Die dunkle Seite

Nicht allein Menschen zieht der Mond in seinen Bann, auch Katzen, Hunde, Wölfe, Fledermäuse sind ihm verfallen – sie fauchen und jaulen ihn an. Und mischen sich mit Menschlichem:

Ein Wolf heult den Mond an
Der Mond zieht auch Tiere magisch in seinen Bann: Wie hier den Wolf. Bildrechte: Colourbox.de

Der Werwolf, dass vom Mond erschaffene Monster. Stopp! – stimmt nicht; nicht der Mond hat ihn erschaffen: Universal Pictures hatte die Idee. Nach Erfolgen mit Dracula- und Vampirfilmen brauchte man einen Nachfolger und so kam 1941 "Wolf Man" – nach eher unbekannter literarischer Vorlage in die Kinos. Viele Filme folgten und schufen ein eigenes Genre aus dem "An American Werewolf" (1981) von John Landis herausragt.

Noch heute liefert der Erd-Trabant immer neuen Stoff für Filme. Ob im "Man in the Moon" (1999) mit Jim Carrey (R.E.M. steuerte dafür die wunderbare Film-Musik bei) oder die Science-Fiction-Komödie "Iron Sky" (2012), in der Nazis auf der verborgenen Mondseite wertvolle Rohstoffe abbauen.

"Fly Me To The Moon"

Dieser verborgenen Seite des Mondes widmete die britische Rockband Pink Floyd ein ganzes Album ("The Dark Side of the Moon", 1973) und meinte damit eigentlich unser unergründlich-dunkles Ich. Überhaupt der musikalische Mond: "Mondscheinsonate" (Beethoven), "Claire de la lune" (Debussy), "Abendlied" (Matthias Claudius) oder "Siehst du den über Mond über Soho" (Brecht/Weill) sind allbekannt.

Der britische Rockstar David Bowie mit seiner Gitarre während seines Konzertes am 19.11.1974 in New York.
David Bowie während eines Konzerts 1974 in New York Bildrechte: dpa

Frank Sinatra forderte seine Liebste auf "Fly Me To The Moon" und der Creedence-Clearwater-Revival-Song "Bad Moon Rising" dämpfte die Mondlandungseuphorie der 60er-Jahre. Im Turandot von Puccini erwartet ein Delinquent mit Aufgang des Mondes seine Hinrichtung. Doch für einen außergewöhnlichen Aspekte der Mondbetrachtung sorgte die BBC: Sie unterlegte die Mondlandung Armstrongs mit David Bowies "Space Oddity" (1969).

Auch die "Schwarze Szene" huldigte dem Mond musikalisch. So fragt Bauhaus "Who Killed Mr. Moonlight" (1983) oder "Siouxsie and the Banshees" folgt dem "Lunar Camel" (1980) auf eine erotische Reise.

Ian McCulloch von "Echo and the Bunnymen" ist schon als Kind vom Weltall fasziniert. Bowies "Space Oddity" ist einer seiner Lieblingssongs, den er mit seiner Band für "The Killing Moon" (1984) adaptiert. Ian ist so stolz auf sein Werk, dass er selbstbewusst verkündete, "The Killing Moon" sei der beste Song, der jemals geschrieben wurde. Ein Fall von Mond-Einfluss auf die Hybris des Künstlers?

Unter Mond-Einfluss

Der Mond bewirkt mit seiner Anziehungskraft Ebbe und Flut, bringt also ganze Ozeane in Bewegung. Viele Menschen trauen ihm deshalb auch Einfluss auf ihren Körper und ihr Befinden zu. Sie suchen und finden in sogenannten Mondkalendern Rat. Fensterputzen, Holzhacken oder Leibesübungen, Operationstermine oder Medikamenteneinnahme: Hält man sich an den Rhythmus des Mondes, gelinge alles besser und müheloser.

Die meisten Behauptungen erweisen sich jedoch bei wissenschaftlicher Betrachtung als nicht haltbar: er beeinflusst weder den Haarwuchs, noch die Wundheilung oder die Geburtenrate. Nicht einmal Schlafstörungen sind wirklich in einen Zusammenhang mit den Mondphasen zu bringen.

Mond-Wasser und Mond-App

Mittlerweile bieten Internet und manchmal auch der Supermarkt Mond-Lebensmittel an. Da gab es schon den Mond-Käse, die Mond-Salami und das Vollmondbier. Vor allem aber das Mond-Wasser – bei Vollmond abgefüllt – scheint es den Leuten angetan zu haben: Energieblockaden sollen sich lösen, Migräne und Verdauungsbeschwerden verschwinden.

Doch damit nicht genug: Mond-Kosmetika sind in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Hersteller versprechen strahlende Haut, glänzendes Haar und leuchtende Augen. Und wem das noch nicht reicht, der lade sich eine Mond-App (z.B. Deluxe Moon) auf sein Smartphone und lasse sich vom digitalen Mond leiten.

Mondschau

Es gäbe noch viele lunare Geschichten zu erzählen, z.B. dass einer der ersten Filme überhaupt Georges Méliès’ "Reise zum Mond" von 1902 war oder dass die Gemeinschaft der Weltverschwörer noch immer an die von Regisseur Stanley Kubrick ("2001: Odyssee im Weltraum") in Szene gesetzte, falsche Mondlandung glaubt. Doch halten wir es eher mit dem koreanischen Videokünstler Nam June Paik, der seine 1967 geschaffenen Videoinstallation "Moon is the Oldest Television" nannte. Also: Computer aus und Mond gucken!

Nachthimmel
Unser ältester Fernseher: Der Mond Bildrechte: Colourbox.de

Buchtipps Bernd Brunner: "Der Mond"
Taschenbuch, 280 Seiten
Kunstmann, 2011
ISBN: 978-3-8889-7732-9

Joachim Kalka: "Der Mond"
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten
Berenberg Verlag, 2016
ISBN: 978-3-9463-3403-3

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 19. Februar 2019 | 09:50 Uhr

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