Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 19. August 2022 Ihre Fragen: Booster-Impfung und Corona-Regeln

Im multimedialen Corona-Daten-Update geben wir Antworten auf Fragen, die Sie uns geschickt haben: Für eine dritte Booster-Impfung gibt es noch keine Empfehlung. Dass künftig alle drei Monate eine Corona-Impfung ansteht, ist unwahrscheinlich. Ein entsprechender Entwurf für das Infektionsschutzgesetz steht in der Kritik.

Epidemische Viruspartikel, Konzeptgrafik // Grafik: Das multimediale Corona-Update Newsletter
Welche Schutzmaßnahmen und Impfangebote im Herbst gelten werden, beschäftigt viele Leserinnen und Leser. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

im Corona-Daten-Update am Montag haben wir uns damit beschäftigt, für wen eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus empfohlen wird. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Frage nun beantwortet. Sie empfiehlt die vierte Impfung beziehungsweise den zweiten Booster nicht mehr ab einem Alter von 70, sondern ab 60 Jahren.

Nach unserem Newsletter haben uns einige E-Mails mit Feedback und Fragen erreicht. Wir bedanken uns herzlich für Ihr Interesse, Ihr Vertrauen und für Ihre sachliche Kritik. All das hilft uns dabei, zu wissen, was Sie bewegt und wie wir mit diesem Newsletter aktuelle und wichtige Fragen beantworten können.

Im heutigen Update haben wir genau das vor. Wir beantworten drei der Fragen, die bei Ihnen in den vergangenen Tagen aufgekommen sind:

  • Steht schon eine dritte Booster-Impfung an?
  • Wie oft sollen wir uns künftig impfen lassen?
  • Wie wird der nahende Corona-Herbst?

Zum Schluss werfen wir außerdem schon mal einen Blick auf den Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

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Steht schon eine dritte Booster-Impfung an?

Ältere, Pflegepersonal und Risikogruppen konnten bereits vor Monaten ihre vierte Impfung, den zweiten Booster, bekommen. Sie könnten potenziell schon ihre fünfte Impfung bekommen, um den Schutz vor dem Herbst auffrischen zu lassen. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung hat sich der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, zu dieser Option geäußert.

Marx sagte, er halte eine fünfte Impfung mit einem Omikron-angepassten Impfstoff bei älteren Menschen für sinnvoll. Über diese Impfstoffe hatten wir bereits am Montag berichtet: Sie sind an die Omikron-Virusvarianten BA.1 und BA.4/5 angepasst. Ab Oktober könnten sie in Deutschland ausgeliefert werden.

Seitens der Stiko gibt es bislang nur eine Empfehlung für ein viertes "immunulogisches Ereignis", also einen zweiten Booster. Für eine fünfte Impfung mit einem Omikron-angepassten Impfstoff gibt es derzeit keine Empfehlung. Ob eine fünfte Impfung für Sie sinnvoll sein kann, sollten Sie in einem Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin klären.

Wie oft sollen wir uns künftig impfen lassen?

Jüngst machte das neue Infektionsschutzgesetz mit einer Impfung alle drei Monate Schlagzeilen. Als "frisch geimpft" und damit von diversen Schutzmaßnahmen befreit gilt demnach nur, wessen Auffrischungsimpfung weniger als drei Monate zurückliegt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dementierte kurz darauf diese vermeintlichen Absichten und sagte, dass die Impfung alle drei Monate freiwillig sei. Die Stiko empfiehlt, dass zwischen zwei Impfungen oder einer Infektion und einer Impfung mindestens sechs Monate liegen sollten. In Einzelfällen könne der Abstand auf vier Monate reduziert werden.

Auch einige Forscher sprechen sich gegen zu kurze Zeiträume zwischen zwei Impfungen aus. Diese könnten das Immunsystem dabei stören, einen Langzeitschutz aufzubauen, wird beispielsweise der Immunologe Andreas Radbruch bei quarks.de zitiert.

Also: Nein, wir sollten uns eher nicht alle drei Monate impfen lassen, weil es laut aktuellem Stand der Wissenschaft medizinisch nicht sinnvoll ist. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Fall eines Magdeburgers, der über hundert mal gegen Corona geimpft ist? Einen besonders guten Schutz vor Corona hat er laut Ärzten dadurch nicht.

Im Herbst und Winter werden wir also wieder öfter Maske tragen, jedenfalls diejenigen unter uns, die im Sommer eher darauf verzichtet haben. Angenehm zu tragen sind die medizinische, FFP2- und FFP3-Masken meist nicht, schon gar nicht dauerhaft. Zehn Fraunhofer-Institute, darunter auch das in Halle, arbeiten derzeit an Modellen, die nicht nur bequemer, sondern auch sicherer sind.

Wie wird der nahende Corona-Herbst?

Das Infektionsschutzgesetz des Bundes soll auch künftig den Fahrplan für die Regeln in der Pandemie vorgeben. Wie genau dieser Plan aussieht, ist allerdings noch unklar. Die Koalition hat sich Anfang August auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Dieser sieht beispielsweise vor, dass vom 1. Oktober 2022 bis zum 7. April 2023 Maskenpflicht in Bussen, Zügen und Flugzeugen sowie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gelten soll. Viele Entscheidungen und Maßnahmen überlässt der Entwurf den Bundesländern.

