Hörspiel in zwei Teilen Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary

In Tschingis Aitmatows Geschichte begleitet der alte Hirte Tanabai seinen Hengst Gülsary auf dessen letzten Gang. Unterwegs kommen Erinnerungen hoch: Wie er eine bessere Welt aufbauen wollte und daran scheiterte. MDR KULTUR hat ein zweiteiliges Hörspiel nach Motiven des Romans von Tschingis Aitmatow produziert. Die Hauptrollen spielen Felix Goeser und Christian Redl, als Erzählerin ist Valery Tscheplanowa zu erleben.

Tschingis Aitmatow
Tschingis Aitmatow Bildrechte: MDR/Dabdoub

Das Hörspiel "Abschied von Gülsary" beginnt damit, dass der alte Hirte Tanabai seinen Hengst Gülsary auf dessen letzten Gang begleitet. Gülsary ist Tanabais Gefährte, als Passgänger zeichnet ihn eine besondere Gangart aus: Er vermag beide Beine einer Seite gleichzeitig anzuheben, das ist selten.

Wie sie beide auf dem Weg vom Tal in die Berge sind, kommen Erinnerungen hoch an vergangene Zeiten. Wie Tanabai die Revolution erlebte, wie die Kolchose gegründet wurden, wie er die Ärmel hochgekrempelt hatte, damit eine neue bessere Welt entstehen kann. Doch dann scheitert die Theorie an der Praxis. Laut Parteiauftrag soll Tanabai von einem Tag auf den anderen eine Schafherde übernehmen. Seinen Zuchthengst Gülsary muss er an den Parteivorsitzenden abgeben, der sich mit dem prächtigen uneinholbaren Tier schmücken will – und ihm Fesseln anlegt. Beide müssen lernen, mit einem Mangel an Freiheit zu leben.

"Abschied von Gülsary" hören

Über Produktion und Hintergrund des Hörspiels

Im MDR KULTUR Spezial wird die Arbeit an dem Hörspiel "Abschied von Gülsary" näher beleuchtet. Duška Roth spricht mit der Vorsitzenden des Deutsch-Kirgisischen Kulturvereins Mahabat Sadyrbek und dem Schauspieler Felix Goeser über den Schauplatz des Romans, die Annäherung an Aitmatows Welt und dessen Naturliebe. Die Regisseurin Heike Tauch gibt Einblicke in die Arbeit an den zentralen Motiven des Textes: dem Handschlag von sozialer Utopie und Respekt vor der Schöpfung. Außerdem gibt es ein Gespräch mit der Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt.

Tschingis Aitmatow 31 min
Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary Bilder aus der Hörspielproduktion

Valery Tscheplanowa (als Erzählerin) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Im Hörspiel nach dem Roman "Abschied von Gülsary" von Tschingis Aitmatow übernahm Valery Tscheplanowa die Rolle der Erzählerin. Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
Valery Tscheplanowa (als Erzählerin) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Im Hörspiel nach dem Roman "Abschied von Gülsary" von Tschingis Aitmatow übernahm Valery Tscheplanowa die Rolle der Erzählerin. Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
Felix Goeser (als junger Tanabai) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Im Zentrum des Romans steht Tanabai Bakassow, Sohn eines kirgisischen Knechtes, glühender Anhänger der Revolution. Seit seiner Jugend hat er sich für eine neue bessere Welt eingesetzt, doch dann scheitert er an den Parteifunktionären. Schauspieler Felix Goeser übernahm im Hörspiel die Hauptrolle des jungen Tanabai. Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
Christian Redl (der alte Tanabai) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Die Rolle des alten Tanabei spielte Christian Redl. Der letzte Gang des Hirten mit seinem Hengst Gülsary bildet die Rahmenhandung des Romans "Abschied von Gülsary". Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
Regisseurin Heike Tauch mit den Schauspieler*innen Nathalie Thiede (Bübüdshan), Felix Goeser (junger Tanabai) und Julika Jenkins (Dshaidar, v.l.n.r) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Heike Tauch (links) führte nicht nur Regie, sie hat den Roman auch fürs Hörspiel bearbeitet. Hier bei einer Probe mit den Schauspielerinnen Nathalie Thiede (Bübüdshan, 2. v.r.) und Julika Jenkins (Dshaidar, rechts) sowie dem Schauspieler Felix Goeser (junger Tanabai). Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
Toningenieur Holger König (rechts) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Wiehern, Schnauben, Hufe scharren - für gute Pferdegeräusche wurden keine Mühen gescheut. Im Bild: Toningenieur Holger König (rechts) bei Aufnahmen mit Pferd und Reiterin. Bildrechte: MDR/Matthias Seymer
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Valery Tscheplanowa (als Erzählerin) bei Aufnahmen zum Hörspiel "Abschied von Gülsary" nach dem Roman von Tschingis Aitmatow im MDR-Hörspielstudio im Oktober 2021
Bildrechte: MDR/Matthias Seymer

Der Schriftsteller Tschingis Aitmatow

Aitmatow wurde 1928 in einem kleinen Dorf geboren. Seine Großmutter nahm ihn mit in die Lager der Nomaden, wo er früh viele Märchen und Lieder kennenlernte, die in sein späteres Werk einflossen. Auch das traurige Ende seines Vaters fand Eingang in seine Bücher: Als Kommunist wurde dieser Opfer der stalinistischen "Säuberungen".

Nach der Schule studierte Aitmatow zunächst Tiermedizin und Landwirtschaft, bis er schließlich einen Lehrgang für junge Autoren am Maxim-Gorki-Institut in Moskau begann. Seine Abschlussarbeit von 1958 "Dshamilja" machte ihn weltbekannt, das Buch war Pflichtlektüre in den Schulen der DDR. Weitere große Romane sind "Die Richtstatt" und "Ein Tag länger als das Leben", der in der DDR unter dem Titel "Der Tag zieht den Jahrhundertweg" erschien. Für "Abschied von Gülsary" erhielt der Schriftsteller 1968 den sowjetischen Staatspreis.Tschingis Aitmatow setzte sich früh für Naturschutz ein und bekleidete ab 1989 viele politische Ämter, u. a. war er kirgisischer Botschafter in Brüssel.

Tschingis Aitmatow
Gemälde aus dem Kulturzentrum Ruh Ordo in Kirgistan Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Informationen zum Hörspiel

Abschied von Gülsary
Hörspiel in zwei Teilen nach dem Roman von Tschingis Aitmatow

Bearbeitung und Regie: Heike Tauch
Komponist: Andre Matthias
Produktion: MDR 2021

Sprecher:
Valery Tscheplanowa: Erzählerin
Felix Goeser: der junge Tanabai
Christian Redl: der alte Tanabai
Julika Jenkins: Dshaidar
Nathalie Thiede: Bübüdshan
Winfried Glatzeder: Tschoro
Ulrich Gerhardt: Torgoi Janus
Torp: Ibrahim Nils
Andre Brünnig: Buchhalter und Fahrer
Tristan Becker: Agronom

Musikalische Solisten:
Sandro Friedrich
Riccardo Rocchi
Christian Fotsch
Isgaard

Mehr Hörerlebnisse auf MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Dezember 2021 | 18:00 Uhr

Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary
Bildrechte: Unionsverlag

Buchtipp Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary

Tschingis Aitmatow: Abschied von Gülsary

Taschenbuch, 208 Seiten
Unionsverlag 2013
ISBN: ‎ 978-3293206137

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