Mehr als eine Zimmerpflanze Orchideen - Wilde Schönheiten für den Garten

Karl-Heinz Härtl aus Niedenstein bei Kassel hat im Alter von 16 Jahren seine Liebe für Gartenorchideen entdeckt. Heute betreibt er gemeinsam mit seiner Frau eine Gärtnerei, die sich auf die Kultivierung wilder Sorten spezialisiert hat. Im "MDR Garten" stellt er einige schöne Sorten vor und erklärt, was man bei der Pflege beachten muss.

Lila Blüte der Tibetorchidee
Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel

Wilde Orchideen haben ihren Ursprung in den arktisch-borealen bis gemäßigten Zonen der nördlichen Halbkugel. Sie bevorzugen das gemäßigte Klima und den Wechsel der Jahreszeiten. Tag und Nacht, Wärme und Frost sind notwendig, damit sich die Pflanzen entwickeln können und Blüten ansetzen.

In Deutschland wachsen ungefähr 60 verschiedene Arten heimischer Orchideen. Zu finden sind sie vor allem in unseren Wäldern, manche sogar auf feuchten Wiesen. Bis sie das erste Mal blühen, vergehen viele Jahre. Auch deshalb stehen die wilden Schönheiten unter Naturschutz. Sie sind mit ihrem Standort tief verwurzelt! Sie brauchen einen bestimmten Pilz (Mykorrhiza) im Erdreich, ohne den sie nicht leben können. Würde man sie ausgraben, wäre das ihr Todesurteil. 16 Arten dieser wilden Orchideen konnten inzwischen kultiviert werden. Nur wenige Betriebe haben die Erlaubnis dafür. Einer ist der Gartenbau der Familie Härtl in Niedenstein in Hessen. Seit 1984 züchtet die Familie wilde Orchideen, die auch im Garten wachsen.

Galerie Orchideen: Wilde Arten vorgestellt

Nur wenige Gartenbaubetriebe dürfen Wildorchideen züchten. Wir haben die Gärtnerei Härtl in Niedenstein besucht. Dort blühen Orchideen, die in der Wildnis schon ausgestorben sind.

Ein Mann hält eine Kiste mit verschiedenen Orchideen
Karl-Heinz Härtl gilt als begehrter Experte in Sachen "Erdorchideen". In der "MDR Garten"-Sendung hat er über die Pflege der schönen Exoten gesprochen und verschiedene Sorten vorgestellt. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Lila Blüte des Tibet-Frauenschuhs
Der Tibet-Frauenschuh (Cypripedium tibeticum var. Grandiflorum) stammt aus Asien und ist eine weitere sehr schöne, aber schwierige Naturart. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Gelbe Orchidee
Der "Behaarte Frauenschuh" (Cypripedium pubescens) ist in Nordamerika und Süd-Kanada beheimatet. Er wird in der Gärtnerei Härtl vermehrt. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Wie eine Kerze präsentiert diese Orchidee ihre lila Blüten.
Wie eine Kerze präsentiert diese Orchidee (Cypripedium x foliorella) ihre Blüten. Wildorchideen stehen unter Naturschutz und dürfen in ganz Europa nicht gesammelt werden. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Ein Mann hält eine Kiste mit verschiedenen Orchideen
Karl-Heinz Härtl gilt als begehrter Experte in Sachen "Erdorchideen". In der "MDR Garten"-Sendung hat er über die Pflege der schönen Exoten gesprochen und verschiedene Sorten vorgestellt. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Luftaufnahme von verschiedenen Beeten und Gebäuden der Gärtnerei Härtl
Der Betrieb von Karl-Heinz Härtl und seiner Frau hat die Lizenz, Wildorchideen zu züchten. Da diese unter Naturschutz stehen, ist das nur wenigen Betrieben erlaubt. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Verschiedene weiße Orchideen: Cypripedium-Sorten wachsen in Horsten
Verschiedene Cypripedium-Sorten im Außenbereich der Gärtnerei Härtl. Einige dieser Sorten waren in Deutschland bereits ausgestorben und blühen dort in herrlichen Horsten. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Lila Blüte der Tibetorchidee
Die Tibetanische Felsorchidee (Pleione limprichtii) hat ihren Naturstandort in Tibet und China, wächst dort auf moosbewachsenen Felsen. Diese Sorten sind winterhart und wachsen auch im Garten. Von November bis März werden sie mit trockenem Laub und Moos geschützt. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Orchidee Marienfrauenschuh
Der Marienfrauenschuh (Cypipedium calceolus) ist hierzulande weit verbreitet. Thüringen ist eines der Bundesländer mit dem größten Bestand heimischen Frauenschuhs (Cypipedium calceolus). Der Marienfrauenschuh war die Orchidee des Jahres 1996 und 2010. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Wunderschöne lila Blüten einer Orchidee
Wunderschöne lilafarbene Blüten trägt diese Orchidee (Cypripedium corrugatum). Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Blüte einer Orchidee
Eine wegen ihrer Unkompliziertheit ebenfalls sehr empfehlenswerte Freilandorchidee für Einsteiger ist das "Cypripedium ulla silkens". Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Netze liegen über Orchideen
Netze schützen die Cypripedium-Arten vor Vögeln oder größeren Insekten. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Blick in ein  Folienhaus mit Orchideen
Blick in das beheizbare Folienhaus auf dem Gärtnereigelände: Auf 240 Quadratmetern werden die Orchideen den Winter über frostfrei gehalten. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel
Pflanze Schattensiegel hat viele kleine Perlen als Blüten gebildet
Eine schöne Pflanze, die gut zu allen Orchideen passt, ist der Schattensiegel (Smilacina racemosa). Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Der Italienische Aaronstab
Auch der Italienische Aronstab (Arum italicum) blüht zeitgleich mit den Orchideen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Gefülltblühende Form Eisenhutblättriger Hahnenfuß
Einen schönen Kontrast zu den kräftigen Orchideenblüten bildet der Eisenhutblättrige Hahnenfuß (Ranunculus arconitifolius "Flore Plena"). Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
Weiße Blüte des maiapfels
Eine einfache schöne Blüte hat dieser Maiapfel (Podophyllum hexandrum "Majus") gebildet - auch er passt gut zu Orchideen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 30. Januar 2022 | 08:30 Uhr

