Freiluftvorstellungen Historisches Theaterspektakel: "Die weiße Frau" auf Burgruine Henneberg

Die Burgruine Henneberg in Thüringen wird ab Samstag zur Theaterbühne: Rund 80 Laiendarstellerinnen und -darsteller vom SAT Förderverein Meiningen erwecken in dem Historienspektakel "Die weiße Frau" eine regionale mittelalterliche Legende zum Leben – mit eigens komponierter Musik und aufwändigen Kostümen. Zugleich werden wahre Geschehnisse rund um eine Ritterschlacht im Jahr 1078 erzählt.

Der Henneberg mit seiner gleichnamigen Burgruine erhebt sich nicht weit von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt.
Der Henneberg mit seiner gleichnamigen Burgruine erhebt sich nicht weit von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Bildrechte: imago images / imagebroker

Henneberg im südlichen Thüringen mit seinen rund 500 Einwohnern ist eigentlich ein ruhiger Ort. In den nächsten Wochen werden jedoch voraussichtlich hunderte Menschen in das Dorf strömen. Grund dafür ist das Historienspektakel "Die weiße Frau" auf der Burgruine, das die Theaterfreunde vom "SAT Förderverein" veranstalten. Pro Vorstellung gibt es Platz für rund 400 Zuschauer. Geprobt wird seit Januar.

Der Schotterweg, der zur Burgruine Henneberg hinaufführt, wirkt verlassen. Aber mit dem Schritt durch den steinernen Torbogen in das große, grasbewachsene Rondell der Ruine herrscht plötzlich ein Gewusel und Gerufe. Frauen, Männer und Kinder in mittelalterlichen Kostümen laufen umher. Vor einem Technikzelt sind große Boxen aufgebaut, im Schatten des Bergfrieds stehen Pferde.

Mehrere Generationen spielen gemeinsam

Die rund 80 Mitwirkenden kommen aus der gesamten Südthüringer Region und sogar dem angrenzenden Bayern. Der Älteste ist 86, die Jüngste sieben Jahre alt. Sprechrollen gibt es an die 25, dazu noch etliche Statistenrollen. "Viele stehen zum ersten Mal auf der Bühne", erzählt Regieassistentin Peggy Ben Saad. Sie leitet an diesem Tag die Probe, weil Regisseur Dietrich Ansorg nicht da sein kann. "Dass nicht jeder immer Zeit hat, gehört zum Amateurtheater dazu." Trotzdem hätten sie den Anspruch, große Projekte auf professionellem Niveau umzusetzen.

Die Handlung von "Die weiße Frau" fußt auf dem historischen Ereignis der sogenannten "Schlacht bei Mellrichstadt", die sich in der Nähe von Henneberg im Jahr 1078 zugetragen hat. Eingewoben hat Autorin Carmen Pfannstiel außerdem den Stoff einer regionalen Legende über ein eingemauertes Kind. Vor ihrem Ruhestand hat die Rentnerin für einen Energieversorger gearbeitet. Das Schreiben hat sie sich selbst beigebracht: "Ich versetze mich einfach in die Lage der Menschen rein, die agieren, und versuche dann so authentisch wie möglich zu schreiben."

Bezüge zur regionalen Geschichte

Drei Monate hat Carmen Pfannstiel an dem Stück, das auch einen mittelalterlichen Sprachstil hat, geschrieben. Auf Authentizität legen die Südthüringer Amateure auch bei den Kostümen und der Maske großen Wert. Dem guten Kartenverkauf nach zu urteilen, treffen sie damit beim Publikum einen Nerv. "Hinzu kommt natürlich die besondere Atmosphäre auf der Burgruine", so Regieassistentin Peggy Ben Saad. Gebaut wurde die Burg im 11. Jahrhundert als Stammsitz der Grafen von Henneberg. Bei der Vorführung ist die Ruine Bühne, Bühnenbild und Zuschauerraum zugleich.

Für die Musik konnte der Verein einen jungen Komponisten aus München gewinnen. Als ausgebildete Sängerin hat Peggy Ben Saad die Lieder dann mit den Darstellern einstudiert. Sie selbst singt auch mehrere Arien. Woher sie alle ihre Energie nimmt, können sich ihre Vereinsfreunde nicht erklären.

Auch Musik ist selbst komponiert

Regisseur Dietrich Ansorg hat schon an vielen Theaterprojekten innerhalb der Südthüringer Amateurszene mitgewirkt. Außerdem ist er Vorsitzender des SAT Fördervereins. Am Telefon erzählt er, dass diese Produktion aufgrund seines fortgeschrittenen Alters seine letzte sein wird. Auch den Vereinsvorsitz werde er bald abgeben. Er hoffe, dass ihm Regie-Assistentin Peggy Ben Saad nachfolge.

Weitere Informationen

"Die weiße Frau"
Open Air auf der Henneburg (Thüringen) vom SAT Förderverein e.V.

Premiere am 2. Juli 2022, 20 Uhr

Weitere Termine:
09. Juli 2022, 20 Uhr
10. Juli 2022, 15 Uhr
15. Juli 2022, 20 Uhr
16. Juli 2022, 20 Uhr

Preise:
20 Euro im Vorverkauf, 25 Euro an der Abendkasse
Tickets über die Website des SAT Fördervereins, über die Touristinfo Meiningen oder die Touristinfo Mellrichstadt

Gehbehinderte Gäste werden vom örtlichen Burgverein per Shuttle zur Ruine gebracht.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2022 | 07:45 Uhr