Automobilgeschichte Auf Reisen mit dem "Dübener Ei"

Klein, aber fein - so könnte man den "Würdig 301" beschreiben. Nur noch selten sind die "Kuschelkugeln" auf Campingplätzen zu sehen. Das aus DDR-Zeiten stammende Wohnwagenmodell ist auch als "Dübener Ei" bekannt.

Das legendäre 'Dübener Ei', ein Wohnwagen aus der DDR-Produktion des Jahres 1976, ist die Attraktion im ersten deutschen Campingmuseum in Groß-Leuthen (Landkreis Dahme-Spreewald).
Besucher des Campingmuseums in Groß-Leuthen im Spreewald können dort auch das "Dübener Ei" in Augenschein nehmen. Bildrechte: dpa

"Das Dübener Ei" verbinden viele mit der Automobilgeschichte der DDR. Dabei gehen die Wurzeln weiter zurück - bis in die Mitte der 1930er-Jahre. Max Würdig, der Erfinder und Namensgeber, richtete damals eine Werkstatt in Bad Düben ein. Der im KfZ-Bau erfahrene Tüftler hatte ein sehr eigenes Anliegen für die Erfindung des kleinen, aber feinen Wohnanhängers.

Und das war eher delikater Natur: Er wollte unbemerkt von seiner Frau mit seiner Freundin Urlaub machen - und auch Nachfragen in Hotels nach einem Trauschein umgehen. Max Würdig hat sich 1936 also damit schlicht ein fahrbares Liebesnest erschaffen.

1936 ging das erste Modell auf Reisen

Mit "Würdig 301" war sogleich ein Name gefunden, für das Objekt mit der typischen Form, die an ein Ei erinnert. Im Volksmund wurde es später, angelehnt an den Geburtsort der Erfindung, auch "Dübener Ei" genannt. Aufgrund seines kompakten Formates nannten es auch viele "Kuschelkugel". Doch zunächst blieb es eine Kleinstproduktion. Würdig nutzte seine eigenen Urlaube als "Werbefahrten" - und gab die gerade genutzten Wohnwagen nach seinem Urlauben an die Kaufwilligen ab. So war der Nutzerkreis zu Beginn eher überschaubar.

Fast ein Jahrzehnt in Vergessenheit geraten

Im Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren hatten die Menschen viele existentielle Nöte, an Urlaube war da kaum zu denken. In den 1950er-Jahren nahm Würdig seine Wohnwagen-Produktion wieder auf. Dank der auch auf Hartfaserpappe basierenden Leichtbauweise wurde das "Dübener Ei" unter Campingfans immer beliebter. Zunächst wurden damit Nahziele angesteuert wie der Thüringer Wald und der Harz.

Campingurlauber auf dem Zeltplatz in Radeburg 1986
Campingurlauber auf dem Zeltplatz in Radeburg, 1986. Bildrechte: imago images / Werner Schulze

Ein Hauch von Freiheit für DDR-Bürger

Später wurden mit dem "Würdig 301" am Autohaken auch die osteuropäischen Länder erkundet. Unabhängig von den staatlichen Reisegesellschaften konnten so eigene Urlaube organisiert werden. Doch nur bis 1972 - denn da wurde der Betrieb verstaatlicht und hieß fortan "VEB Campingwohnwagen Bad Düben". Das Ende der DDR läutete auch das Ende des Kult-Campingwagens ein. 1990 wurde die Produktion schließlich eingestellt. Doch die "Kuschelkugel" lebt weiter - nicht zuletzt durch den "Fanclub Dübener Ei" und seine Treffen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 18. August 2020 | 20:15 Uhr