Porträt über Magdeburger SPD-Mann Martin Kröber zieht als Neuling in Bundestag

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

In Berlin kommt diese Woche das erste Mal seit der Wahl der neue Bundestag zusammen. Die stärkste Fraktion stellt die SPD mit 206 gewählten Abgeordneten. Einer von ihnen ist Martin Kröber aus Magdeburg. Mit gerade mal 29 hat er überraschend das Direktmandat gewonnen. Ein Portrait.

Für Magdeburgerinnen und Magdeburger war es den ganzen Sommer über wirklich schwer an Martin Kröber vorbeizukommen. Er lächelte in Magdeburgs Altstadt von fast jeder Straßenlaterne. An jeder Ecke lagen seine Flyer, manchmal auch im Papierkorb. Und er selbst postierte sich mit seinem Wahlkampfstand in Fußgängerzonen und vorm Freibad. Sein Slogan: Martin Kröber – das Schwergewicht für Arbeitnehmer*innen.

Den Spruch, den Kröber mit Gendersternchen auf seine Plakate drucken ließ, könnte man auch auf seine Statur beziehen, war das seine eigene Idee? "Tatsächlich nicht", erzählt er: "Das war die Idee von meinem Wahlkampfteam, die da wirklich sehr lange drüber diskutiert und ganz klar gesagt haben, der Schwerpunkt deines Lebens besteht halt darin, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen zu verbessern. Und das ist auch das, was wir den Leuten erklären wollen, dass wir das wollen."

Aus der Arbeiterfamilie in die SPD

Kröbers Eltern sind Eisenbahner und Verkäuferin, er selbst seit zehn Jahren in Gewerkschaften engagiert. Schon als Teenager trat er der SPD bei. Und damit gehört er zu einer Generation von Sozialdemokraten, die mit ihrer Partei vor allem verlieren lernen mussten. 

2008 wurde Kröber SPD-Mitglied. Bei der Landtagswahl 2011 erzielte die SPD noch über 21 Prozent, dann hat sie sich 2016 auf gut zehn halbiert und ist bei der Landtagswahl in diesem Jahr ganz und gar unter zehn Prozent gestürzt. "Der erste Erfolg war mein eigener", sagt Kröber, "das ist mir letztens auch mal so bewusst geworden. Aber ich glaube, da muss man eher hineinschauen, warum bin ich denn überhaupt Mitglied der SPD geworden und das aus demselben Grund, warum ich für die Gewerkschaften arbeite. Ich glaube, das ist auch das, was mich da am Ende des Tages jeden Morgen aufstehen lässt und mich auch Mitglied der SPD hat sein lassen, weil ich bis heute glaube, dass das die einzige Partei ist, mit der ich das gut kann."

Mit 32.000 Erststimmen in den Bundestag

Wenn Kröber heute den Plenarsaal des Bundestages betritt, stehen hinter ihm mehr als 32.000 Menschen, die ihm ihre Erststimme gegeben haben. Das sind in seinem Wahlkreis 25 Prozent – eine Überraschung, dass er das Direktmandat seinem CDU-Kontrahenten abnehmen konnte. Es gibt vieles, das Kröber damit bewegen will: "Inzwischen leben wir ja in einem Land, wo viele Leute von ihrem Einkommen nicht leben können, wo Arbeit krank macht, wo Menschen in Rente gehen und danach Flaschen sammeln müssen, damit sie ihre Wohnung bezahlen können und ich glaube, das ist für mich ein ganz entscheidendes Thema, dass man diese Situation ändert."

Wo Kröber im Bundestag in seiner Fraktion genau sitzt, das weiß er noch nicht. Es gibt keine Sitzordnung innerhalb der Fraktionen. Bei 206 Kolleginnen und Kollegen allein bei der SPD muss er da ein Handtuch hinlegen, um einen guten Platz zu haben? "Ich befürchte, das werden sehr viele so machen, aber nein, ich halte nichts davon ein Handtuch hinzulegen. Ich werde dann kommen, wenn es so weit ist und werde den Platz nehmen, der dann noch für mich da ist."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Oktober 2021 | 08:53 Uhr

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