Pflanzzeitraum

Bester Pflanzzeitraum für Wildorchideen ist Anfang September bis Mitte November - je nach Beginn der Frostphase. Ist das Klima mild, kann bis Ende November gepflanzt werden. Zweiter Pflanzzeitpunkt ist Mitte März bis Ende April bzw. Anfang Mai. Ab Juni ist es zu warm.

Standort und Pflege

Die meisten Wildorchideen, wie zum Beispiel der Frauenschuh oder die Tibetorchidee, brauchen einen Standort im lichten Schatten von Baulichkeiten oder Gehölzen. Der Wechsel zwischen Sonnenlicht und Schatten ist wichtig. Heiße Mittagssonne muss unbedingt vermieden werden. Optimal ist ein Platz an Ost-West- oder Nordseiten. Andere Arten von Wildorchideen gedeihen auch in voller Sonne, wie zum Beispiel die Ragwurz-Arten (Ophrys).

Wildorchideen sind anspruchsvoll. Sie vertragen weder Mineraldüngung in Form von Kunstdüngern noch dürfen sie mit Kompost gedüngt werden. Optimal sind gut durchlässige Böden, die auch im Winter keine Staunässe aufweisen.

Die reinen Wildarten, die langwierig durch Teilung vermehrt wurden, müssen nach der Pflanzung intensiv angegossen werden. Danach übernimmt die Natur das Steuer und regelt alles selbst. Weiteres Gießen ist nicht notwendig.

Kerzenförmige Blütendolde des Purpur-Knabenkrauts
Das Purpur-Knabenkraut (Ophrys purpurea) Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel

Wichtig ist ein Pilzsubstrat

Wildorchideen haben einen wichtigen Partner - einen Pilz (Mykorrhiza), der sich um die Wurzeln ausbreitet und die Nährstoffzufuhr garantiert. Dieses Pilzsubtrat ist für die Wildorchideen lebenswichtig, die aus symbiotischer Aufzucht stammen, also durch Pflanzenteilung kultiviert und vermehrt wurden. Mit diesem speziell verpilztem Pflanzsubstrat, sollte der Gartenstandort beimpft wird. Für drei Pflanzen braucht man eine Tüte mit einem halben Liter Substrat. Dieses wird flächig auf der Oberfläche ausgebracht und mit einer ausgedienten Gabel in den Oberboden gestochen. Damit ist der Impfvorgang abgeschlossen. Gut wäre es, den Gartenboden schon längere Zeit vor dem Pflanzen vorzubereiten.

Spezielles Orchideen-Substrat das mit einem Pilz angereichert wurde
Orchideen gehen eine Symbiose mit einem Pilz ein. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Unterschiedliche Züchtungen im Handel

Die in Gartenmärkten angebotenen Pflanzen sind meist aus Gewebekulturen steril herangezogen, das heißt, sie werden im Labor gezogen. Dort wird ohne Pilze gearbeitet, so dass diese Pflanzen auch in der Lage sind auf normalen Böden zu wachsen. Allerdings sind sie auch nur kurzlebig, blühen drei bis vier Jahre und vergehen wieder. Die Samen bilden meistens keine neuen Pflanzen, da der zur Keimung benötigte Wurzelpilz fehlt.

Die reinen Wildarten werden langwierig durch Teilung vermehrt. Sie können am richtigen Standort viele Jahrzehnte alt werden.

Der Frauenschuh ist auch in Deutschland zu Hause

Der Frauenschuh ist eine heimische Wildorchidee. Sie wächst am liebsten an schattigen Waldrändern. Die exotische Schönheit braucht 15 Jahre bis sie zum ersten Mal blüht. Wer also eine große Pflanze am Naturstandort findet, steht vor einer viele Jahrzehnte alten Pflanze. Hat der Frauenschuh 15 Blüten gebildet, ist er ungefähr 60 Jahre alt. Wird er am Standort ausgegraben und in den Garten geholt, blüht er noch einmal und stirbt dann ab. Wildorchideen sind so fest mit ihrem Standort verwurzelt, dass sie keine Chance hätten, im Garten zu überleben. Der Frauenschuh braucht an seinem Standort den Wechsel von Sonne und Schatten. Er wird am besten in die Nähe eines Schatten werfenden Gebäudes gesetzt.

Es gibt auch Arten, die in voller Sonne gedeihen, wie zum Beispiel die Ragwurz-Arten (Ophrys). Ungefähr 15 Arten davon können kultiviert werden. Deshalb ist es wichtig, diese Standorte zu schützen.

Orchidee Marienfrauenschuh
Der Marienfrauenschuh ist in Thüringen zu Hause. Bildrechte: MDR/ Jens Haentzschel

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 30. Januar 2022 | 08:30 Uhr