Künstlerportrait Außergewöhnliche Klänge und besondere Instrumente: der Musiker Stefan Weyh

Instrumente wie Posaune, Akkordeon und Klavier prägten seine musikalische Laufbahn, doch die Böhmische Harfe und das Alphorn bilden das Herzstück von Stefan Weyhs musikalischem Schaffen. Der 56-Jährige aus Gertitzsch bei Döbeln ist gelernter Steinmetz. In der Musik aber hat er seine Erfüllung gefunden und ist schon seit mehr als 20 Jahren als freiberuflicher Musiker unterwegs. Musikalisch bewegt er sich zwischen Barock, Welt- und alter Musik.

Stefan Weyh 4 min
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4 min

Lisa Ehrenburg mit einem Porträt über den freiberuflichen Musiker Stefan Weyh, der zwei sehr unterschiedliche Instrumente kombiniert: das Alphorn und die Böhmische Harfe.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 04.04.2022 12:00Uhr 04:25 min

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Die Böhmische Harfe stammt ursprünglich aus dem Erzgebirge und war im 19. Jahrhundert als Instrument der Wandermusiker bekannt. Im Gegensatz zur Konzertharfe, die so groß sein kann wie ein Mensch und bis zu 40 Kilo schwer, ist sie kleiner und wiegt nur an die sieben Kilo. An die Böhmische Harfe bindet Stefan Weyh eine große Liebe für ihren Klang, den er als unglaublich warm und breit beschreibt. Obwohl es viele teure und tolle Harfen gebe, sei diese für ihn einzigartig.

Das Alphorn neu interpretiert

Stefan Weyhs zweites Hauptinstrument, das Alphorn, ist ein langes Rohr, meist aus Holz, ohne Ventile oder Klappen mit einem nach oben gebogenen Schalltrichter am unteren Ende. Normalerweise ist es zwei bis vier Meter lang Stefan Weyhs Instrument ist hingegen kürzer und nicht rund, sondern eckig.

Der Schall liebt es eckig und nicht rund.

Stefan Weyh, Musiker

Mit seinem Instrument klinge es nochmals sehr viel runder, sagt Stefan Weyh mit einem Schmunzeln. Das Alphorn, eröffne für ihn ein faszinierendes Universum an musikalischen Möglichkeiten. Wenn man das Alphorn in den höheren Lagen spiele, so Stefan Weyh, könne man darauf von Renaissance-, über Barock- und moderner Musik beinahe alles spielen bis hin zum Jazz.

Die Erfindung des "Harfhorns"

In seiner Musik führt Stefan Weyh das Alphorn und die Böhmische Harfe zusammen. Und das auch noch auf eine besondere Art und Weise, denn er spielt sie gleichzeitig. Das Prinzip sei einfach: Zum Spielen des Alphorns brauche man nur seine Lippen und zum Spielen der Harfe nur seine Hände. In der Durchführung gestaltet sich das allerdings anspruchsvoller, wie Stefan Weyh ausführt.

ein schwarz-weiß-Bild: Stefan Weyh ist brustaufwärts hinter seiner Harfe und seinem modifizierten Alphorn zu sehen
Der Musiker Stefan Weyh hinter seiner Böhmischen Harfe sowie seinerm modifizierten Alphorn. Bildrechte: Anja Wagner-Streuber

Das Schwierige am Zusammenspiel der beiden Instrumente sei nicht nur die Koordination der Bewegungsabläufe, sondern liege vor allem in der Natur der beiden Instrumente. "Die Harfe ist ein wohltemperiertes Instrument und das Alphorn ein Naturtoninstrument", so Weyh. Dadurch sind die Abstände zwischen den Tönen der Harfe etwas anders als die Abstände zwischen den Tönen des Alphorns. Diesen Unterschied intonatorisch auszugleichen sei nur minimal möglich und erfordere unglaublich viel Übezeit.

Die Natur als Inspiration

Der Musiker hat bereits vier Alben veröffentlicht. Zu hören sind darauf eigene Kompositionen, Volkslieder oder Stücke von Komponisten wie Monteverdi, Händel oder Leopold Mozart. Dabei vereint Stefan Weyh gern unterschiedliche Besetzungen und außergewöhnliche Klänge. Auf seinem Album "Harfhorn II" ist zum Beispiel Obertongesang zu hören.

Stefan Weyhs eigene Kompositionen haben einen leicht filmmusikalischen Einschlag, wie man auf seinem letzten Album "Flusskiesel" hören kann. "Flusskiesel" ist in einem Corona Lockdown entstanden und ist eine Hommage an die Harfe. Stefan Weyhs wichtigste Inspiration dafür ist die Natur: "Wir haben bei uns in der Nähe die Mulde und da gibt es ganz geheimnisvolle und richtig schöne Orte, wo man absolut zur Ruhe kommen kann." So entstanden beim Spazierengehen im Wald Stücke wie "Sommerregen" oder "Blatt im Wind".

Stefan Weyh hinter seiner Harfe
Stefan Weyh wohnt mit seiner Familie in Gertitzsch. Bildrechte: Wolfgang Schmidt

Seit 2018 spielt Stefan Weyh vor allem im Duo mit seinem Musiker-Kollegen Philipp Werner an der Kesselpauke. Unter dem Namen "Die Rapauken" kann man sie auf historischen Stadtfesten, Kirchenkonzerten, in Schlössern oder Burgen hören. Ein neues Album des Duos ist bereits im Entstehen und soll zu Ostern veröffentlicht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. März 2022 | 18:00 Uhr