Lokschuppen muss geräumt werden DB Museum beendet Zusammenarbeit mit Eisenbahn-Verein aus Halle

Das DB Museum Nürnberg beendet zu Ende April seine knapp 20-jährige Zusammenarbeit mit der Traditionsgemeinschaft der Eisenbahnfreunde in Halle. Die rund 100 Vereinsmitglieder hatten sich in einem Lokschuppen um Dampfloks und DDR E-Loks gekümmert – und sie fahrtüchtig gehalten. Jetzt müssen sie ihr Domizil räumen.

Eine Dampflok auf einer Drehscheibe.
Highlight für die Vereinsmitglieder: Sie fahren eine Dampflok aus dem Depot. (Archivbild 2017) Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Es dampft, tropft, zischt und ist schlichtweg beeindruckend, wenn die alten Dampfloks aus ihrem Lokschuppen in Halle herausfahren. Rund 100 Ehrenamtliche halten die Dampf- und auch E-Loks fahrtüchtig. Doch bis Ende April müssen sie ihr Domizil räumen. "Völlig überraschend hat uns ein offener Brief der Deutsche Bahn Stiftung erreicht, in dem uns mitgeteilt wurde, dass die Kooperation zwischen DB Museum und Verein zum 30. April beendet wird", heißt es von der Traditionsgemeinschaft Bw Halle P e.V.

Zum Stolz der Vereinsmitglieder war ihr Lokschuppen an der Steintorbrücke in Halle im Jahr 2003 Außen-Standort des DB Museums Nürnberg geworden – dem ältesten Eisenbahnmuseum der Welt. Das DB Museum ist seitdem offiziell Mieter des Lokschuppens und Eigentümer der Lokomotiven, die schon zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn in Halle stationiert waren. Der Eisenbahnfreunde-Verein pflegt die Lokomotiven weiter und sichert, wie bereits vor 2003, den Museumsbetrieb.

Schwierige Zusammenarbeit

In den vergangenen Jahren sei die Zusammenarbeit laut Verein aber schwieriger geworden. "Das DB Museum sieht es aus eisenbahnrechtlichen Gründen als definitiv nicht möglich an, den Lokschuppen Halle als einen Standort mit betriebs- bzw. rollfähigen Lokomotiven zu erhalten und hat daher sämtliche Fahrzeugbewegungen untersagt", so der Verein.

An den Fahrten hängt aber das Herz der Mitglieder, wie sie in einem früheren Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagten. "Ich mache das schon ziemlich lange. Ich habe zu DDR-Zeiten als Dampflokheizer angefangen, und es lässt einen irgendwie nicht los", sagte Vereinsmitglied Harald Gebser. Aber auch die E-Loks haben ihre Liebhaber, wie Uwe Thümmler, der seit seiner Kindheit Lokführer hatte werden wollen. "Ich bin mit der Lok groß geworden, es ist ein phantastisches Produkt aus DDR-Zeiten. Das ist Hobby, das ist Liebe", sagte er.

Höhepunkt eines jeden Jahres war laut Verein dann auch das große Sommerfest mit Gast-Lokomotiven, Lok-Präsentationen auf der Drehscheibe und Mitfahrten auf den Lokomotiven.

Zwei Männer arbeiten zwischen E-Loks.
Reparaturarbeiten zwischen E-Loks: Die Vereinsmitglieder haben großes Fachwissen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Standort Halle soll erhalten bleiben

Halle ist einer der zwei Außenstandorte des Nürnberger Museums und soll ab 2022 neu aufgestellt werden. Wie die Deutsche Bahn Stiftung mitteilt, gibt es für den Standort Halle ein neues Konzept. Es heißt: "Das Museum möchte seine Außenstelle als einen der ältesten Lokschuppen Deutschlands sowie einzigen und günstig gelegenen Standort in den neuen Bundesländern erhalten und weiterentwickeln."

Es fänden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, unter anderem die Grundsanierung der Drehscheibe. Das Museum würde zudem von Ehrenamtlichen unterstützt, die sich ab diesem Jahr in neuen Strukturen zusammenfinden würden. Die meisten Lokomotiven würden auch zukünftig ausgestellt, aber den Lokschuppen werden sie nicht mehr verlassen.

Blick auf einen Lokschuppen in Halle.
Der Lokschuppen an der Steintorbrücke nahe des halleschen Hauptbahnhofs. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Traditionsgemeinschaft zieht um

Laut Verein bleibt dabei die Traditionsgemeinschaft außen vor. Zusammenarbeit würde es nur noch mit einzelvertraglich gebundenen Ehrenamtlichen geben. "Vermutlich sind wir auch etwas hartnäckig in der Lösungsfindung und hinterfragen ungleiche Möglichkeiten in den beiden Außenstellen des DB Museums", hieß es in der Mitteilung des Vereins.

Die Mitglieder werden nun ein neues Domizil beziehen, nach 28 Jahren – und am neuen Standort mit weniger Fahrzeugen weiter machen. Dazu sei man derzeit in Gesprächen. "Auch wenn wir nun weniger Fahrzeuge in Pflege haben, präsentieren wir diese gern betriebsfähig zu Sonderfahrten und Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit", sagen sie.

Die Ausstellung im Lokschuppen werde sich durch den Auszug kaum verändern, teilte der Verein auf Nachfrage mit. Die Fahrzeuge, die sich im Besitz der Eisenbahnfreunde befinden, seien ohnehin woanders untergebracht.

MDR (Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 15. Februar 2022 | 13:30 Uhr

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