E-Auto Laden auf Supermarkt-Parkplätzen könnte kostenpflichtig werden

Bisher konnte man während des Einkaufens als E-Autofahrer seinen Wagen auf dem Kundenparkplatz des Supermarkts kostenlos aufladen. Manche Handelsketten wollen nun Geld für den Strom. Der Wegfall der Gratis-Ladesäulen könnte den ohnehin schleppenden Ausbau der E-Infrastruktur zusätzlich erschweren.

E-Ladestation für Elektroautos auf dem Parkplatz eines deutschen Lidl-Supermarktes.
Das Laden von E-Autos auf den Parkplätzen von Einzelhandelsketten könnte künftig kostenpflichtig werden. Bildrechte: imago images/Bihlmayerfotografie

Lars Reimann leitet die Abteilung Energie- und Klimapolitik beim Handelsverband Deutschland. Dass nach Aldi Süd noch weitere Handelsketten Geld fürs Strom-Laden auf ihren Kundenparkplätzen verlangen werden, hält er für wahrscheinlich: "Ich denke, über kurz oder lang werden sicherlich alle aus dem Gratis-Laden aussteigen. Wenn man sich die aktuellen Strompreise ansieht, dann ist es sicherlich schwierig, dort nochmal dem eigenen Unternehmen gegenüber zu verkaufen, dass man den extrem teuren Strom verschenkt."

Kundenbindung durch Schnellladepunkte

Kundenbindung kann dann auch durch eine gute Qualität bei den Ladesäulen, zum Beispiel durch Schnellladepunkte entstehen, ist sich Reimann sicher. MDR AKTUELL hat verschiedene Handelsketten zu ihren Ladesäulen auf dem Kundenparkplatz befragt. So geben IKEA, Aldi Nord und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, an: Das E-Auto-Laden während des Einkaufs ist gratis.

Dazu, wie das künftig sein könnte, schweigen die Unternehmen. Bei der Fastfood-Kette McDonald’s muss dagegen schon fürs Strom-Tanken bezahlt werden. Die Ladesäulen werden dort allerdings von EWE Go betrieben und stehen allen, nicht nur der Kundschaft, zur Verfügung. Und Aldi Süd weist darauf hin, dass es für das jetzt kostenpflichtige Laden keine Zeitbegrenzung mehr gebe. Konsum hat die MDR AKTUELL-Anfrage bis zur gesetzten Deadline nicht beantwortet.

Über die Hälfte der Stellplätze nicht stromförderfähig

Aber ist der Wegfall von Gratis-Ladesäulen ein generell negatives Signal für den E-Auto-Markt? Markus Emmert, Vorstand des Bundesverbands eMobilität, empfindet das nicht so: "Das wichtigste für einen E-Autofahrer ist, dass er zuverlässig laden kann. Das heißt, dass er weiß, wo Ladeinfrastruktur ist. Und jeder ist auch bereit, Geld dafür zu bezahlen. Jetzt nicht jede Summe, das muss fair sein. Aber keiner will da was geschenkt bekommen. Natürlich gibt es so ein paar "Schnorrer", die da unterwegs sind, aber das kann es auch tatsächlich dauerhaft nicht sein. Sprit hat auch keiner geschenkt bekommen – Wieso soll es sich beim Strom anders verhalten?"

Dass E-Ladesäulen im Handel nun also möglicherweise sukzessive auf "kostenpflichtig" umgestellt werden, hält er für legitim. Lars Reimann vom Handelsverband sagt: Der Aufbau der E-Infrastruktur koste viel Geld – von der Politik wünsche er sich deshalb bessere Förderbedingungen. Denn 55% der Stellplätze seien derzeit nicht förderfähig, weil sie nicht rund um die Uhr zugänglich sind – was oft an baurechtlichen Anforderungen liege.

Gerne würde man Handels-Parkplätze nachts zum Beispiel zum Laden der E-Autos von Anwohnerinnen und Anwohnern nutzen. Trotzdem betont Reimann auch: "Es wird immer eine Verknüpfung geben müssen zwischen dem Tankvorgang auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Kerngeschäft des Einzelhandels, dem Verkauf von Produkten. Der Aufbau von Ladeinfrastruktur ist Nebentätigkeit." Der Handel sei nicht die Tankstelle der Zukunft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2022 | 06:12 Uhr

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