Corona-Maßnahmen Sachverständigenrat für Maskenpflicht in Innenräumen

Der Corona-Sachverständigenrat empfiehlt, eine Maskenpflicht künftig nur noch in Innenräumen zu verhängen. Auch die Zeitspanne eines Lockdowns soll die Regierung überdenken. Der Expertenbericht soll als Grundlage für das künftige Infektionsschutzgesetz dienen.

Monika Schnitzer, Achim Truger, Volker Wieland und Veronika Grimm
Der Bericht des Corona-Sachverständigenrates dient als Grundlage für das Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung. Bildrechte: dpa

Der Corona-Sachverständigenrat der Bundesregierung empfiehlt, dass künftig eine Maskenpflicht nur noch in Innenräumen verhängt werden soll. Dort gelte ein höheres Infektionsrisiko, schreiben die Sachverständigen in ihrer am Freitag veröffentlichten Analyse der bisherigen Corona-Politik. "Eine generelle Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken ist aus den bisherigen Daten nicht ableitbar", heißt es.

2G-Regel nur kurz nach Impfung effektiv

Auch der Sinn von 2G- und 3G-Regeln, die in der Pandemie etwa den Besuch von Veranstaltungen an Impfung oder Test knüpften, wird nur begrenzt gesehen. Der Effekt sei zwar in den ersten Wochen hoch, aber dann lasse die Schutzwirkung der Impfungen nach.

Den Effekt von Schulschließungen beurteilen die Experten als nicht eindeutig, weil dabei mehrere Maßnahmen zusammenträfen. Die interdisziplinär zusammengesetzte Expertengruppe mahnte aber eine bessere Evaluation der Wirkung von Corona-Schutzmaßnahmen gerade auf Kinder an.

Zu lange Lockdowns kontraproduktiv

Lockdowns werden in der ersten Phase einer Pandemie durchaus begrüßt. "Je länger ein Lockdown dauert und je weniger Menschen bereit sind, die Maßnahme mitzutragen, desto geringer ist der Effekt und umso schwerer wiegen die nicht-intendierten Folgen", warnen die Experten aber. Die Wirksamkeit eines Lockdowns sei also in der frühen Phase des Containments am effektivsten, verliere aber den Effekt wiederum schnell. Dies gelte auch für Kontaktnachverfolgungen.

Beim Infektionsschutzgesetz folgt der Rat dem Kurs der Ampel-Koalition weitgehend. So wird die von der früheren Unions/SPD-Regierung genutzte Ausrufung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite als Begründungsgrundlage für Corona-Einschränkungen als rechtlich problematisch bezeichnet.

Kritik kommt aus Bayern

Der 165-seitige Bericht ist nach Angaben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine der Grundlagen für die nötige Reformen des Infektionsschutzgesetzes. Die bisher geltenden, von der Ampel-Regierung stark abgespeckten Corona-Schutzmaßnahmen laufen am 23. September aus.

Kritik an der Analyse des Sachverständigenrats kam derweil aus Bayern. Der dortige Gesundheitsminister Klaus Holetschek sagte im Rahmen eines Sondertreffens der Gesundheitsminister, der Bericht werfe mehr Fragen auf, als er beantworte. "Es ist mehr als enttäuschend, dass der Bericht sich nicht eindeutig positioniert", erklärte der CSU-Politiker.

Reuters, AFP (amü, fef)

Dieses Thema im Programm: 01. Juli 2022 | 13:00 Uhr

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