Gasumlage Verbraucher müssen extreme Gaspreise übernehmen

Einen "schwierigen Schritt" nannte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die geplante Gasumlage, die hohe Belastungen für Verbraucher bringt. Klar ist: Wahrscheinlich kommen auf Gaskunden Hunderte Euro zusätzlich im Jahr zu. Mitteldeutsche Politiker und Verbraucherschützer fordern daher eine bessere soziale Abfederung.

Seniorin liest eine Rechnung, während sie eine Hand auf die Heizung hält.
Die Gasumlage wird die Heizkosten drastisch steigen lassen – viele Menschen wird das in finanzielle Not bringen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Bis zu 1.000 Euro könnten Familien mit vier Personen im kommenden Jahr zusätzlich durch die Gaskostenumlage zahlen. Diese erhebliche Summe kommt auf die ohnehin steigenden regulären Kosten noch oben drauf, erklärt Frank Viereckl, Pressesprecher der Leipziger Stadtwerke: "Wie hoch die Abgabe wird, wissen wir natürlich auch noch nicht, das steht ja auch noch nicht fest."

Aber, so Viereckl weiter: "Wir bitten unsere Kunden, sich ab Herbst und auch für 2023 auf drastisch steigende Preise einzustellen. Wie hoch die genau ausfallen und wie die Modalitäten der Abrechnung sind, können wir erst kommunizieren, wenn die entsprechenden gesetzlichen Regelungen final sind."

Unklar, wie teuer Aufschlag auf Gas sein wird

Noch klaffen die Spekulationen über den Aufschlag, der pro Kilowattstunde gezahlt werden muss, extrem auseinander – von 1,5 bis 5 Cent. Mit dem Aufschlag sollen Gasunternehmen vor der Insolvenz bewahrt werden. Aber, findet Ramona Ballod von der Verbraucherzentrale Thüringen: Die Endverbraucher, die diese Rettung mitfinanzieren müssen, die würden dabei viel zu wenig berücksichtigt.

Der Schutzschirm für die Gaslieferanten sei jetzt aufgespannt: "Aber der für die Verbraucher, das dritte Schutzpaket, das soll jetzt laut Herrn Habeck erst im Januar oder Februar nächsten Jahres kommen, und das ist natürlich viel zu spät", sagt Ballod.

Linken-Politikerin Werner: Gasumlage birgt "gesellschaftliche Sprengkraft"

In den letzten zwei Pandemiejahre konnten nur wenige Menschen Geld ansparen, gibt die Sozialministerin Thüringens, Heike Werner (Linke), zu bedenken. Kurzarbeit und geplatzte Aufträge schmälerten das Haushaltsbudget und so löse die Nachricht der Gasumlage bei einigen Zukunftsängste aus.

Werner sieht hier auch die Wirtschaft in der Verantwortung: "Eine Gasumlage anzukündigen und die Rekordgewinne der Energiekonzerne nicht anfassen zu wollen, birgt eine gesellschaftliche Sprengkraft, die ich mir als Sozialministerin nicht vorstellen mag. Thüringen hat sich zusammen mit anderen Bundesländern im Bundesrat für eine Übergewinnsteuer stark gemacht." Unternehmen, die von der Krise profitieren, müssten jetzt stärker in die Finanzierung des Gemeinwesens eingebunden werden, fordert Werner.

Verbraucherschützerin: Im Notfall gewährt Sozialamt Darlehen

Ramona Ballod von der Verbraucherzentrale fordert auch, dass die Energieanbieter genauer unter die Lupe genommen werden. Die Preiskalkulation sei oft nicht nachvollziehbar. Gerade jetzt müsse Transparenz selbstverständlich sein. Wer trotz Energiesparens in die Bredouille gerate, solle wissen: Die Möglichkeit, eine finanzielle Hilfeleistung zu bekommen, stehe auch Menschen zu, die eigentlich keine soziale Beihilfe wie Wohngeld oder Arbeitslosengeld 2 beziehen.

"Wer durch die hohen Energiepreise in so eine finanzielle Notlage gerät, dass ihm ansonsten das Leben aus den Fugen gerät, kann ruhig bei seinem Sozialamt vorstellig werden und kann sagen: Hier, bitte übernehmt für mich jetzt mal diese Rechnung", erklärt Ballod. In der Regel erfolgt die Unterstützung in Form eines Darlehens, das dann gestückelt zurückgezahlt werden kann.

Nach jetzigem Stand soll die Gaskostenumlage im Frühjahr 2024 enden. Also dann, wenn Deutschland nach dem Willen der Bundesregierung gänzlich unabhängig vom russischen Gas ist und längst günstigere Energiequellen zur Verfügung hat. So zumindest das Ziel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2022 | 06:00 Uhr

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