recap Konzert-Branche in der Krise – will niemand mehr Tickets?

Nach zwei Jahren Pandemie werden wieder Konzerte oder ganze Touren abgesagt. Selbst von bekannten Bands wie Revolverheld. Doch das liegt nicht an der aktuellen Corona-Politik. Sondern weil schlicht zu wenige Tickets verkauft werden, kaum Equipment zur Verfügung steht und es an allen Ecken und Enden an Personal fehlt. Gleichzeitig spielen große Headliner wie Rammstein, Die Toten Hosen oder Lady Gaga Konzerte vor zehntausenden Fans. Wie geht das zusammen? Das erfahrt ihr diese Woche bei recap.

Mann mit Konzertkarten
Wie geht es der Konzert-Branche nach zwei Jahren Pandemie? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In diesem Sommer geht es richtig ab. Selten haben so viele Konzerte und Festivals gleichzeitig stattgefunden. Da war Rammstein in Leipzig, Die Toten Hosen auf der Festwiese vor über 55.000 Fans. Coldplay spielt dreimal hintereinander in Berlin und Ed Sheeran gibt sogar neun Stadionkonzerte in Deutschland. Auch Billie Eilish, Lady Gaga und Die Ärzte sind auf Tour. Trotzdem oder gerade deshalb geht es der Konzertbranche gerade schlecht. Wie passt das zusammen?

Warum werden so wenige Tickets verkauft?

Zum einen herrscht gerade ein extremes Überangebot. Zwei Jahre lang mussten Konzerte coronabedingt verschoben werden. Jetzt werden diese fast zeitgleich nachgeholt. Viele arbeiten ihre liegengebliebenen Tickets erst einmal ab. Somit haben neu angesetzte Gigs kaum eine Chance. Auch weil Tickets dafür viel teurer geworden sind. Und bei vielen Musik-Fans sitzt das Geld nun mal längst nicht mehr so locker wie in Vorkrisenzeiten. Zum anderen besteht natürlich auch noch die Sorge vor einer Corona-Infektion, wenn man so dichtgedrängt auf der Bühne steht.

Was der Konzertbranche außerdem zusetzt: der Kostendruck. Denn Konzert- und Festival-Veranstalter müssen in vielen Fällen mit dem Geld auskommen, was die Fans vor der Pandemie für die Tickets bezahlt haben. Und das reicht inzwischen nicht mehr, um die Kosten zu decken. Bestes Beispiel dafür ist das Elektro-Festival Fusion in Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus der Saison mit einem fetten Minus von 1,5 bis zwei Millionen Euro.

Doch warum ist alles so teuer?

In der Pandemie sind Technik-Verleiher pleite gegangen, weil es keine Konzerte gab. Jetzt wollen auf einmal alle wieder Gigs veranstalten und so trifft höhere Nachfrage nach Live-Equipment auf geringeres Angebot. Selbst Tourbusse sind viel teurer als vorher. Wenn man denn überhaupt noch einen bekommt.

Ein weiterer Grund für die Teuerung: der Personalmangel. Es fehlen Tourmanager, Tontechnikerinnen, Lichttechniker, Mitmusikerinnen, Busfahrer. Hinter der Bühne werden zum Teil Reinigungskräfte zu Kabelträgern - weil nach zwei Jahren Corona kaum noch Leute in der Konzertbranche arbeiten. Das PULS-Festival in Bayern musste sogar kurzfristig abgesagt werden, weil das Sicherheitspersonal gefehlt hat.

Wie gehen die Künstlerinnen und Künstler damit um?

Bands müssen wieder Konzerte verschieben, in kleinere Locations umziehen oder Shows ganz absagen. Das ging dem Rapper Ahzumjot genauso wie Revolverheld, die ihre Tour für Anfang 2023 abgesagt haben.

Warum es der Konzert-Branche so schlecht geht, das alles klären wir in dieser recap-Folge. Viel Spaß beim Schauen!

Dieses Thema im Programm: recap – bei Youtube | 12. August 2022 | 17:00 Uhr

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