Omikron-Welle Branchen der kritischen Infrastruktur wappnen sich gegen steigende Inzidenzen

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Alle zwei bis vier Tage verdoppelt sich die Omikron-Inzidenz. Davon geht der Expertenrat der Bundesregierung derzeit aus. Mit solch schnell steigenden Infektionszahlen, sei auch die gesamte kritische Infrastruktur bedroht – also auch die Versorgung mit Strom, Wasser oder etwa Lebensmitteln. Die betroffenen Branchen schätzen die Situation dagegen optimistischer ein.

Ein Lkw steht am frühen Morgen vor einem Rewe Supermarkt, der mit Waren beliefert wird.
Wenn durch Omikron Lkw-Fahrer ausfallen, wird es mit der Belieferung der Supermärkte schwierig. Bildrechte: dpa

Es geht um gefüllte Regale im Supermarkt, warme Wohnungen oder auch die Wasserversorgung. Insgesamt neun Sektoren gehören zur kritischen Infrastruktur. Und sollten in diesen Bereichen sehr viele Mitarbeiter an Corona erkranken und ausfallen, könnte auch das zu Versorgungsengpässen oder sogar zur Gefährdung der öffentlichen Sicherheit führen. So heißt es auf der Homepage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Betroffene Branchen auf steigende Inzidenzen vorbereitet

Bislang sei die Situation aber nur für den Gesundheitsbereich schwierig geworden, sagt Wolfram Geier, Leiter der Abteilung Risikomanagement beim BBK: "Also insgesamt können wir für die letzten zwei Jahre feststellen, dass wir in den anderen kritischen Infrastrukturbereichen keine nennenswerten, gravierenden Störungen oder Ausfälle zu verzeichnen hatten."

Geier ist optimistisch, dass trotz der Omikron-Variante die kritische Infrastruktur stabil bleiben wird. Und das ist auch aus entsprechenden Branchen zu hören. Auch in Sachsen und Thüringen, wo es in den vergangenen Monaten die höchsten Inzidenzen gab, viele Menschen krank oder in Quarantäne waren – selbst da habe beim regionalem Energieversorger EnviaM nie ein Ausfall gedroht. Das berichtet der Leiter des Krisenstabes, Thomas Scheer.

Und auch auf steigende Inzidenzen sei man vorbereitet: "Wir haben natürlich verschiedene Notfallszenarien, die wir auch am Anfang der Pandemie schon mal durchgespielt haben: Was würde denn jetzt passieren, wenn in diesem oder jenem Bereich Personal ausfallen würden? Da sind wir gerade dabei, das wieder zu aktivieren."

Keine Alarmstimmung – aber auch keine Sorglosigkeit

Solche Notfallpläne seien auch bei anderen Energie- und Wasserversorgern etabliert, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Der Fokus liege dabei auf dem Schutz von sogenanntem Schlüsselpersonal mit zentralen Aufgaben. "Dazu gehören Zutrittsbeschränkungen für relevante Gebäudebereiche, der Schutz des Schlüsselpersonals zur Sicherstellung der betrieblichen Abläufe. Das geht soweit, dass gegebenenfalls notwendiges Personal isoliert wird, um gerade den Betrieb sensibler Bereiche voneinander zu trennen, aber auch aufrechterhalten zu können."

Ähnliche Notfallpläne gibt es auch in anderen Branchen der kritischen Infrastruktur. Für den Bereich Logistik und Transport gestalten sich allerdings manche Lösungen als schwieriger. Denn hier herrsche Fachkräftemangel. Ein pandemiebedingter Personalmangel würde die Branche empfindlich treffen, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Spedition und Logistik: "Die Logistik ist eine personalintensive Branche. Sie ist teilautomatisiert, teildigitalisiert – aber wenn kein Fahrer da ist, der die Waren in den Supermarkt fahren kann, dann wird das auch kein anderer tun können."

Alarmstimmung herrscht bei den Branchen der kritischen Infrastruktur nicht. Allerdings auch keine Sorglosigkeit. Sollte sich die Pandemielage verschärfen, fühlen sich die meisten vorbereitet.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Dezember 2021 | 06:08 Uhr

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