Energiekosten Keine Temperaturbeschränkungen: Kitas und Schulen in Wittenberg sollen warm bleiben

Ganz Deutschland ist im Energiesparmodus: Auf Grund der hohen Energiepreise werden mit Blick auf den nahenden Winter besonders bei den Heizkosten Einsparpotenziale geprüft. Die Kinder an Kitas und Schulen sollen trotzdem nicht frieren müssen, gibt der Landkreis Wittenberg bekannt. Zwar würde auch hier geschaut, ob man Energie sparen könne, Einsparungen dürften aber nicht zu Lasten der Kinder oder des Unterrichts erfolgen.

Das Kitagebäude der Kita Elbspatzen mit einer bunten Elbmalerei auf der Vorderseite
Die Kita "Elbspatzen" in Dabrun soll trotz der Energiesparmaßnahmen warm bleiben. Bildrechte: MDR/André Damm

Der Spielplatz mit den vielen Klettergeräten sorgt bei den Dabruner Kindern für rote Wangen. Ausgelassen tollen die Mädchen und Jungen umher, das kühle Herbstwetter scheint den Knirpsen kaum etwas auszumachen. Doch dann wird die Kinderschar gebändigt. Es geht rein.

In der mollig warmen Kindertagesstätte "Elbspatzen" streifen die Kinder ihre Schuhe ab, stromern luftig angezogen durch die Räume. Sie müssen sich wohlfühlen können, sagt Ivonne Krause, die Kita-Leiterin in Dabrun. Energiesparen sei natürlich wichtig, aber in einer Kita stoße auch gutgemeinter Sparwillen an enge Grenzen.

Wir können nicht einfach Gas und Strom abdrehen, das funktioniert nicht.

Ivonne Krause, Kita-Leiterin Dabrun

"Wir möchten da schon Beständigkeit bieten. Den gleichen Komfort bieten, den wir vorher auch hatten. Man guckt aber schon mit einem ängstlichen Auge in die Zukunft."

In dem schicken Neubau unweit der Elbe wird keine Energie sinnlos verplempert, erzählt Ivonne Krause weiter. Vielmehr versuche ihr Team spielerisch die Kinder anzuhalten, Energie zu sparen: Fenster und Türen schließen, Licht ausschalten, mal im Kerzenlicht sitzen. Mehr sei in einer Kindertagestätte kaum möglich, findet die Erzieherin. Der Erfolg ist begrenzt.

Kitas sollen warm bleiben

Eine Kletterburg in einem Sandkasten der Kita Elbspatzen
Einsparungen an Kitas und Schulen dürften nicht zu Lasten der Kinder gehen, meint man im Landkreis Wittenberg. Bildrechte: MDR/André Damm

Träger der Dabruner Kindertagesstätte ist die Stadt Kemberg. Seit Wochen bereiten die immens gestiegenen Preise für Gas, Öl und Strom erhebliche Sorgen. Laut Bürgermeister Torsten Seelig ist die Einheitsgemeinde Kemberg, zu der Dabrun gehört, für 176 kommunale Objekte verantwortlich und für fast alle Liegenschaften haben sich die Betriebskosten erhöht: Jetzt im Herbst werden Abschläge fällig, die viermal höher sind als bisher.

Der Rathauschef sucht deshalb nach Einsparpotentialen. Wenn Heizungswartungen anstehen, wolle man die Temperatursteuerung anpassen. Anpassen heißt in der heutigen Zeit: Temperatur absenken. Doch Seelig warnt vor Aktionismus:  

"Wir wollen die Kinder ordentlich betreuen und wir werden die Kinder ordentlich betreuen. Was möglich ist, machen wir. Aber Kinder dürfen nicht krank werden, weil es in der Einrichtung zu kalt ist. Das darf nicht passieren." Kindertagesstätten wie in Dabrun würden nie ein Beispiel für effektives Energiesparen, sagt der Bürgermeister. Eine Kita müsse immer eine Sonderrolle einnehmen.

Energiesparmaßnahmen sollen nicht zu Lasten des Unterrichts gehen

Auch Schulen sollen wegen der Energiekrise nicht kaltgestellt werden, heißt es vom Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Laut Ministeriumssprecher Elmer Emig gebe es keinerlei Vorschriften, ob und wie Energie zu sparen ist. Das Land habe gleichzeitig für sechs Millionen Euro CO2-Ampeln gekauft, die in den Schulen anzeigen, ob die Luftqualität nachlässt. In dem Fall wird auch in Zeiten der Energiekrise zum Stoßlüften geraten.

Doch bleiben Schulen vom Energiesparen ausgenommen? "Nein", sagt Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Ob Grundschule, Sekundarschule, Berufsschule oder Gymnasium – überall könne gespart werden. Ungenutzte Räume seien nicht zu heizen, Fenster sollten nicht ständig offen stehen. In sanierten oder neu gebauten Bildungsstätten gebe es auch ein modernes Licht- und Temperaturmanagement per elektronischer Steuerung.

Torsten Zugehör
Frieren sollen die Wittenberger Schüler nicht müssen, sagt Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Bildrechte: MDR/André Damm

Dennoch spricht Zugehör von einem Spagat, den es zu bewältigen gilt. "Es ist jetzt gerade an der Zeit, darüber nachzudenken, bewusster mit dem Energieverbrauch umzugehen. Einsparpotential gibt es, aber es darf nicht zu Lasten des Unterrichts gehen."

Mit dieser Aussage liegt der Wittenberger Oberbürgermeister auf einer Linie mit der Schulleiterin des Luther-Melanchthon-Gymnasiums in Wittenberg, Anja Aichinger. Sie hofft, dass die dunkle Jahreszeit ohne Probleme vorüber geht. "Wir haben uns voriges Jahr etliche Decken angeschafft. Ich bin richtig froh, dass wir die noch als Reserve haben".

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MDR (André Damm, Leonard Schubert)

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