"Faire Lehre" Von Musik leben: Kampagne fordert faire Bezahlung an sächsischen Musikhochschulen

Freiberufliche Lehrkräfte an Musikhochschulen in Dresden und Leipzig können von ihrer Arbeit nicht leben. Sie fordern mit der Kampagne "Faire Lehre" eine bessere Bezahlung und Dauerstellen statt befristeter Lehraufträge. Unterstützung erhalten sie von prominenten Musikern wie Trompeter Till Brönner, Dirigent Christian Thielemann – und von Studierenden.

Ein Klavierstimmer sitzt im neuen Konzertsaal der Musikhochschule in Dresden am Flügel.
An der Musikhochschulen in Dresden fordern Dozierende mit einer Kampagne "Faire Lehre" ein. Bildrechte: dpa

Dass die Lehramtsstudentin Sabrina Bräuer so gut flötet, ist nicht zuletzt ihrer Lehrerin zu verdanken: Bettina Preusker unterrichtet seit 18 Jahren an der Hochschule für Musik in Dresden – und zwar aus Liebe zur Musik. Davon leben kann sie nicht. "Im letzten Semester war mein Lehrauftrag voll ausgeschöpft, das entspricht knapp einer halben Stelle, und ich hab damit 12.000 Euro Brutto Einnahmen gehabt" – im Jahr, erklärt sie.

Faire Bezahlug an Dresdner Musikhochschule gefordert

Deshalb ist Bettina Preusker darauf angewiesen, dazuzuverdienen. Parallel arbeitet die studierte Flötistin auch als Lehrerin am Landesgymnasium für Musik und gibt Privatstunden. Insgesamt kommt sie damit, so schätzt sie, auf mindestens 50 Arbeitsstunden pro Woche: "So vielseitig aufgestellt sein zu müssen, weil es als Freiberufler finanziell nötig ist, ist sehr anstrengend, weil man für verschiedene Institutionen arbeitet. Wenn man seine Arbeit gut machen möchte, leistet man nicht nur die Unterrichtsstunden, man nimmt auch an Konferenzen und Besprechungen teil", erklärt sie.

Musikhochschule Dresden
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Studierende in Dresden über Zukunft der Lehre besorgt

Schließlich will sie als Lehrbeauftragte auch außerhalb der reinen Unterrichtszeit für ihre Studenten und Studentinnen da sein. Diese bemerken durchaus den Druck, der auf den freien Pädagogen lastet, sagt Lehramtsstudentin Sabrina Bräuer: "Wir sind ein kleines Haus, da bekommt man das auf jeden Fall mit, weil wir Studierenden die Dozierenden von morgen sind. Deshalb beschäftigt uns das Thema und macht uns auch große Sorgen."

Kampagne für "Faire Lehre" an sächsischen Musikhochschulen

Um das Problem öffentlich zu machen, haben einige Hochschulmitglieder die Kampagne "Faire Lehre" gestartet. Seit Jahren kämpfe man darum, dass die Honorare der Lehrbeauftragten erhöht werden – mit mäßigem Erfolg, so Sebastian Haas, Sprecher der Kampagne: "Die Hochschulen bemühen sich, wir sind in gutem Kontakt mit den Rektoraten. Es gab auch Honoraranpassungen, aber das ist immer nur nahe am Inflationsausgleich. Es ist grundlegend problematisch, dass der Lehrauftrag nicht auskömmlich finanziert ist. Das funktioniert einfach im Budget der Hochschule nicht", erläutert er.

Freiberuflichen Musiker*innen in Sachsen droht Altersarmut

Das zweite Problem sei, dass die Stellen fehlten: "Aktuell sind 50 Prozent der Lehrenden freischaffend tätig, vielen von ihnen droht Altersarmut – das ist nicht länger hinzunehmen."

Aktuell sind 50 Prozent der Lehrenden freischaffend tätig, vielen von ihnen droht Altersarmut

Sebastian Haas, Kampagne "Faire Lehre"

So sieht es auch Milko Kersten, selbst seit vielen Jahren Lehrbeauftragter an der Dresdner Musikhochschule und Präsident des Sächsischen Musikrats: "Das an die Künstlersozialkasse gemeldete Durchschnitts-Jahreseinkommen in 2021 lag im Bereich Musik bei 13.000 Euro. Über strukturell entstehende Altersarmut kann angesichts dieser Zahl niemand hinwegsehen. Freiberufliche Musiker*innen sind mehrheitlich nicht durch Verbände vertreten, für sie ist eine Lobby wichtig – deshalb unterstützt der Sächsische Musikrat die Kampagne ausdrücklich."

Hochschule für Musik und Theater, Leipzig, Sachsen
Auch an der Leipziger Musikhochschule wird für eine faire Bezahlung gekämpft. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Leipziger Musikhochschule hofft auf mehr Budget

Dass die Initiatoren jetzt an die Öffentlichkeit gehen, hat einen strategischen Grund: derzeit verhandelt der Sächsische Landtag den nächsten Doppelhaushalt – und damit auch das Budget der Musikhochschulen in Dresden und Leipzig. Allzu optimistisch ist Sebastian Haas jedoch nicht: "Im letzten Doppelhaushalt konnten wir einen Erfolg erzielen, da wurde das Honorar um fünf bis sechs Euro erhöht, das war gut – aber was die Stellen betrifft, ist erstmal nichts in Aussicht. Wir reden hier nicht von ein oder zwei Stellen mehr, sondern von 30 bis 60 Stellen an beiden sächsischen Hochschulen. Das ist ein großer Kostenpunkt, den man der Politik erstmal vermitteln muss."

Sie wollen trotzdem weiter um Verbesserung kämpfen, da sind sich die Musikpädagogen und ihre Studenten einig. Schließlich, wie die angehende Musiklehrerin Sabrina Bräuer schon sagte: Es geht auch um die Zukunft derer, die heute noch lernen – und künftig vom Musikmachen und -vermitteln leben wollen.

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. September 2022 | 17:10 Uhr

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