Oberbürgermeisterwahl Magdeburg So haben sich die Kandidierenden in der MDR-Wahlarena geschlagen

Magdeburg wählt am 24. April ein neues Stadtoberhaupt. Vorher haben sich acht von neun Kandidaten am Dienstagabend den Fragen der Moderatoren und MDR-Nutzer gestellt. Bis auf Bettina Fassl (Tierschutzallianz) sind alle Amtsanwärter der Einladung in die MDR-Wahlarena gefolgt. Alle wollen Magdeburg verändern – nun hatten sie die Chance zu erzählen, wie sie das tun wollen.

Screenshot des Livestreams der MDR-Wahlarena
Neun Kandidierende wollen Oberbürgermeister in Magdeburg werden, acht von ihnen haben an der MDR-Wahlarena teilgenommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

High Noon in der MDR-Wahlarena: Acht von neun Kandidierenden für das Amt des Oberbürgermeisters von Magdeburg haben sich am Dienstagabend den Fragen der Moderatoren und MDR-Nutzer gestellt. Bis auf Bettina Fassl (Tierschutzallianz) trafen sich alle möglichen Nachfolger des amtierenden Bürgermeisters, Lutz Trümper, im MDR-Funkhaus in Magdeburg.

Die Kandidierenden und Diskutierenden im Überblick

90 Minuten Schlagabtausch liegen hinter den Kandidierenden. Wer wird am Ende das Rennen um das Amt machen? Das wird frühestens am 24. April feststehen – denn dann wird gewählt. Sollte dabei keiner der Kandidaten mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen, kommt es am 8. Mai zur Stichwahl. Am Dienstagabend haben alle Kandidaten noch einmal um Stimmen geworben. Hier sind die Highlights des Abends.

Kandidaten bemühen sich um konstruktiven Dialog

Unverkennbar war zuerst, dass die Kandidaten keine Extrem-Positionen bezogen und insofern ein eher harmonischer Gedankenaustausch stattfand. Natürlich gab es Meinungsunterschiede, doch bis auf Frank Pasemann (AfD), der hin und wieder eine Minderheiten-Position bezog, waren sich die Kandidaten in vielen Punkten einig.

So stehen die Kandidaten zu wichtigen Zukunftsfragen

  • Radwege müssen ausgebaut werden: Dem stimmen alle Kandidaten bis auf Frank Pasemann zu.
  • Steuern müssen in der Stadt bleiben und für die Stadt verwendet werden: Hier gibt es Einstimmgkeit.
  • Magdeburg muss mit Bäumen und weiterem Grün aufgeforstet werden: Auch hier stimmen alle Kandidaten zu.
  • Magdeburg soll mehr für Umwelt- und Klimaschutz tun: Bis auf Frank Pasemann stimmen alle Kandidaten zu.
  • Die Stadt braucht eine dritte Elbe-Brücke: Das einzige Thema, bei dem eher Dissens herrschte. Sarah Biedermann, Simone Boris, Tobias Krull und Frank Pasemann sprechen sich dafür aus. Nicole Anger, André Jordan und Jens Rößler sind dagegen. Till Isenhuth enthält sich der Stimme.

Weitere wichtige Themen der Sendung im Überblick

Beim Thema "Ansiedlung von Intel Magdeburg" herrschte Konsens, dass in der Stadt viel zu tun ist, um diese Investition zu einem Gewinn werden zu lassen. Tobias Krull (CDU) konstatierte, in Magdeburg müsse von der Verkehrsinfrastruktur bis zu neuen Wohnungen und Schulen noch einiges geschehen. Jens Rösler (SPD) sah das ähnlich und verwies außerdem darauf, dass damit Mieten und Grundstückspreise steigen würden. Dem müsse entgegengewirkt werden. Simone Borris (parteilos) überraschte mit der Aussage, dass Intel mit Wasser aus der Elbe versorgt werden wird. Ein elf Kilometer langer Anschluss sei "geplant und genehmigt".

Nicole Anger (Linke) sieht Bedarf für ein schnelles Handeln. Man dürfe nicht zulassen, "dass Intel die Stadt gestaltet". Es müssten jetzt Industriebrachen reaktiviert werden, um ein "Flächen-Recycling" anzustoßen. Dabei dürften aber notwendige Grünflächen nicht vergessen werden. André Jordan (Die Partei) will sich dafür einsetzen, dass die Steuern, die Intel zu zahlen hat, in der Stadt bleiben und der Region zugutekommen.

Auch beim Thema "Verkehr" vertraten die Kandidaten weitgehend vergleichbare Positionen. Als Frank Pasemann gegen "links-grüne Träume" von 30er-Zonen und dem Vorrang des ÖPNV und des Rad-Verkehrs polemisierte, widersprach ihm Till Isenhuth (parteilos) vehement. Stress-Freiheit und eine bessere Lebensqualität seien nur durch Verkehrsberuhigung zu erreichen. Sarah Biedermann (Freie Wähler) sieht in einem koordinierten und strukturierten Verkehrskonzept eine gute Voraussetzung für zufriedene Bürger.

