Neues Album "Triggerwarnung" der Leipzigerin Sarah Lesch: queer-feministisches Empowerment

Die Leipziger Liedermacherin Sarah Lesch nennt ihr aktuelles Album "Triggerwarnung" und der Aufmerksamkeit erregende Titel ist für sie "Programm und Provokation". Lesch bricht ihr Schweigen und formuliert in sehr deutlichen Worten, welche psychische und physische Gewalt sie als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft erleiden muss. Daraus leitet sie allgemeine empowernde und queer-feministische Statements ab – verpackt in musikalische Sanftheit.

Musikerin Sarah Lesch steht am Mikrophon und singt.
Sarah Lesch wurde 1986 in Altenburg geboren und lebt heute in Leipzig Bildrechte: Peter Runkewitz

In dem Song "Die Löwin" singt Sarah Lesch auf ihrem neuen und fünften Album "Triggerwarnung" die Worte "Ruht euch nicht aus auf eurem Sieg! Sie braucht nur einen Prankenhieb. Wenn sie weiß, wofür sie kämpft." Lesch selbst weiß ganz genau, wofür sie kämpft. Die Leipziger Musikerin hat sich schon längst einen Namen in der deutschen Liedermacher-Szene gemacht und gibt ihr neuen Schwung. Mit einer starken Message, verpackt in ein sanftes Gewand.

Sarah Lesch
Sarah Lesch Bildrechte: Christin Goy

Auf "Triggerwarnung" spricht sie – ganz nach dem Motto "Das Private ist politisch" – queer-feministische Themen an. Dafür erzählt sie ihre persönliche Geschichte, denn "Meine Geschichte geht so …" ist für sie das stärkste Argument:

Wenn du deine eigene Geschichte erzählst – und die kann noch so klein sein – wenn du einen Grund dafür hast, dass du möchtest, dass sich was ändert, weil du in Angst lebst, dann sollte das Grund genug sein!

Sarah Lesch

Eigene Gewalterfahrungen verarbeitet

Lesch verarbeitet mithilfe ihrer Lieder persönliche Gewalterfahrungen und Demütigungen, die sie als Frau, als Person in einer patriarchalen Gesellschaft erleiden musste. Sie erzählt dabei zwar ihre Geschichte, doch indem sie ihr Schweigen bricht, gibt sie anderen Betroffenen Kraft und Mut. Sie vermittelt ihnen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind. Aus einem anonymen Ich wird ein kollektives Wir und aus der Geschichte einer einzelnen Person werden unzählige Geschichten.

Sarah Lesch 24 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Song "Schweigende Schwestern" zum Beispiel spricht davon, dass vor allem gemeinsam ein Wandel bewirkt werden könne. Lesch ermutigt jene, die Traumata davontragen, offen die Namen der Täter zu nennen. Zusätzlich richtet sie damit einen Appell an die Menschen, die nicht für Betroffene sprechen und somit die Täter schützen.

Keine Projektionsfläche für patriarchale Erwartungen mehr sein

Lesch fällt es zunächst leichter für andere zu reden, als für sich selbst. Sie lernt erst mit der Zeit, dass es in Ordnung ist, klare Grenzen für sich zu setzen und für sich zu sprechen. Ja sogar notwendig. Und auch damit ist sie nicht allein.

Tour Ab März 2022 geht Sarah Lesch auf Tour. Am 6. März ist sie im Kunstwerk Turbinenhaus in Naumburg zu hören.

Der Grund dafür, dass es vielen Frauen schwer fällt für sich einzustehen, sind unter anderem patriarchale Klischees, die zum Beispiel wütende Frauen schnell als "hysterisch" bezeichnen oder Frauen, die für sich einstehen, als "zickig". Doch dem möchte die Musikerin nun ein Ende setzen.

Ich bin es so leid deine Leinwand zu sein, auf der nur dein Bild von mir gilt […] Jetzt setz ich das Maß!

Sarah Lesch in ihrem Song "Drunter machen wir’s nicht".

MDR KULTUR Studiosession

Musikerin Sarah Lesch steht am Mikrophon und singt. 26 min
Bildrechte: Peter Runkewitz
26 min

Sarah Lesch ist eine der interessantesten Liedermacherinnen derzeit. In unserer MDR KULTUR-Studiosession spricht sie über ihren Tourhund, die Verantwortung und das Missverstandenwerden. Und es gibt Musik.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 06.01.2018 16:05Uhr 26:17 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Realität und Poesie in musikalischer Vielseitigkeit

Die Poetin kleidet ihre teils deutlichen, teils lyrisch-melancholischen Worte in ein musikalisch vielfarbiges Gewand. Sie bemerkt, dass ihre starke Botschaft keiner lauten Klänge bedarf und lässt ihre Statements in sanften Melodien erklingen. Wut und Sanftheit würden sich nicht ausschließen, sondern beide zu Heilung dazugehören, so Lesch.

Musikerin Sarah Lesch mit Gitarre auf der Bühne
Auf ihrem aktuellen Album ist Sarah Lesch musikalisch sehr vielfältig aufgestellt Bildrechte: Peter Runkewitz

Gelungen vermischt sie in ihrem Album Stilrichtungen wie Chanson, Folk, Gypsy-Jazz, Balkan-Pop und Singer/Songwriter. Neben von sozialkritischer Energie getragenen Power-Hymnen, wie "Die Geschichte von Marsha P. Johnson", die der gleichnamigen Aktivistin und Leitfigur der LGBTQ+-Bewegung gewidmet ist, sind auf dem Album feinsinnig bewegende Balladen, wie "Unten am Fluss" oder "Ich trag dich nach Haus" zu hören.

Während des Corona-Lockdowns entstanden

Die Platte ist in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Produzenten Erik Manouz während des Corona-Lockdowns entstanden. Viele erstklassige musikalische Gäste bereichern das Album. Aus dem Leipziger Raum sind es zum Beispiel die Musikerinnen Wencke Wollny und Antonia Hausmann von der Band "Karl die Große" oder der Pianist Johannes Bigge.

Mit dem Album "Triggerwarnung" wandelt Lesch berechtigte Wut in Kraft, Verständnis und Liebe um.

Sarah Lesch
Das Cover des Albums "Triggerwarnung" von Sarah Lesch Bildrechte: Kick the Flame Publishing

Das Album "Triggerwarnung" von Sarah Lesch
Label: Räuberleiter
Erhältlich seit dem 19. November 2021.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. November 2021 | 07:40 Uhr

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