In Kriegszeiten Gera nimmt Staatsorchester aus Kiew langfristig auf

Seitdem der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, reist das Nationale Sinfonieorchester der Ukraine durch Europa, um auf das Geschehen in ihrem Land aufmerksam zu machen. Seit Juli leben und proben die Mitglieder des Orchesters in Gera - und können nun offiziell langfristig dort bleiben.

Das Kiewer Sinfonieorchester mit dem Dirigenten Ivan Stetskyi probt in der Theater Fabrik
Das Kiewer Sinfonieorchester mit Dirigent Ivan Stetskyi kann vorerst in Gera bleiben und proben. Bildrechte: dpa

Das Nationale Sinfonieorchester der Ukraine wird für unbestimmte Zeit in der thüringischen Stadt Gera leben und arbeiten können. Das teilte die Stadtverwaltung am Dienstag nach einem offiziellen Besuch einer Probe in der Tonhalle Gera mit, an dem auch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckhardt, teilgenommen hat.

Aktuell reist das Staatsorchester mit Sondergenehmigung der ukrainischen Regierung durch Europa, um mit Benefiz-Konzerten auf die schwierige Situation in ihrem Heimatland hinzuweisen, das im Februar 2022 von Russland angegriffen wurde. Aufgrund dieser Lage können die 80 Musikerinnen und Musiker für die Proben auch nicht in die ukrainische Hauptstadt Kiew zurückkehren.

Das Kiewer Sinfonieorchester mit dem Dirigenten Ivan Stetskyi probt in der Theater Fabrik.
Das Nationale Sinfonieorchester der Ukraine wird die ganzen Sommerferien über in der Tonhalle Gera proben. Bildrechte: dpa

Viel Bereitschaft in Gera

Deswegen gab es von Bundesebene aus eine Anfrage an die Stadt Gera, ob sie dem Orchestermitgliedern und ihren Familien längerfristig Unterkunft gewähren können. "Es ehrt mich, Gastgeber dieser politischen Botschafter zu sein, die mit Musik gegen das schreckliche Kriegsgeschehen in ihrer Heimat protestieren", erklärte Geras Oberbürgermeister Julian Vornab die Entscheidung zur Zusage.

Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Julian Vornab (parteilos), Oberbürgermeister von Gera verfolgen die Probe des Kiewer Sinfonieorchesters in der Theater Fabrik.
Sowohl die Bundestagsabgeordnete Kathrin Göring-Eckhardt als auch der Oberbürgermeister Julian Vornab betonen, wie wichtig die Aufgabe des Orchesters ist. Bildrechte: dpa

Die Stadt hat dafür nach eigenen Angaben mehrere Wohnungen organisiert. Für die Proben darf das Orchester die Tonhalle Gera nutzen. Die Musikerinnen und Musiker werden künftig auch das Orchester des Theaters Altenburg-Gera unterstützen. "Die Aufnahme des Kiewer Sinfonieorchesters unterstreicht die Bedeutung von Kultur und Menschlichkeit in der Stadt Gera", erklärte Katrin Göring-Eckhardt, Grünen-Abgeordnete und stellvertretende Präsidentin des Bundestags, die ebenfalls in Gera dabei war.

(Quelle: Stadt Gera; Redaktionelle Bearbeitung: Thilo Sauer)

Kultur, Krieg und Flucht

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juli 2022 | 09:30 Uhr