Neue Umfrage Antisemitismus: Wachsendes Problem in Deutschland

Deutsche haben laut einer Umfrage ein hohes Bewusstsein für Antisemitismus. Judenhass sehen sie als wachsendes, gesamtgesellschaftliches Problem. Das Gedenken an den Holocaust bezeichnet jeder Zweite deshalb als "unbedingt notwendig". Gleichzeitig gibt es in zwei Personengruppen besonders hohe Zustimmung bei judenfeindlichen Ansichten.

Mit einer israelischen Fahne stehen Teilnehmer einer Mahnwache vor der Synagoge am Fränkelufer.
Eine neue Studie zeigt: Antisemitismus ist in Deutschland weiterhin tief verwurzelt. Bildrechte: dpa

Deutsche Bürgerinnen und Bürger sehen Antisemitismus als wachsendes Problem. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des American Jewish Committee (AJC) hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde. Danach findet die Mehrheit der Befragten, dass Judenhass in den vergangenen zehn Jahren zugenommen habe. Insgesamt sind mehr als die Hälfte der Befragten (60 Prozent) der Ansicht, dass Judenfeindlichkeit in Deutschland weit verbreitet ist.

Zwei Personengruppen treten hervor

Der Umfrage zufolge werden Vorurteile und Judenhass von Teilen der Gesellschaft weiterhin unterstützt. Muslime und AfD-Wähler stimmten besonders häufig antisemitischen Aussagen zu. Fast die Hälfte (48 Prozent) der befragten AfD-Wähler denkt demnach, dass Juden ihren Status als Opfer im Zweiten Weltkrieg ausnutzten würden. Unter Muslimen sind es etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent). Den antisemitischen Mythos, Juden wären reicher als der Durchschnitt der Deutschen, glauben bei AfD-Wählern und Muslimen fast die Hälfte der Befragten (46 und 47 Prozent).

Komitee: Judenhass in Deutschland sitzt tief

Remko Leemhuis, Direktor des AJC Berlin, hält Judenhass für tief verankert in der gesamten deutschen Gesellschaft. Gegenüber der Zeitung "Welt" sagte er: "Antisemitismus ist nicht allein ein Problem der muslimischen Community. Allerdings kann dieses immense Problem auch nicht ausgeblendet werden, wenn der Kampf gegen Antisemitismus erfolgreich sein soll."

Im Mai 2021 gab es im Zuge des Nahost-Konflikts Ausschreitungen von Muslimen gegen Juden und Synagogen. Damit erklärt Leemhuis die Erfassung von antisemitischen Einstellungen. Antisemitismus ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, sagt er.

An der Umfrage des Institut für Demoskopie Allensbach nahmen im Zeitraum von Dezember 2021 bis Januar 2022 insgesamt 1.586 Menschen teil.

dpa, AFP, KNA (mtb)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2022 | 16:00 Uhr

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