Waffenlieferungen Ukraine soll Panzer aus Deutschland bekommen

Die Ukraine soll aus Deutschland Flugabwehrpanzer vom Typ "Gepard" erhalten. Weitere schwere Waffen sollen per Ringtausch aus Osteuropa in die Ukraine kommen. "Die Ukraine bestellt und Deutschland bezahlt", sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht am Dienstag vor Nato-Verbündeten.

Flugabwehrpanzer Gepard 2A6 der Bundeswehr
Panzer vom Typ "Gepard" (Archivbild) sollen aus alten Beständen der deutschen Rüstungsindustrie in die Ukraine geliefert werden. Bildrechte: imago/photothek

Deutschland will der Ukraine den Kauf deutscher Panzer ermöglichen, Lieferungen weiterer schwerer Waffen fördern und ukrainische Soldaten ausbilden. Die Bundesregierung gebe grünes Licht für die Lieferung gebrauchter Flugabwehrpanzer des Typs "Gepard" an die Ukraine, sagte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht bei einem Treffen mit Amtskollegen auf der US-Basis Ramstein in Rheinland-Pfalz.

Christine Lambrecht Verteidigungsministerin von Deutschland
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. Bildrechte: IMAGO / Political-Moments

Deutschland werde darüber hinaus die Lieferung schwerer Waffen im Ringtausch-Verfahren ausbauen, sagte Lambrecht. "Damit die Ukraine schnell auch an schwere Waffen kommt, die keine lange Ausbildung erfordern, haben wir mit unseren Partnern in Osteuropa einen Ringtausch initiiert", sagte die SPD-Politikerin. "Sie geben Gerät aus sowjetischer Produktion an die Ukraine und wir füllen diese Lücken auf. Hier kann man noch mehr tun, wir sind dazu bereit."

Deutschland werde sich zudem stärker bei der Ausbildung ukrainischer Truppen an Artilleriesystemen auf deutschem Boden engagieren, kündigte die Ministerin an. "Wir werden zusammen mit den Niederlanden Ausbildung an Panzerhaubitzen und Munition für die Ukraine bereitstellen, denn wir wissen alle, dass in diesem Konflikt Artillerie ein wesentlicher Faktor ist."

Lambrecht: Deutschland hat geliefert

Kritik an der Bundesregierung wies Lambrecht zurück. Die Zahlen sprächen eine andere Sprache. Deutschland habe "in einem ersten Schritt" aus Beständen der Bundeswehr "in großen Umfang Waffen und Ausrüstung an die Ukraine geliefert, etwa Panzerfäuste und Flugabwehrraketen". Andererseits seien die Möglichkeiten zur Lieferung von Material aus Bundeswehr-Depots jedoch begrenzt. "Deshalb unterstützen wir, wenn die Industrie direkt an die Ukraine liefert. Die Ukraine bestellt und Deutschland bezahlt." Dies sei bereits geschehen bei Drohnen und Panzerabwehrminen.

Deshalb unterstützen wir, wenn die Industrie direkt an die Ukraine liefert. Die Ukraine bestellt und Deutschland bezahlt.

Christine Lambrecht, SPD Verteidigungsministerin

Bei den "Gepard"-Flugabwehrpanzern handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um aufgearbeitete Fahrzeuge aus früheren Beständen der Bundeswehr, die nun im Besitz des Rüstungsherstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sind. Es geht demnach um eine mittlere zweistellige Zahl dieser Panzer. Der "Gepard" kann auch im Kampf gegen Bodenziele eingesetzt werden. Die Bekämpfung von fliegenden Zielen im Verbund mit anderen Kräften gilt dagegen als technisch anspruchsvoll.

Ampel-Fraktionen für Waffenlieferungen

Die Bundesregierung stand in den vergangenen Tagen in der Kritik, weil Lieferungen schwerer Waffen aus Deutschland in die Ukraine ausblieben. Jüngst kamen entsprechende Forderungen auch immer lauter aus den Reihen der Bundestagsfraktionen der Ampel-Parteien. Mehrere Nachrichtenagenturen berichteten am Dienstag über einen Antrag für den Bundestag, in dem sich SPD, Grüne und FDP dafür aussprechen, "die Lieferung auf schwere Waffen und komplexe Systeme etwa im Rahmen des Ringtauschs zu erweitern, ohne die Fähigkeit Deutschlands zur Bündnisverteidigung zu gefährden".

Die größte Oppositionsfraktion CDU/CSU hatte bereits einen Antrag vorgelegt, der deutlich weiter geht. Die Union forderte, die deutschen Waffenlieferungen "in Quantität und Qualität unverzüglich und spürbar" zu intensivieren. Das schließe auch schwere Waffen ein.

USA kündigen Kontaktgruppe an

Derweil fand auf der US-Militärbasis im rheinland-pfälzischen Rammstein ein internationales Ministertreffen statt, zu dem der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin geladen hatte. Anschließend kündigte Austin an, Treffen dieses Formats in monatlichen Abständen fortzuführen.

"Die Kontaktgruppe wird ein Instrument, um unsere Unterstützung zu koordinieren und uns darauf zu konzentrieren, den heutigen Kampf und die kommenden Kämpfe zu gewinnen", sagte der Pentagon-Chef weiter. Die monatlichen Treffen könnten persönlich, virtuell oder in einem gemischten Format stattfinden.

Austin würdigte zudem Deutschlands Ankündigung zu Waffenlieferungen. Deutschland sei "ein toller Freund und Verbündeter" der USA. Auf die Frage, ob Deutschland noch mehr Waffen an die Ukraine liefern müsse, antwortete Austin, Lambrecht werde sicherlich "weiterhin nach W‚egen suchen, relevant zu sein und den Ukrainern gute Kapazitäten zur Verfügung zu stellen". 

AFP/Reuters/dpa/MDR (ala)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 26. April 2022 | 11:00 Uhr

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