Erneuerbare Energien Ökostromanteil steigt auf 49 Prozent, Ampel-Fraktionen einig bei Ausbau der Windkraft

Fast die Hälfte des Stroms in Deutschland kam im ersten Halbjahr aus erneuerbaren Quellen. Der gesamte Stromverbrauch ging zurück. Grund für den Boom der erneuerbaren Energien waren in erste Linie konstanter Wind und viel Sonnenschein. Damit der Ökostromanteil weiter wächst, sollen zwei Prozent der Fläche für Windräder vorgesehen werden. Darauf einigten sich nun die "Ampel"-Fraktionen.

Windräder und eine Hochspannungsleitung stehen hinter einem Rapsfeld.
Windräder produzierten im ersten Halbjahr 21 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland – zusammen mit Solarkraft und anderen Erneuerbaren Energien erreichte der Anteil fast die Hälfte. Bildrechte: dpa

Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2022 fast die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Branchenverbandes BDEW und des Stuttgarter Forschungsinstituts ZSW hervor. Demnach stieg der Anteil auf 49 Prozent. Das seien sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die wichtigste Ökostromquelle waren demnach Windräder an Land. Ihr Anteil habe sich von 17 auf 21 Prozent erhöht. Solaranlagen machten zwölf Prozent der Stromversorgung aus – im Vorjahreszeitraum waren es noch zehn Prozent. Zahlen zu den genauen Anteilen der konventionellen Energieträger Kohle, Gas und Atomkraft hätten noch nicht vorgelegen.

Stromverbrauch um zwei Milliarden Kilowattstunden gesunken

Kerstin Andreae
Kerstin Andreae, BDEW-Chefin Bildrechte: dpa

Insgesamt ging der Stromverbrauch in Deutschland innerhalb eines Jahres um zwei Milliarden Kilowattstunden zurück auf voraussichtlich rund 281 Milliarden. Mit Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen konnten 139 Milliarden Kilowattstunden produziert werden. Zusammen mit Kohle, Gas und Atomkraft waren es 298 Milliarden. Die Differenz zu den verbrauchten Kilowattstunden wurde exportiert.

BDEW-Chefin Kerstin Andreae drängte angesichts der Abhängigkeit von russischem Gas zu einem zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Besonders bei der Windenergie an Land bestehe dringender Handlungsbedarf. "Der größte Hemmschuh sind hier noch immer fehlende Flächen."

Zwei Prozent der Flächen für Windkraft

Die Fraktionen der Ampel-Koalition haben unterdessen den Weg für den geplanten massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien freigemacht. Vertreter von SPD, Grünen und FDP haben sich nach eigenen Angaben über letzte Details geeinigt. Einzelheiten nannten sie nicht. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jedes Bundesland zwei Prozent seiner Flächen für Windkraft zur Verfügung stellt.

Das ist ein deutliches Signal, dass der Ausbau der Erneuerbaren jetzt höchste Priorität hat.

Matthias Miersch SPD-Vizefraktionschef
Julia Verlinden
Julia Verlinden, Grüne Bildrechte: dpa

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch erklärte, das sei ein deutliches Signal, dass der Ausbau "jetzt höchste Priorität" habe. Landesregelungen könnten übergangen werden, wenn ein Land das Zwei-Prozent-Ziel nicht erreiche. Die stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende der Grünen, Julia Verlinden, verwies darauf, dass der Anteil an grünem Strom bis 2030 auf 80 Prozent steigen soll.

FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler betonte, dass den Ländern überlassen bleibe, wie sie ihre Ziele erreichten.

dpa,Reuters(rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2022 | 06:30 Uhr

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