Bei der Frage nach der Digitalisierung konstatieren alle Kandidaten Magdeburg großes Ausbau-Potential. Simone Borris sieht die Stadt in Sachen Digitalisierung weit weg von einer guten Struktur. Laut Borris liegt das zum einen an der Technik, aber auch an fehlendem Personal. Auch Frank Pasemann (AfD) kritisiert den aktuellen Stand in Digitalisierungs-Fragen. So bemängelt er die fünf- bis sechswöchigen Wartezeiten für die Ausstellung eines Passes oder Personalausweises. Jens Rösler strebt deswegen ein digitales Bürger-Büro an. Auch André Jordan nennt ein Digitalisierungs-Ziel: Sollte er OB werden, würde er sofort das Faxgerät aus dem Oberbürgermeister-Büro entfernen.

Mit diesen Zitaten werben die Kandidaten um Stimmen

  • Nicole Anger: "Als Oberbürgermeisterin möchte ich alle Menschen in dieser Stadt beteiligen – Politik mit Ihnen machen und nicht Politik über Sie."
  • Sarah Biedermann: "Es ist auch meine Generation, die hier leben wird, arbeiten wird und auch sesshaft werden soll – und deshalb stellt meine Generation auch die Weichen für die Zukunft."
  • Simone Borris: "Ich möchte das Potential, was die Stadt Magdeburg hat, herausholen. Ich möchte für gut bezahlte Arbeitsplätze sorgen, ich möchte, dass für Familien, für Seniorinnen und Senioren, Kinder und Jugendliche die Stadt attraktiv und lebenswert gestaltet wird."
  • André Jordan: "Sie werden von mir, wie auch von den anderen KandidatInnen, bislang wahrscheinlich noch wenig gehört haben, aber das macht nichts. Schlimm wäre es nur, wenn Sie nach meiner Amtseinführung nichts von mir hören würden. Wenn Sie sich also jemanden wünschen, der Ihnen die Richtung weist, der Antworten auf die dringenden Fragen unserer Zeit hat, dann kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen."
  • Till Isenhuth: "Nach über 20 Jahren Lutz Trümper – einige von euch haben nie einen anderen OB kennengelernt – möchte ich den Personalwechsel in diesem Amt auch mit einem Richtungswechsel verbinden. Insbesondere die Lebensqualität in Magdeburg steigern, den Verkehr stressfreier für alle Beteiligten gestalten und Leerstand für Kunst, Kultur und Geschäftsgründungen nutzen."
  • Tobias Krull: "Ich möchte als Familienvater dafür sorgen, dass wir eine Stadt sind, wo sich alle Generationen wohlfühlen und wo eine starke Wirtschaft und eine starke Stadt-Gesellschaft sich nicht ausschließen, sondern zwei Seiten einer Medaille sind."
  • Frank Pasemann: "Besonders wichtig ist mir, dass ich in Zukunft, wenn ich Oberbürgermeister werde, keine moralisierende Gesinnungs-Politik zulassen werde. Sondern ich werde einstehen für eine sach-orientierte Verantwortungs-Politik, die Stabilität und Kontinuität bringt – und zwar für alle Bürger meiner Heimatstadt Magdeburg."
  • Jens Rösler: "Ich stehe für Zusammenhalt in der Stadt-Gesellschaft. Ich möchte, dass neue Ideen, dass kreative Ideen in Magdeburg eine Chance haben. Und ich möchte neue Schwerpunkte setzen. Unter anderem im Bereich preiswerte Energieversorgung, günstig wohnen, Klimaschutz, Digitalisierung von Schulen und Verwaltung und im öffentlichen Nahverkehr."

Bei dieser Aussage kamen die Zuschauer nicht mehr mit

Frank Pasemann zum Thema Digitalisierung: "Wir machen uns hier Probleme, die wir nicht bräuchten. Wir brauchen innerhalb der Struktur die Möglichkeit zu fragen: 'Wie kann man etwas besser machen?' Und dazu muss auch die eine oder andere Kruste aufgebrochen werden. Und das ist die Frage, oder das ist die Möglichkeit, die ich als jemand sehe, der von außen kommt. Ich habe dort keine Kontakte rein, die mir irgendwie die Arbeit behindern. Und deshalb würde ich mich natürlich da auch ganz stark machen."

Dieser Kandidat war die Überraschung des Abends

Der parteilose Student Till Isenhuth überzeugte nicht unbedingt rhetorisch – was aber bei den teilweise eher floskelhaften Aussagen seiner erfahreneren Konkurrenten auch sympathisch wirkte. Mit frischen Ideen und unkonventionellen Ansätzen konnte er durchaus Pluspunkte sammeln. Isenhuth ist weder ein Polit- noch ein Verwaltungs-Profi – und konnte gerade deswegen Ideen jenseits der bekannten und deswegen erwartbaren Positionen entwickeln.

