Energiepreise Auch Fernwärme-Kunden müssen mit Mehrkosten rechnen

Wer seine Wohnung oder sein Haus mit Gas heizt, hat sich sich angesichts der steigenden Gaspreise und der Gasumlage sicherlich schon auf Nachzahlungen eingestellt. Aber wie ist das eigentlich bei Fernwärme? Auch hier drohen den Verbrauchern steigende Preise.

Fernwärmeleitungen
Auch Fernwärme-Kunden müssen sich auf Mehrkosten einstellen. Bildrechte: IMAGO / imagebroker/puchinger

Ein Kraftwerk erzeugt Wärme und die wird dann über ein Rohrsystem an die Häuser und Kunden verteilt. Das ist das Prinzip der Fernwärme. Nach Erdgas und Öl liegt sie bundesweit auf Platz drei der wichtigsten Energieträger.

Fernwärme ist regional unterschiedlich verteilt

Rund 14 Prozent der Wohnungen in Deutschland werden über Fernwärme geheizt – in manchen Regionen ist es aber deutlich mehr, sagt Florian Munder, Fernwärme-Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband. "Fernwärme ist regional in Deutschland unterschiedlich verteilt. Das ist einerseits der Unterschied zwischen Stadt und Land. Und dann gibt es aber eben auch Regionen in Deutschland, wo die Fernwärme eine größere Rolle spielt, das ist einerseits im Norden und andererseits Osten."

Nach Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (kurz: BDEW) von 2019 heizen in Thüringen rund 24 Prozent der Wohnungen mit Fernwärme, in Sachsen-Anhalt rund 27 Prozent und in Sachsen mehr als 28 Prozent. Damit liegt der Fernwärmeanteil in Mitteldeutschland deutlich über dem Bundesschnitt.

Auch Fernwärme-Kunden müssen mit Mehrkosten rechnen

Aber woraus wird die Fernwärme eigentlich gewonnen? Auch hier gibt es Zahlen vom BDEW. Der mit Abstand größte Teil ist demnach Erdgas. Fast die Hälfte, rund 47 Prozent, der Fernwärme entsteht aus Gas. Erst danach folgen erneuerbare Energien und Kohle. Entsprechend müssen Fernwärme-Kunden angesichts steigender Gaspreise ebenfalls mit Mehrkosten rechnen, sagt Munder. "Weil Fernwärme in vielen Fällen eben aus Gas hergestellt wird und dementsprechend haben die Gaspreise dann auch einen großen Effekt auf die Fernwärmepreise."

Wie hoch die Preissteigerungen ausfallen, das kommt dann darauf an, wie groß der Erdgas-Anteil beim jeweiligen Fernwärme-Versorger ist, sagt Munder. Auch der "Energieeffizienzverband AGFW", der die deutschen Fernwärmeunternehmen vertritt, teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit: "Aktuell steigen die Preise für Fernwärme, aber nicht in so hohem Maße wie für Gas. Es gibt große regionale Unterschiede. Der Preis, den die Verbraucher zahlen müssen, hängt wesentlich vom Erzeuger und vom Fernwärmesystem der Stadt ab, daher sind pauschale Aussagen zur Preisentwicklung nicht möglich."

Verbraucherzentrale warnt: Vorsicht bei Jahresabrechnung

Viele Kunden werden die Teuerung zudem erst auf der Jahresabrechnung sehen, warnt Florian Munder von der Verbraucherzentrale. Denn wegen besonderer Preisänderungsklauseln könnten Fernwärme-Anbieter ihre Preise einfach automatisch anpassen, sagt Munder, ohne vorherige Mitteilung an die Kunden. "Innerhalb dieser Vertragslaufzeit können die Preise eben automatisch angepasst werden, ohne dass einem dadurch ein Sonderkündigungsrecht zusteht. Und es gibt eben noch nicht mal die Pflicht der Versorger, die Kundinnen zu informieren, dass jetzt der Preis steigt, sondern man bekommt das erst mit der Endabrechnung mit."

Steigen die Gaspreise, steigt also auch der Preis für Fernwärme. Offen ist derzeit noch, ob Fernwärme-Kunden zusätzlich noch von der Gasumlage betroffen sein werden. Die Anbieter wollen die Kosten an ihre Kunden weitergeben dürfen. Sonst "könnten deutschlandweit viele Stadtwerke in Liquiditätsengpässe kommen, weil sie die Gasumlage zahlen müssen, diese aber nicht weitergeben können", teilt der Verband AGWF mit.  Hier warte die Branche aktuell auf eine von Wirtschaftsminister Habeck angekündigte Lösung. Das Bundeswirtschaftsministerium teilt dazu auf Nachfrage von MDR AKTUELL mit, zur genauen Einbeziehung der Fernwärmekunden sei man in Gesprächen und werde sich zeitnah dazu äußern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2022 | 06:00 Uhr

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