Konzertort des MDR Musiksommers Schlosskirche Weißenfels: Ein Ort voller Musik(geschichte)

Die Schlosskapelle in Weißenfels gehört zu jenen seltenen Orten, die sowohl von Johann Sebastian Bach als auch von Georg Friedrich Händel besucht wurden: Bach wirkte in seiner Eigenschaft als Hofkapellmeister, während der junge Händel in der Kirche des Schlossherren einen Förderer fand. Noch heute wird die Kirche gerne für Konzerte genutzt, weil das Publikum der Musik dort so nah kommt – und vielleicht auch einen Hauch barocker Authentizität spürt.

Schlosskirche in Weißenfels
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man muss schon ein wenig aufpassen im Innenhof der Augustusburg hoch über Weißenfels, wenn man die Pforte zur Schlosskapelle nicht verfehlen will. Denn anders als anderenorts vielfach praktiziert, wurde der Kirchenbau nahtlos eingebettet in den dreiflügeligen Schlossbau, den sich der frisch gebackene Herzog Johann Adolf I. errichten ließ.

Das Gotteshaus ist dadurch zwar auffallend hoch, aber die Grundfläche bleibt eher bescheiden. Für Pfarrer Thomas Junker vermittelt aber genau das ein besonderes Raumgefühl: "Da sie als lutherische Kirche gebaut wurde, in der die Predigt ein zentrales Element der Gottesdienste ist, ist sie sehr kompakt gestaltet und der Altarraum ist auch sehr nahe.

Händel wird in Weißenfels entdeckt

Gemälde von Georg Friedrich Händel im Halbprofil mit weißer Lockenperücke.
Der junge Händel konnte beim Orgelspiel in der Weißenfelser Schloßkirche einen Mäzenen überzeugen. Bildrechte: IMAGO / Leemage

Davon profitieren nicht nur die Gläubigen im Gottesdienst, sondern auch die Konzertbesucher. Denn die Kirche ist ein gefragter Ort musikalischer Aktivitäten. Immerhin ist sie voller Erinnerungen an die großen Meister ihrer Zeit, allen voran Händel. So lässt sich leicht vorstellen, wie einst Klein-Georg Friedrich im zarten Knabenalter, an der Orgel dem Schlossherrn vorspielte. An dessen Hof war Vater Georg Händel Leibchirurgus und hat gewissen Einfluss.

Dem Herzog jedenfalls gefiel wohl das perlige Spiel des Jungtalents, das er fortan förderte. Von der Orgel dieser Tage hat es jedoch nur das Prospekt in unsere Zeit geschafft: "Die Firma Vogt aus Liebenwerda hat 1985 den letzten großen Eingriff vorgenommen", weiß Thomas Junker, "und das ursprüngliche Innenleben komplett ausgetauscht."

Bach komponierte für die Kirche

Damit sind auch die Spuren an Johann Sebastian Bach getilgt worden, der seine Toccata in F-Dur expliziert für die ursprüngliche Förner-Orgel komponiert haben soll. Immerhin trug Bach den Titel eines Hofkapellmeisters in Weißenfels und ließ sich seine Dienste unter anderem mit Wein von den benachbarten Rebhängen in Burgwerben entlohnen. Dafür bescherte er dann schon Herzog Christian 1723 eine elegante Jagdkantate.

Das undatierte Archivbild zeigt das Gemälde eines unbekannten Meisters: Porträt des deutschen Komponisten, Organisten und Hofkapellmeisters Johann Sebastian Bach.
Die Orgel für die Bach in Weißenfels eine Toccata komponierte musste abgebaut werden. Bildrechte: dpa

Dieses Werk erlebte ihre Uraufführung wohl eher im gegenüberliegenden Ballsaal des Schlosses, als in der St. Trinitatiskirche. Damals herrschte noch herzoglich-sächsisches Leben in dem Bau, das aber im 19. Jahrhundert dann preußischer Zucht und Ordnung weichen musste. Nach dem Aussterben der Weißenfelser Linie übernahmen die Soldaten der Hohenzoller-Herrscher das Areal – einschließlich der Kirche.

Wie die Musik in dei Schloßkirche zurückkehrte

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verstummte der Kasernenton auf der Augustusburg wieder. In der Kapelle fand die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche ein neues Domizil, und auch die Musik kehrte wieder zurück an diesen Ort. Pfarrer Thomas Junker weiß, dass hier zu DDR-Zeiten die Händel-Festspiele oft eröffnet wurden. "Da kam der ganze Staatsapparat und man hat dann auch für die Kirche eine ganze Menge getan."

Zwar haben die Händel-Festspiele inzwischen ihr Eröffnungsritual zu anderen authentischen Orten verlegt. Aber die Weißenfelser Schlosskapelle bleibt weiterhin ein gefragter Konzertort, nicht zuletzt auch für die Werke eines anderen Wahl-Weißenfelsers: Heinrich Schütz, der in der Stadt seinen Lebensabend verbrachte.

Weitere Informationen Im Rahmen des MDR Musiksommers interpretiert das Gellert Ensemble Werke von Bach, Händel und Schütz, aber auch von Johann David Heinichen, Friedrich Wilhelm Zachow oder Johann Philipp Krieger.

Am Sonntag, 24. Juli 2022, 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 23. Juli 2022 | 07:10 Uhr

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