Nach Corona-Infektion Genesenennachweis – so bekommt man ihn

Eine Sonderregel zu Antigentests in Thüringen und eine Verlautbarung der EU haben in der Bevölkerung für Verwirrung gesorgt. Doch es bleibt dabei: Wer in Deutschland einen Genesenennachweis haben möchte, braucht einen positiven PCR-Test. Anlaufstellen sind Apotheken und Arztpraxen.

Ein Mann hält sein Smartphone mit einem digitalen Covid-Genesenenzertifikat vor einem Apotheken-Logo hoch.
Ein digitales Zertifikat über die Genesung nach einer Corona-Infektion wird von der Apotheke ausgestellt. Bildrechte: dpa

Kurz vor der Booster-Spritze hat es Claudia Kappes im Frühjahr dann noch erwischt: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen – sie hatte Corona. Im Anschluss war sie in Quarantäne. Und danach? Wie kommt die Leipzigerin an den Genesenennachweis?

So richtig sicher ist sie sich da nicht: "Wenn ich es richtig verstanden habe, müsste man mit dem Brief vom Gesundheitsamt zu einer Apotheke gehen und sich da diesen Genesenenstatus bescheinigen lassen und dann kann man sich das in die Corona-App laden", erzählt Kappes.

Apotheken und Arztpraxen sind Anlaufstellen für Genesenennachweis

Fast richtig, sagt Reinhard Groß. Er ist Apotheker und Vize-Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes. "Es wird ja landläufig immer so gesagt: Apotheken stellen die Zertifikate aus. Im eigentlichen Sinne digitalisieren wir ja nur bereits vorhandene Papierzertifikate", sagt Groß.

Genesene benötigen tatsächlich entweder ein positives PCR-Testergebnis oder einen entsprechenden Brief vom Gesundheitsamt, wenn sie sich ihren Status in der Apotheke bescheinigen lassen wollen. So ein Nachweis kann auch im Nachhinein vom Amt erstellt werden, denn die Labore sind verpflichtet, positive Fälle dorthin zu melden.

Die Infizierten selbst müssten sich um nichts weiter kümmern, erklärt Nils Lahl vom Gesundheitsamt Leipzig: "Wir bestätigen also amtlich diesen Genesenennachweis, in dem wir das PCR-Ergebnis bestätigen und so kommen Sie sozusagen zu einem amtlichen Genesenennachweis von unserer Seite aus. Damit können Sie dann zur Apotheke gehen."

Eine zweite Anlaufstelle zum Erstellen der Genesenennachweise sind die Arztpraxen. Auch Ärztinnen und Ärzte dürfen Gensenenzertifikate ausgeben. Das ist womöglich sogar einfacher als in der Apotheke, weil etwa beim Hausarzt in der Regel der entsprechende Laborbefund bereits vorliegen dürfte.

Nachweis erst 28 Tage nach Erkrankung

Allerdings gibt es den Genesenennachweis nicht gleich nach Abschluss der Quarantäne, sondern erst nach einer Übergangsfrist von 28 Tagen. Diese frist wurde politisch so festgelegt. Nils Lahl vom Gesundheitsamt in Leipzig erläutert: "Sie gehen genesen aus der Absonderung. Sie sind gesund, aber einen Genesenennachweis – die Gültigkeit – bekommen Sie erst 28 Tage nach dem positiven PCR-Ergebnis."

Ein Problem aus Sicht von Apotheker Reinhard Groß: "Die Patienten haben mitunter überhaupt noch nichts in der Hand, weil sie eben von ihrem Gesundheitsamt noch nichts gehört haben und noch darauf warten, dass ihnen vom Labor etwas zugeschickt wird."

Genügend PCR-Testkapazitäten in Deutschland

Diese Fälle sowie jede neue Nachricht zum Thema Genesenennachweis sorgten im Frühjahr für viele Telefonanrufe in den Apotheken: "Also wir werden natürlich schon konfrontiert mit den Fragen: Ich dachte oder ich habe in den Nachrichten gehört, ein Schnelltest reicht aus", erzählt Groß.

Für diese Verwirrung sorgte Ende Februar eine Verlautbarung der EU. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte, dass in Europa künftig ein positiver Schnelltest für den Genesenennachweis ausreichen könne. So sollten die seinerzeit stark ausgelasteten PCR-Testkapazitäten geschont werden. Dabei handelt es sich jedoch um eine Möglichkeit und nicht um eine Vorschrift. Die Entscheidung über den notwendigen Nachweis liegt weiter bei den Mitgliedsstaaten – und in Deutschland ist nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz vom 19. März 2022 nach wie vor ein PCR-Test vorgeschrieben.

Ausnahme in Thüringen: PCR-Test für Nachweis bleibt aber Voraussetzung

Zusätzlich kompliziert ist die Situation im Freistaat Thüringen. Dort ist seit dem 1. April ein PCR-Test nicht mehr grundsätzlich nötig, um eine Infektion nachzuweisen. Ein Antigen-Schnelltest reicht dazu aus. Hintergrund sind Engpässe bei den PCR-Testkapazitäten in Frühjahr.

Trotzdem muss auch in Thüringern weiterhin ein positiver PCR-Test vorgelegt werden, um einen Genesenennachweis zu erhalten. Die CDU im Freistaats kritisierte das zwar als Lücke in der Corona-Verordnung. Dennoch blieb es dabei. Wer einen PCR-Test als Nachweis für einen Genesenennachweis benötigt, soll sich laut Thüringer Gesundheitsministerium an seinen Hausarzt oder ans Gesundheitsamt wenden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2022 | 06:00 Uhr

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