit verlängert sich zusätzlich, wenn einer der täglich 15 in Fleetmark haltenden Regionalzüge nach Uelzen die Schließung auslöst. Da der Haltepunkt direkt am Übergang liegt, halten diese Züge unmittelbar vor der geschlossenen Schranke und geben die Strecke erst nach Abfahrt, also verzögert, wieder frei.

Wieso werden Bahnübergänge nicht beseitigt?

Bei Bahnstrecken mit einer Maximalgeschwindigkeit von 160 km/h sind Bahnübergänge noch zulässig – darüber hinaus nicht. Nach Angaben der Bahn werden vorrangig Bahnübergänge beseitigt, an denen es viele Unfälle gibt. Auch die Verkehrsfrequenz ist ein Entscheidungskriterium.

Wer bezahlt Brücken oder Tunnel?

Laut Eisenbahnkreuzungsgesetz werden die Kosten gedrittelt, zwischen Bahn, Straßenbaulastträger und dem Bund – wenn es um Gleise der bundeseigenen Bahnen geht. Kreuzen Bahngleise eine kommunale Straße, trägt der Bund die Hälfte der Kosten, die Bahn ein Drittel und das Land ein Sechstel. Im Fall von Fleetmark handelt es sich aber um eine Landesstraße.

Neben der Schrankenschließzeiten werden in Fleetmark durch zunehmenden Lärm noch weitere Beeinträchtigungen befürchtet. Allerdings hat die Bahn umfassende Schallschutzmaßnahmen angekündigt, darunter 39 Kilometer Lärmschutzwände. Laut Einheitsgemeinde-Bürgermeister Norman Klebe plant die Bahn außerdem den flächendeckenden Einsatz von Flüsterbremsen und sie geht auch auf betroffene Anwohner zu:

Dann wird alles abgeklärt hinsichtlich weiterer Schallschutzmaßnahmen am eigenen Gebäude, sprich Verglasung. Dafür nimmt die Bahn dann auch Geld in die Hand.

Norman Klebe, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Arendsee

Die Bahn hatte in der Vergangenheit mehrere Runde Tische für Anwohner angeboten. Die aber stießen auf wenig Resonanz.

Nachtaufnahme der Gleisanlagen des Güterbahnhofs Halle/Saale
Ziel im Ostkorridor Nord: Die als modernste Güterbahnhof Europas eröffnete Anlage in Halle. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Stichwort: Amerika-Linie Den Namen verdankt die Bahnlinie Berlin-Stendal-Uelzen-Bremen den Zügen voller Auswanderer, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Bremerhaven Richtung Amerika aufgebrochen sind. Durch die deutsche Teilung verlor die Strecke ihre Bedeutung. Das zweite Gleis wurde abgebaut.

Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Ost-West-Korridor wiederaufgebaut und 1999 in Betrieb genommen. Der Abschnitt Stendal-Uelzen ist mittlerweile elektrifiziert und für Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde ausgebaut. Allerdings sind Teile der Verbindung weiterhin eingleisig.

Neben dem Regionalverkehr ist die Amerika-Linie heute vor allem für den Güterverkehr von Bedeutung. Sie ist Teil des sogenannten Ostkorridors Nord, der die Nordseehäfen mit dem mitteldeutschen Güter-Drehkreuz Halle verbindet. Der zweigleisige Ausbau auf rund 70 Kilometern Länge zwischen Uelzen und Stendal soll laut Bahn ab 2025 in Angriff genommen werden.

MDR (Katharina Häckl, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 02. Februar 2022 | 08:40 Uhr

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