Demokratie und demographischer Wandel Der Osten - Das Land der alten Männer?

Prognosen lassen den Osten alt aussehen. Der Osten Deutschlands hat seine Altersstruktur in den letzten 30 Jahren drastisch verändert. Die DDR-Bevölkerung war im Schnitt deutlich jünger als die BRD-Bevölkerung. So lag der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung 1990 im Osten noch bei 23 Prozent. Inzwischen hat sich die Zahl fast verdoppelt und liegt bei 45 Prozent.

Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Holzbank in einem grünen Park. Im Hintergrund ist ein Teich zu sehen. Links offenbar eine Frau, mit grauen, wuscheligen Haaren. Rechts ein Mann mit Schiebermütze. Neben der Bank steht ein Rollator.
Bildrechte: imago images / Sven Simon

Der Westen ist heute jünger als der Osten. Im Osten macht sich besonders der Rückgang der Geburtenrate nach der Wende bemerkbar, aber auch Arbeitslosigkeit und darauf folgende Abwanderung haben den Altersdurchschnitt im Osten wachsen lassen.

Vor allem Junge zogen in den Westen

Während der großen Abwanderungswellen direkt nach dem Mauerfall und um die Jahrtausendwende, zogen vor allem junge Erwachsene und Familien in den Westen, in der Hoffnung dort neue Berufs- und Lebensperspektiven zu finden. Damit verlor Ostdeutschland neben der gegenwärtigen auch die Chance auf eine ebenso zahlreiche nachkommende Generation junger Erwachsener. Während die Bevölkerungszahl in den alten Bundesländern stieg, ging sie in den neuen Ländern kontinuierlich zurück und ist heute in etwa auf dem Stand von 1905. Erst in den letzten Jahren gleichen sich Zuzüge und Wegzüge weitestgehend aus.

Johanngeorgenstadt verlor die meisten Einwohner

Die Stadt mit dem höchsten prozentualen Bevölkerungsrückgang in Deutschland seit 1990 ist Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. Im Jahr der Wiedervereinigung lebten in der vom Bergbau geprägten Stadt noch 8.900 Menschen, 30 Jahre später sind es nur noch halb so viele. Häuser, ja ganze Straßenzüge stehen leer, einige wurden bereits abgerissen. Zwischen 2000 und 2010 ist der Anteil von jungen Menschen von etwa 34 auf 19 Prozent gesunken, während jeder zweite Einwohner im Rentenalter ist. Das ist ein Trend in vielen Regionen der neuen Bundesländer und lässt sich anhand des Altenquotienten ablesen.

Denkmal in Johanngeorgenstadt
Die einst traditionsreiche Bergarbeiterstadt muss heute um die Zukunft bangen Bildrechte: Conrad Weigert

Zwischen 1990 und 2018 sank in Ostdeutschland der Jugendquotient von 41 Prozent auf 30 Prozent während der Altenquotient* um 22 Prozent anstieg.

Der Altenquotient bildet das Verhältnis der Personen im Rentenalter (z. B. 65 Jahre und älter) zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (z. B. von 20 bis unter 65 Jahren).

Dem Osten fehlen die Frauen

Es gibt im Osten allerdings nicht nur einen Überschuss von älteren Menschen, sondern auch von männlichen. Der Anteil der männlichen Bevölkerung liegt im Osten ein paar Prozentpunkte über dem im Westen. Der Kreis mit dem höchsten Männeranteil ist der Ilm-Kreis in Thüringen. Hier sind 54,9 Prozent der Einwohner männlich.

Der Osten schrumpft weiter

Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung im Osten sagen dass bis 2035 nur acht Großstädte in den neuen Bundesländern wachsen werden, die meisten Regionen werden weiter schrumpfen. Auch wenn die Abwanderungswelle von Ost nach West langsam abklingt werden in den ostdeutschen Bundesländern in 40 Jahren 2,3 Millionen Menschen weniger leben als heute.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Wir Ostdeutsche - 30 Jahre im vereinten Land | 28. September 2020 | 20:15 Uhr

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