Digitalisierung Wo es bei der elektronischen Krankschreibung noch hapert

Wer krank ist, empfindet es in der Regel schon als Zumutung, zum Arzt zu gehen, um sich krankschreiben zu lassen. Aber dann kommt ja auch noch der Papierkram – eine Ausführung der Krankschreibung muss zum Arbeitgeber, eine zur Krankenkasse. Damit soll bald Schluss sein. Gerade stellen Praxen und Krankenkassen auf die sogenannte eAU um: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Allerdings gibt es Probleme.

Eigentlich sollte der Drucker in der Hausarztpraxis von Dr. Sebastian May in Leipzig-Holzhausen längst entlastet und der Vorgang der Krankschreibung durch einige Klicks ersetzt sein. Aber: "Also es funktioniert einfach noch nicht. Und wenn es nicht funktioniert, kann es natürlich auch noch nicht laufen und ich bin gespannt, ob es im Januar dann funktioniert, wenn es funktionieren soll."

Kein ausgereiftes System

Genaugenommen sollte es längst funktionieren – mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Zumindest, was die Übermittlung von der Praxis zur Krankenkasse angeht. Im Oktober ist der Umstellungsprozess gestartet. Ab 1. Januar müsste es dann eigentlich laufen. Später, ab Sommer, sollen auch die Arbeitgeber einbezogen werden. Dann müssen Arbeitnehmer am Arbeitsplatz nur noch Bescheid sagen, dass sie krank sind. Den entsprechenden Nachweis sollen die Arbeitgeber bei den Krankenkassen abrufen können.

Klingt einfach, ist es aber offenbar schon jetzt nicht. Die Kassenärztlichen Vereinigungen klagen – auch Annette Rommel, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen: "Es ist für uns eben sehr schade, dass eine Digitalisierung eingeführt werden soll, die wir auch möchten, die aber noch nicht ausgereift ist, so dass wir uns im Grunde so vorkommen wie Versuchskaninchen in den Praxen."

Es gebe technische Probleme. Außerdem seien die Anbieter, die die EDV in den Praxisverwaltungssystemen integrieren sollen, schlicht überfordert – allein durch die schiere Menge an Vertragspraxen in Deutschland, die jetzt gleichzeitig an der Umsetzung tüfteln. Das andere Problem bestehe darin, "dass nicht alle Krankenkassen die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung annehmen können, so dass man hier Fehlermeldungen bekommt und dadurch einen hohen Aufwand in den Praxen hat."

Uneinigkeit über Vor- und Nachteile der eAU

Zumindest dieses Problem scheint es bei der AOK Sachsen-Anhalt nicht zu geben. Sprecherin Anna-Kristina Mahler: "Wir gehen davon aus, dass unsere Systeme die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ohne Probleme annehmen und verarbeiten können. Die Umsetzung bei den Ärzten ist allerdings noch sehr verhalten. Zwischen drei und fünf Prozent der Bescheinigungen erreichen uns inzwischen elektronisch. Mehr ist es leider noch nicht." Sie hofft, dass sich das bald ändert. Denn Mahler sieht nur Vorteile: "Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lässt sich viel sicherer und schneller zustellen als die bisherige Bescheinigung auf Papier. Und das Krankengeld kommt schneller bei den Versicherten an."

Da geht Jürgen Kretschmer nicht mit. Er ist Patientenberater im Gesundheitsladen München, eine unabhängige Beratungsstelle. Gerade jetzt in der Übergangsphase hat er große Bedenken wegen der hohen Fehlerquote. "Also auch wenn es jetzt automatisiert abgeschickt werden soll, empfehlen wir, trotzdem der Krankenkasse auf jeden Fall telefonisch Bescheid zu sagen. Oder ein kleines Bild der AU-Bescheinigung, die man ja trotzdem noch in der Hand hält, zu schicken."

Vermutlich keine schlechte Idee, wenn man Hausarzt Dr. May so zuhört. Es seien schon erste e-AU-Versuche gestartet worden: "Leider landen die noch teilweise bei den falschen Krankenkassen. Können nicht richtig zugeordnet werden. Das ist so die Hauptschwierigkeit." Daher hat seine Praxis die Versuche für dieses Jahr eingestellt. Der Drucker rattert also weiter. Auf ein Neues im Jahr 2022! Die Praxen und Krankenkassen haben noch ein halbes Jahr Schonfrist obendrauf bekommen.

Anwalt mit Paragraphenzeichen im Hintergrund 37 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2021 | 08:08 Uhr

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