Dessau Hängepartie um Valneva-Impfstoff wirkt sich auf Pharmahersteller IDT Biologika aus

Der französisch-österreichische Konzern Valneva lässt seinen Corona-Impfstoff seit Ende 2021 von IDT Biologika in Dessau produzieren. Eigentlich sollte dieser längst zugelassen sein. Wegen des Verzugs droht die EU aus ihren Vorbestellungen auszusteigen. Laut IDT-Chef Betzing hätte das Folgen für sein Unternehmen.

Der Blick in die Impfstoffabfüllung ist bei laufender Produktion nur hinter der Glasscheibe möglich. Mitarbeiter bereiten die Linie für die Abfüllung des SARS-CoV-2-Impfstoffkandidaten vor.
In Dessau-Roßlau produziert IDT Biologika den Valneva-Impfstoff gegen das Coronavirus. Bei dessen EU-Zulassung hakt es jedoch. (Archivbild) Bildrechte: IDT Biologika

Die stockende EU-Zulassung beim Corona-Totimpfstoff aus dem Hause Valneva könnte den Dessau-Roßlauer Biopharmahersteller IDT Biologika in Schwierigkeiten bringen. IDT produziert den Wirkstoff bereits seit vergangenem Jahr für den französisch-österreichischen Biotech-Konzern.

Martkeintritt ungewiss

Trotz noch immer fehlender Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) werde der Impfstoff gegen Covid-19 in Rodleben auch aktuell weiter produziert. Die Dosen würden Valneva fristgerecht zur Verfügung gestellt, erklärte IDT-Sprecherin Corinna Meisel. Über die Herstellungsmengen hat sich das Unternehmen von Beginn an ausgeschwiegen. Nach MDR-Informationen sollen es mehrere Millionen Dosen sein. Ob und wie viele am Ende an den Markt gehen, ist aber derzeit ungewiss.

Valneva hatte ursprünglich mit einer viel früheren Zulassung gerechnet und war davon ausgegangen, dass bereits Ende April 2022 die Auslieferung beginnen kann. Die Europäische Kommission hatte auch bereits 60 Millionen Dosen vorbestellt. Wegen des zeitlichen Verzugs will die EU den Vorvertrag nun jedoch kündigen.

IDT-Chef: "Verfolgen Berichterstattung sehr genau"

Wie die österreichische Tageszeitung "Der Standard" noch Mitte Mai berichtete, gebe es hierzu aber noch keine endgültige Entscheidung der Kommission. Unabhängig vom Ergebnis wolle Valneva den Impfstoff weiterhin allen Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen, die nach wie vor Interesse daran hätten. Die abgefragten Mengen könnten am Ende aber geringer ausfallen.

Für IDT-Geschäftsführer Jürgen Betzing sind das unangenehme Aussichten: "Sollte es dazu kommen, dass weniger Impfdosen des Corona-Impfstoffs von Valneva bestellt werden, hätte das auch Auswirkungen auf IDT Biologika", sagte er MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage. Aktuell verfolge man die Berichterstattung sehr genau. "Mit Valneva stehen wir im engen Austausch. Mehr kann ich dazu zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen", so Betzing weiter.

Hoffnung auf baldige Zulassung

Die Frage, ob sich durch die Verzögerung auch Probleme in Sachen Haltbarkeit und Lagerung der fertigen Dosen ergeben, ließ IDT unbeantwortet. Alle Hoffnungen ruhen nun auf einer baldigen Zulassung durch die EMA sowie einem möglichen Kurswechsel bei der EU.

Beim Präparat von Valneva handelt es sich um den derzeit einzigen echten – also auf abgetöteten Corona-Viren basierenden – Totimpfstoff-Kandidaten in der EU. Anders als die mRNA-Präparate basiert er somit auf einer seit langem erprobten Impfstoff-Technologie.

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MDR (Daniel Salpius, André Damm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Juni 2022 | 05:30 Uhr

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