Oper für alle Das Open-Air-Spektakel "Future: Now!" der Oper Leipzig

Qualität, Nähe und Nachhaltigkeit. Mit diesen drei Kernanliegen tritt Tobias Wolff das Amt des neuen Intendanten der Oper Leipzig an. Hochklassige Inszenierungen mit professioneller Besetzung sollten demnach nicht einer Elite der Gesellschaft vorbehalten bleiben. Er wünscht sich eine Oper für alle. Zu Beginn der neuen Spielzeit steht daher das Stück "Future: Now!" – ein Kooperationsprojekt mit Kindern und Jugendlichen, Profis und Laien, das in einem Open-Air-Spektakel seinen Abschluss findet.

Frida, Mitspielerin bei "Future Now", vor der Oper Leipzig, auf einem goldenen Pferd sitzend
Frida aus der 8. Klasse ist eine Mitspielerin bei "Future Now" und sitzt hier vor der Oper Leipzig auf einem goldenen Pferd. Bildrechte: Kirsten Nijhof

Wer geht eigentlich in die Oper? Wer geht hingegen nicht in die Oper? Und wieso nicht? Diese Fragen bewegen Tobias Wolff, den neuen Intendanten der Oper Leipzig: "Wir wollen ein klares Zentrum der Stadt sein", sagt er. Es gehe ihm nicht nur darum, klassische Opern abzuliefern, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs zu drängenden Themen der Zeit mitzubestimmen. Deshalb ist ihm Vermittlungsarbeit besonders wichtig.

Vermittlung durch Beteiligung

Mit dem Projekt "Zukunft: Jetzt" – oder auf englisch "Future: Now!" – bekommen zunächst vor allem Kinder und Jugendliche einen direkten Zugang zur Oper, indem sie nämlich dazu aufgerufen sind, sich selbst an einer Inszenierung zu beteiligen.

Tobias Wolff, Intendant der Oper Leipzig, sitzt in den Werkstätten der Kultireinrichtung.
Opernintendant Tobias Wolff möchte Menschen für die Oper begeistern, die selten oder gar nicht zum Publikum gehören. Bildrechte: dpa

Meine Erfahrung ist, dass Schülerinnen und Schüler vor allem dann offen sind für klassische Musik oder für Themen, die die Oper betreffen, wenn sie selber auch involviert sind.

Tobias Wolff, Intendant der Oper Leipzig

Entwerfen, Umsetzen, Präsentieren

Bereits seit einem Jahr begleitet die Oper Leipzig gemeinsam mit diversen Kooperationspartnern Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Workshops zu den einzelnen Bereichen, in denen eine Inszenierung entsteht. Von schauspielerischen Einlagen und tänzerischen Choreografien über Gesangsperformances bis hin zur Gestaltung des Bühnenbildes sind Schülerinnen und Schüler beteiligt. Außerdem gibt es noch den Kostümworkshop, erzählt Romy Sarakacianis, Theaterpädagogin der Oper Leipzig. "Sie haben die Kostüme selbst entworfen und angefertigt. Dann wurde natürlich auch Musik gemacht", sagt sie und weist auf einen Rhythmus- und Percussion-Workshop hin.

Die Öffentlichkeit stets im Blick

Nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen sind Jugendliche am Werk. So haben etwa die Teilnehmenden des Medienworkshops das Projekt medial begleitet und präsentieren ihre Ergebnisse in Form eines Podcasts. Unter dem Titel "Zukunft auf Sendung" bieten sie der Öffentlichkeit einen Einblick in die Entstehung der Inszenierung. Dabei beleuchten sie nicht nur die Arbeit der verschiedenen Workshops, sondern auch die der Öffentlichkeitsarbeit. Interviews mit Tobias Wolff oder auch Nele Winter und Christian Janke aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Oper Leipzig sind in die Podcast-Folgen eingeflossen.

Name ist Programm

"Future: Now!" – "Zukunft: Jetzt!". Diese Überschrift bildet die inhaltliche Klammer um alle Arbeitsbereiche und ist zugleich eine thematische Brücke, wie der Erfahrungsbericht von Laurenz, einem Zehntklässler aus dem Medienworkshop, deutlich macht: "Ich habe einen Blick dafür bekommen, dass das auch ein ganz interessantes Arbeitsfeld ist." Themen der Zukunft werden auch in dem Stück verhandelt, in dem sich die Arbeitsergebnisse aller Workshops vereint. Konsum, Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit – all diese Aspekte werden Teil der Geschichte.

Ein-Bezug der Stadt

Für das Drehbuch sind Uwe Köhler vom Theater Titanick und seine Kolleginnen und Kollegen verantwortlich. Er hat langjährige Erfahrung mit dem Bespielen des öffentlichen Raums, was dem Grundgedanken von "Future: Now" sehr entspricht. Deswegen findet die Aufführung auf dem Vorplatz der Oper statt und ganz bewusst nicht in der Oper.

Opernhaus in Leipzig
Die Aufführung von "Future: Now" findet am 17. September 2022 auf dem Vorplatz der Oper statt. Bildrechte: IMAGO

Wir wollen ein Wir-Gefühl erzeugen. Es geht nicht nur darum, dass wir etwas für die Stadt machen, sondern die Stadt macht eigentlich auch mit. Es geht darum, dass die Oper sich öffnet gegenüber der Stadt Leipzig.

Uwe Köhler, Theatermacher

Nur der Anfang

"Future: Now!" hat junge Menschen zur Oper bewegt und ihnen ermöglicht, ihre Erfahrungen an andere weiterzugeben. Tobias Wolff hofft, dass sich der Effekt multipliziert, "weil es nichts Schlimmeres gibt, als wenn man passiv ist", finde er und fügt an: "Man kann doch mit einer großen Aktion die Zukunft mitbestimmen – durch eigene Initiativen." Wie etwa mit einer Open-Air-Inszenierung auf dem Leipziger Augustusplatz mit 300 Darstellenden, die in Bild, Klang und Titel deutlich macht: Die Zukunft – auch die der Oper – beginnt jetzt.

Weitere Informationen Aufführung am Samstag, 17. September
auf dem Augustusplatz in Leipzig

Vorstellungsbeginn um 20:30 Uhr

Eintritt ist frei

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 16. September 2022 | 09:10 Uhr

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