Das sind die ersten Reaktionen aus dem Netz

  • Marian von Brandenstein: "Wenn ich mir die Bildqualität des Herrn Jordan ansehe, kann er bei der Digitalisierung gleich mal in seiner Küche anfangen! Die Internet-Leitung scheint miserabel zu sein."
  • Lothar Günther: "Es sind immer die gleichen Vertreter von Parteien und aus der Verwaltung, die sich aktiv an der Arbeit der GWA beteiligen. Aber auch die Bürger, die sich aktiv beteiligen, sind immer die gleichen. Wer die Stadt gestalten will, muss sich einbringen."
  • Michael Chatge: "Hat denn jemand mal ein konkretes Konzept für Neustadt, oder nimmt man das nur als Dauer-Beispiel, was man alles anders machen könnte – und dann passiert nichts?"
  • Fabi Degewebu: "Wir können nur hoffen, dass der oder die zukünftige OB sich darauf besinnt, den Rats-Fraktionen die Entscheidungsfindung zu überlassen. Einen Verwaltungs-Technokraten braucht die Stadt nicht."

Das sind die wichtigsten Positionen der Kandidierenden

  • Nicole Anger (die Linke): Sie will sich für ein dauerhaft kostenfreies Schülerticket einsetzen und den Neubau von Schulen beschleunigen.
  • Sarah Biedermann (Freie Wähler): Auch sie schlägt ein kostenloses Schülerticket vor, außerdem möchte sie kommunale Förderprogramme für Vereine und die Kulturszene ins Leben rufen.
  • Simone Borris (Einzelbewerberin): Sie will die Bearbeitungszeiten von Bürger-Anliegen durch Digitalisierung verkürzen und etwas an der Verkehrssituation mit den vielen Baustellen ändern. Borris wird von FDP und future! unterstützt.
  • Bettina Cornelia Fassl (Tierschutzallianz): Sie möchte sich für ein Modellprojekt zum kostenlosen Bus- und Bahn fahren einsetzen und das Problem Vandalismus angehen.
  • Till Isenhuth (Einzelbewerber): Ein Schwerpunkt für ihn ist die Digitalisierung und Internationalisierung von Behörden. Außerdem will er Transparenz und Beteiligung stärken.
  • André Jordan (Die Partei): Auch er möchte sich für mehr Bürgernähe und Transparenz einsetzen. Die vielen Baustellen sind für ihn ebenfalls ein wichtiges Thema.
  • Tobias Krull (CDU): Neben den Baustellen will er sich um die Unterstützung heimischer und neuer Unternehmen kümmern.
  • Frank Pasemann (AfD): Auf seiner Themenliste ganz oben stehen Wirtschaftsförderung und drastische Sparmaßnahmen bei Dingen, die er für unnötig hält, um den Haushalt zu konsolidieren.
  • Jens Rösler (SPD): Rösler möchte das Thema günstige Mieten angehen und die Stadt besser an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen. Er wird auch von den Grünen unterstützt.
  • Ihre Themenschwerpunkte haben die Kandidatinnen und Kandidaten MDR SACHSEN-ANHALT in einem Fragebogen mitgeteilt.

MDR Wahlarena - OB-Wahl in Magdeburg 103 min
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103 min

MDR+ Di 12.04.2022 20:00Uhr 102:53 min

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Video

Die wichtigsten Fragen der Wahlarena zum Nachschauen

03:12 Vorstellungsrunde aller teilnehmenden Kandidierenden
11:23 Warum müssen Demonstrationen durch die Innenstadt laufen?
12:52 Wo bleibt bezahlbarer Wohnraum?
15:00 Zahlt Intel in Magdeburg Gewerbesteuern?
18:03 Wie kann man für mehr Zufriedenheit in der Stadt sorgen?
20:17 Wie wird Magdeburg für jüngere Menschen attraktiver?
27:17 Thema Stadtentwicklung
57:52 Umfrage: Was erwarten Sie vom neuen Stadtoberhaupt?
1:00:38 Stadtpark bebauen: Ja oder Nein?
1:01:32 Mehr und bessere Radwege: Ja oder Nein?
1:01:55 Dritte Elbbrücke bauen: Ja oder Nein?
1:02:18 Intel-Gewerbesteuer in Magdeburg: Ja oder Nein?
1:02:34 Mehr Sozialwohnungen: Ja oder Nein?
1:04:02 Mehr Geld für Umweltschutz: Ja oder Nein?
1:04:20 Magdeburg aufforsten: Ja oder Nein?
1:04:38 Meisterfeiern für SCM und FCM: Ja oder Nein?
1:05:10 Thema Soziales
1:28:00 Wie kann man die Kultur stärker fördern?
1:29:48 Wie wichtig sind Theater in der Stadt?
1:30:24 Wie stehen Sie zu Behindertenwerkstätten?
1:34:29 Warum sollten Sie das neue Stadtoberhaupt werden?

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MDR (Johanna Daher, Jonas Dahmen, Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. April 2022 | 19:00 Uhr

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