Corona-Pandemie Sachsens Zahnärzte sehen WHO-Empfehlung gelassen

Sollte man in Zeiten einer Pandemie zum Zahnarzt gehen, wenn es nicht unbedingt nötig ist? Die Weltgesundheitsorganisation rät davon ab. Mit Blick auf die steigenden Corona-Fälle empfahl die WHO vor wenigen Tagen, nicht dringende Zahnbehandlungen zu verschieben. "Aber nicht bei uns", sagen die deutschen Zahnärzte. In Deutschland sei das nämlich nicht nötig, erklärt die Bundeszahnärztekammer – und das sehen auch die sächsischen Vertreter so.

beim Zahnarzt
Viele fragen sich, ob es sicher ist, in Zeiten von Corona zum Zahnarzt zu gehen. Die deutschen Zahnärzte haben darauf eine klare Antwort: Ja. Bildrechte: Colourbox

Bei der Bundeszahnärztekammer sieht man die WHO-Empfehlung einigermaßen gelassen und ist um Klarheit bemüht. Denn die Erklärung der Weltgesundheitsorganisation sei von Presseagenturen nur ungenau wiedergegeben worden, sagt der Vize-Präsident der Arbeitsgemeinschaft, Dietmar Oesterreich. Problem sei, dass man eine globale Empfehlung abgebe, die allerdings die besondere Situation sowohl in Deutschland, aber auch in Europa nicht berücksichtige.

WHO-Empfehlung gilt nicht für Deutschland

Aber bei genauer Betrachtung macht sie das dann doch. In ihrer Originalpublikation rät die WHO nämlich nicht ausschließlich dazu, nur unbedingt nötige Schmerzbehandlungen durchzuführen. Sie empfiehlt alternativ, gemäß den offiziellen gesundheitspolitischen Empfehlungen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu verfahren. Und in Deutschland gibt es eine entsprechende Empfehlung eben nicht.

Die Bundeszahnärztekammer habe das Bundesgesundheitsministerium über die Sachlage informiert, erklärt Oesterreich: "Wir haben auch unsere Position mit dem Ministerium abgestimmt, und wir haben auch diese Position der WHO zur Verfügung gestellt, sodass es von dieser Seite überhaupt keine Überlegung gibt, darauf zu reagieren."

Strenge Hygienevorschriften sind entscheidend

Selbst zu Hochzeiten der Pandemie habe man den Zahnärzten in Deutschland nie ausschließlich zu Schmerzbehandlungen geraten, sagt Oesterreich. Und jetzt seien die Infektionszahlen noch unbedenklich. Entscheidend seien ohnehin die hiesigen strengen Hygienevorschriften und die seien mit Blick auf Corona sogar noch ausgeweitet worden.

So souverän sind aber nicht alle Zahnmediziner mit der Situation umgegangen. Viele hätten große Sorgen gehabt, als die Infektionszahlen im Frühjahr plötzlich in die Höhe geschossen seien, schildert Thomas Breyer, der Chef der Sächsischen Landeszahnärztekammer: "Natürlich waren die am Anfang völlig verunsichert. Und da reichte die Spannbreite von einem lockeren 'Naja, mir wird’s schon nichts tun' bis zu einem 'um Gottes Willen, lasst uns die Praxen zumachen, wer weiß was hier passiert'."

Passiert sei aber nichts, jedenfalls nicht im Hinblick auf Corona-Infektionen. Besonders die Erkenntnisse aus China, Südkorea und Italien hätten die Kollegen beruhigt, erklärt Breyer. Denn in diesen besonders stark von Covid-19 betroffenen Ländern habe es in Zahnarztpraxen kein nennenswertes Infektionsgeschehen gegeben.

Wieder mehr Patienten kommen in die Praxen

Nicht nur die Mediziner, auch die Patienten haben wieder Vertrauen geschöpft. Nach einem heftigen Einbruch im April und im Mai, sei man inzwischen fast schon wieder auf Vor-Corona-Niveau, sagt Breyer und blickt trotz steigender Infektionszahlen optimistisch in die Zukunft: "Wir sind gut aufgestellt. Wir haben für unsere Patienten, für unsere Praxismitarbeiterinnen und die Kollegenschaft Konzepte, wie wir weiterhin dafür sorgen können, dass flächendeckend Zahnmedizin in Sachsen stattfinden wird." Und zwar auch dann, wenn der Zahnarztbesuch nicht unbedingt nötig ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2020 | 06:07 Uhr

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