Welche Corona-Regeln für den Herbst geplant sind, hat unsere Kollegin Sarah-Maria Köpf im Corona-Daten-Update vom 3. August zusammengefasst.

Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder kritisieren diese Pläne. Sie sagen:

  • Die Ausnahmen von der Maskenpflicht seien schwer umzusetzen. Der Entwurf sieht vor, dass diejenigen in der Gastronomie und bei verschiedenen Veranstaltungen auf eine Maske verzichten können, deren letzte Impfung weniger als drei Monate zurückliegt oder die einen negativen Corona-Test vorweisen können.
  • Der Gesundheitsminister von Bayern, Klaus Holetschek (CSU), und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagen zudem, die Ausnahme von der Maskenpflicht sei fachlich nicht zu rechtfertigen. Schließlich könnten auch frisch geimpfte Personen Infektionen übertragen.
  • Der Entwurf sehe kaum Regeln vor, die deutschlandweit gelten. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) lobte jedoch, dass die Pläne den Ländern einen "Instrumentenkasten" geben würde, um auf das Pandemiegeschehen zu reagieren.

Das neue Infektionsschutzgesetz soll Mitte September verabschiedet werden.

Das Robert Koch-Institut (RKI) rät in seinem aktuellen Wochenbericht vom 18. August, die weiterhin sinkenden Infektionszahlen nicht als Entwarnung zu verstehen. Der Infektionsdruck in der Bevölkerung und die Gefahr durch Covid-19 seien weiterhin "hoch". Zwar habe sich die Lage in den Krankenhäusern verbessert, das Gesundheitssystem sei jedoch nach wie vor stark belastet. Der weitere Verlauf der Pandemie und der Schutz von Risikogruppen hängen laut RKI maßgeblich von drei Faktoren ab:

  • Welche neuen Varianten des Coronavirus auftreten
  • Wie gut das Impfangebot wahrgenommen wird
  • Wie die Bevölkerung sich verhält

Der dritte Faktor sei wesentlich, erklärt das RKI. Bei Symptomen wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten sei dringend empfohlen, Kontakte zu meiden und gegebenenfalls zum Arzt zu gehen – auch dann, wenn der Corona-Test negativ ist.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Nach Angaben des RKI beträgt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland heute 312,5. Die höchste Inzidenz hat demnach Mecklenburg-Vorpommern mit 403,0, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 398,6 und Hessen mit 375,9.

Das Bundesland mit der geringsten 7-Tage-Inzidenz ist dem RKI zufolge weiterhin Thüringen mit 204,0. In Sachsen-Anhalt liege der Wert bei 289,1, in Sachsen bei 292,1.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Hospitalisierungsrate*: 3,92 (+0,79 im Vergleich zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 69, davon 17 beatmet, 70 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 64,7 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 66,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 49,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 15.826

Thüringen

  • Hospitalisierungsrate*: 8,91 (+1,6 im Vergleich zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 30, davon 4 beatmet, 45 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 69,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 52,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 78,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 88,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 53,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 7.526

Sachsen-Anhalt

  • Hospitalisierungsrate*: 7,89 (+0,83 im Vergleich zur Vorwoche)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 26, davon 8 beatmet, 44 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 73,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 53,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 76,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 91,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 57,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.614

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Hospitalisierungsrate: RKI | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Kekulés Corona-Kompass ist in der Sommerpause. Hier finden Sie mehr als 300 Folgen zum Nachhören:

Was aktuell außerdem wichtig ist

Die Dresdner Kanutin Steffi Kriegerstein beendet ihre Karriere. Die 29-jährige Leistungssportlerin war Ende 2020 an Corona erkrankt und leidet seitdem an den Folgen.

Was Masken bringen, stand oft zur Debatte. Eine Schweizer Studie zeigt jetzt, wie gut sie in der Pflege vor Infektionen schützen und welche Art von Masken am effektivsten ist.

Zum Schluss ...

Nachdem wir bereits auf die mögliche Situation im Herbst eingegangen sind, ist ein Bereich vom Verlauf der Pandemie besonders betroffen: die Schule. Kommenden Donnerstag fängt der Unterricht in Sachsen-Anhalt wieder an, Thüringen und Sachsen folgen in der Woche darauf.

In einigen Bundesländern, wie Mecklenburg-Vorpommern, hat die Schule schon wieder begonnen. Schon jetzt müssen dort die ersten Schüler Corona-bedingt wieder zurück in den Distanzunterricht. In Mecklenburg-Vorpommern fallen so viele Lehrer aus, dass an 16 Schulen kein regulärer Unterricht mehr stattfindet. Ab Jahrgang sieben gibt es dort wieder Wechselunterricht für die Schüler.

Eine Situation, die den Schülerinnen und Schülern in Sachsen-Anhalt hoffentlich erspart bleibt. Zuletzt gab es hier keine Masken- und Testpflicht mehr an den Schulen. Mehr Informationen darüber, ob sich daran etwas ändert, erfahren Sie in der kommenden Woche.

Wir wünschen Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße
Maren Wilczek, Jolina Schlaß

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 18. August 2022 | 16:30 Uhr

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