Coronavirus Lauterbach sieht im Abebben der Sommerwelle keinen Grund zur Entwarnung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht die Coronavirus-Sommerwelle in Deutschland gebrochen, erkennt darin aber keinen Grund zur Entwarnung. Zugleich wies er Kritik an geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes zurück und kündigte eine neue Impfkampagne an, die demnach schon Ende des kommenden Monats beginnen könne.

Karl Lauterbach (SPD, r), Bundesminister für Gesundheit, und Leif Erik Sander, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité, geben eine Pressekonferenz zur Corona-Lage.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und der Charité-Mediziner Leif Erik Sander bei der Pressekonferenz am Freitag in Berlin. Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht die Coronavirus-Sommerwelle in Deutschland gebrochen. "Die Sommerwelle fängt jetzt langsam an zurückzugehen", sagte der SPD-Politiker. Es gebe einen Rückgang der Fallzahlen und der Sterblichkeit. Das sei aber kein Grund zur Entwarnung, vielmehr sei zu erwarten, dass die Fallzahlen im Herbst wieder stark stiegen. Zu bedenken gab Lauterbach auch, dass der Anteil nicht registrierter Covid-19-Erkrankungen gestiegen sei: "Die Dunkelziffer steigt."

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte in seinem Wochenbericht vom Donnerstag geschrieben, "dass der aktuelle Wellengipfel überschritten zu sein scheint". Der Infektionsdruck sei aber weiter hoch und vor allem Menschen über 80 Jahre erkrankten schwerer. Die Zahl der bekannten Fälle lag laut RKI mit zuletzt 49.839 um 9.667 unter der vor einer Woche und die Sieben-Tage-Inzidenz bei 345,9 pro 100.000 Einwohner.

Debatte um Gesetzesänderungen

Bei dem Termin in der Bundespressekonferenz wies Lauterbach auch Kritik an der zusammen mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) erarbeiteten Neufassung des Infektionsschutzgesetzes zurück. Ab 1. Oktober könnten die Länder demnach unabhängig von Inzidenzen in Innenräumen eine Maskenpflicht einführen, müssten dies aber nicht.

Es sei auch nicht so, sagte Lauterbach, dass eine Impfung nur noch drei Monate gelten und man sich alle drei Monate impfen lassen solle. Diese Frist für die Maskenpflicht-Ausnahmen sei gewählt worden, weil Impfungen nach bisherigen Erkenntnisse in dieser Zeit gegen Ansteckungen schützten, gegen schwere Infektions- und Krankheitsverläufe aber viel länger.

Die Länder sehen Regelungen zur Maskenpflicht bei Veranstaltungen und in der Gastronomie kritisch. Ausnahmen seien im Alltag schwer umzusetzen und zu kontrollieren, erklärten sie bei der Gesundheitsministerkonferenz in dieser Woche in Magdeburg. Lauterbach will weitere Gespräche mit den Ländern führen, wies allerdings Forderungen nach einheitlichen Vorgaben zurück. Die Länder müssten die Gefahr bewerten, Fallzahlen und andere Indikatoren, wie die Belegung der Krankenhäuser und die Schwere der Krankheitsverläufe. Das sei besser als immer wieder gescheiterte Versuche mit festen Grenzwerten.

Vorbereitung auf neue Impfkampagne

"Sehr gute Nachrichten" gibt es laut Lauterbach bei den Impfstoffen. Es sei davon auszugehen, dass speziell auf die Omikron-Variante zugeschnittene Mittel schon im September ausgeliefert werden. Sie seien in "auskömmlicher" Menge bestellt, eine neue Impfkampagne könne Ende September starten.

mit dpa, AFP, Reuters, epd (ksc)

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2022 | 11:00 Uhr

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