Sommer 2022 Mehr Todesfälle durch Hitzewellen im Juli

Hitze kann gefährlich für unsere Körper werden: Bei Temperaturausschlägen steigt auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Der Juli dieses Jahres war besonders heiß und nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind im vergangenen Monat überdurchschnittlich viele Menschen gestorben.

Thermometer
Über 9.000 Menschen mehr als sonst im Juli sind in Deutschland im vergangenen Monat gestorben. Bildrechte: dpa

Zwölf Prozent beträgt der Anstieg: Im Juli 2022 sind zwölf Prozent mehr Menschen gestorben als im Schnitt der vergangenen vier Julis. Bedeutet nominell: ein Plus von über 9.000 bei über 85.000 Toten insgesamt. So steht es in der Meldung des Statistischen Bundesamtes. Insbesondere in den Phasen, in denen es sehr heiß war, sind die Zahlen nach oben geschnellt.

Also war die Hitze der entscheidende Faktor für den Tod vieler Menschen? Das könne sein, sagt Bettina Sommer, Leiterin des Referats für Demografische Analysen beim Statistischen Bundesamt. Genau sagen könne man das aber nicht, weil man die Todesursache nicht kenne.

Sterberate im Juli erhöht

Allerdings stiegen die Todeszahlen insbesondere in den Wochen, in denen die Temperaturen stark angestiegen sind. "Wir hatten wirklich Hitzewellen mit Zeiten, mindestens mit Tagen, die ungefähr bei 40 Grad regional landeten. In diesen Zeiten ist eben auch die Zahl der Sterbefälle insgesamt sehr stark angestiegen. Sie liegt deutlich über den Werten, die sonst um diese Jahreszeit zu erwarten sind", erklärt Sommer.

Das sei keine neue Entwicklung. Dieser Zusammenhang sei immer wieder zu beobachten. Bemerkenswert sei dieser Anstieg im Juli aber schon. Denn er sei verhältnismäßig früh gekommen. Sonst gebe es solche Ausschläge vielleicht im August: "Die Kalenderwoche 29, da haben wir 24 Prozent mehr Sterbefälle verzeichnet als in diesem Vierjahres-Vergleichszeitraum. Das ist dann also schon wirklich sehr auffällig", findet Sommer.

Höheres Risiko für Herzkreislauferkrankungen

Aufgeteilt auf 31 Juli-Tage sowie auf alle zusammengerechnet über 17.000 Pflegeheime und Krankenhäuser in Deutschland ist ein Anstieg um gut 9.000 Todesfälle aber wohl marginal. An der Uniklinik Leipzig gab es jedenfalls keine Auffälligkeiten. Auf Anfrage heißt es, verglichen mit den Zahlen des vergangenen Jahres sei keine Abweichung zu erkennen.

Das sagt auch Ulrich Laufs, der Direktor der Kardiologie am Klinikum. Seine Begründung: "Damit man das richtig einordnet: Es geht um kleine Veränderungen in den Sterberaten. Das Leben als solches ist tödlich. Wir alle sterben irgendwann und es geht dann um Ausschläge. Wenn man das bevölkerungsbezogen über Jahre betrachtet, dann ist es so, dass Temperaturschwankungen nach unten und Temperaturschwankungen nach oben, also in beide Richtungen, mit einer erhöhten Sterblichkeit zu tun haben."

Bei Temperaturausschlägen nach oben steigt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nach Angaben Laufs insbesondere bei älteren Menschen aber deutlich stärker.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 12. August 2022 | 06:00 Uhr

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