Schnelles Internet Der Breitbandausbau in der Altmark könnte wegen des Ukraine-Kriegs ins Stocken geraten

Seit über einem Jahr treibt ein Zweckverband in der Altmark die Versorgung mit schnellem Internet voran. Kurz vor dem Abschluss könnte der Ukraine-Krieg das deutschlandweit größte geförderte Breitband-Projekt noch verzögern. Ziel bleibt es, Netz-Geschwindigkeiten von mindestens 500 MBit/Sekunde in der strukturschwachen Region zu erreichen.

Schnecke auf einem Netzwerk-Kabel
Der Breitbandausbau in der Altmark könnte stocken. Bildrechte: Colourbox.de

Der Ausbau der schnellen Internet-Leitungen in der Altmark könnte auf der Zielgeraden doch noch ins Stocken geraten. Das betonte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA) am Dienstag bei einer Verbands-Versammlung in Stendal.

Ein Mann mit weißem Hemd und Jacket.
Andreas Kluge ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitband Altmark (ZBA). Bildrechte: privat

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und die damit verbundenen Schwierigkeiten auf dem Bau-Sektor würden den Breitbandausbau beeinflussen, sagte Andreas Kluge MDR SACHSEN-ANHALT. Einige Baufirmen hätten bereits signalisiert, dass es schwierig sei, Material zu beschaffen. Insbesondere im Bereich des Altmarkkreises Salzwedel seien die Erd-Bauarbeiten ins Stocken geraten.

Ausbau läuft seit mehr als einem Jahr

Seit mehr als einem Jahr verlegt der ZBA in der gesamten Altmark Leitungen für Glasfaseranschlüsse. "So viel kann nicht mehr schiefgehen", sagte Kluge. Allerdings könne sich der Zeitplan durch die nun aufgetretenen Probleme verschieben. Dass die Leitungen wie vorgesehen bis Ende des Jahres liegen, ist somit nicht sicher.

Der Breitband-Verband investiert rund 182 Millionen Euro zu Dreiviertel aus Fördergeld von Bund und Land, der Rest aus Krediten. Am Ende sollen rund 33.000 Anschlüsse möglich gemacht worden sein. Es sei das größte geförderte Breitband-Projekt Deutschlands, wie Kluge betont. Im März waren in Köckte bei Tangermünde (Landkreis Stendal) die ersten Privat-Anschlüsse realisiert worden. Mittlerweile sind rund 600 Anschlüsse durch den Netzanbieter DNS.Net freigeschaltet worden, sagt der ZBA-Geschäftsführer.

Bereits Pilot-Vorhaben stockte

Mindestens 500 MBit/Sekunde werden als Geschwindigkeit garantiert. Bereits 2017 waren in einem Pilot-Cluster bei Arneburg schon einmal rund 1.300 Anschlüsse realisiert worden. Allerdings geriet das Projekt schon damals aufgrund von ungeklärten Förder-Kriterien ins Stocken, es musste umgeplant werden.

Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm steht mit verschränkten Armen vor einem Gebäude und lächelt in die Kamera.
Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Bohm ist zufrieden mit dem Breitbandausbau. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Mittlerweile läuft es, wie Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) bestätigt: "Zug um Zug geht es voran. Fast schon still und heimlich bahnt sich die Gigabit-Geschwindigkeit quasi in die Haushalte." Der Zweckverband hat die gesamte Altmark in verschiedene Bauabschnitte aufgeteilt, die nach und nach fertig werden und dem Dienstleister DNS.Net übergeben werden.

"Auch wenn es lange gedauert hat, wir haben alles richtig gemacht", sagte der scheidende Salzwedeler Landrat Michael Ziche (CDU) bei der Hauptversammlung. Er war vor zehn Jahren einer der Motoren für den Zweckverband, der das schnelle Internet in die dünn besiedelte Region Altmark bringen soll. Seinerzeit gab es keine privaten Anbieter, die sich engagieren wollten. Mittlerweile sieht dies anders aus.

Wird geschaffenes Netz nun privatisiert?

Insbesondere auch in den beiden großen Städten Salzwedel und Stendal, die nicht zum Zweckverband gehören, sind private Anbieter unterwegs und bauen das Netz aus. "Das ist auch gut so", sagt ZBA-Geschäftsführer Andreas Kluge. Er rechnet damit, dass der Zweckverband sich nach Abschluss des derzeit laufenden Vorhabens auch noch um einige sogenannte "graue Flecken" kümmern kann. Das sind Gebiete, in denen die Netz-Geschwindigkeit unter 100 MBit/Sekunde liegt. "Das setzt voraus, dass dort kein privater Anbieter reingeht und wir weiteres Fördergeld akquirieren können.

Michael Ziche schlug in der Verbands-Versammlung vor, dass der Zweckverband darüber nachdenken solle, sein nun geschaffenes Netz zu verkaufen und damit zu privatisieren. Derzeit gibt es nach MDR-Informationen keine Einigkeit darüber, wie der Zweckverband über 2022 personell aufgestellt sein wird.

Hinter verschlossen Türen wurde am Dienstag im nicht öffentlichen Teil engagiert diskutiert. Bisher ist nur der Geschäftsführer direkter Mitarbeiter des ZBA. Die übrigen Mitarbeiter werden von den Mitgliedern abgeordnet. Insgesamt sind zwei Landkreise und 20 Kommunen Mitglied im Verband.

MDR (Bernd-Volker Brahms, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Juni 2022 | 07:30 Uhr

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