"Murr" Leipziger Künstlerin zeichnet Comic-Westernparodie um Leben und Tod

Ein fieser Schurke trifft den Tod – und der lässt ihn nicht mehr los. Aus dieser Konstellation zeichnet die Leipziger Comickünstlerin Josephine Mark eine Westernparodie mit Tiefgang, Humor und Emotionen. "Murr" heißt der Comic, der gerade im Zwerchfell Verlag erschienen ist.

Einzelne Seiten eines Comics liegen auf einem Tisch.
Schritt für Schritt entsteht aus den Zeichnungen ein fertiges Comicbuch. Bildrechte: Josephine Mark

Schon als Kind ist Murr ein fieser Typ, der Kekse klaut, Tiere quält und die anderen Kinder in der Prärie-Kita verprügelt. Bandit lautet denn auch die Berufs-Empfehlung, die ihm seine Schule mit auf den Weg gibt. Kein Wunder also, dass er 20 Jahre später als Bandit ohne Furcht und Mitleid sein Unwesen treibt.

Ein Bandit trifft den Tod

Zeichnerin mit Buch in der Hand am Zeichenplatz schaut in die Kamera.
Josephine Mark hält ihr Comic "Murr" in den Händen Bildrechte: Josephine Mark

Diesen Schurken bringt die Leipziger Comic-Künstlerin Josephine Mark mächtig ins Wanken, als sie ihn mit dem Tod konfrontiert: Murr landet am Galgen – doch der Strick reißt und seitdem verfolgt ihn der Sensemann buchstäblich bei seinen Schandtaten. Einem Duell weicht Murr deshalb lieber aus. Und selbst beim Falschspiel im Saloon hat Murr plötzlich Angst, erwischt und einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Der Tod erinnert ihn auf Schritt und Tritt, wie fragil das Leben eigentlich ist.

Wie fragil das Leben sein kann, hat Autorin Mark auch im eigenen Alltag erfahren. Menschen aus der Familie oder dem Bekanntenkreis seien krank geworden. Für die Comiczeichnerin waren das viele kleine Nadelstiche, die sie über den Tod, das Abschiednehmen und Loslassen nachdenken ließen, erzählt sie.

Buch voller Bezüge zur Western- und Popkultur

Mit "Murr" hat Mark ihre Beschäftigung mit dem Tod nun in den Comic gebracht. Das macht sie mit ungeheurer Leichtigkeit. Die Dialoge haben oft die Rasanz von Screwball-Komödien - "I Shot the Sheriff" ruft Murr zum Beispiel – und von hinten antwortet es "But you didn´t shoot the Deputy". "Murr" ist ein witziges Spiel mit Zitaten aus der Popkultur – vor allem aber aus Westernklassikern.

Einzelne Seiten eines Comics liegen auf einem Tisch.
"Murr" ist wirklich ein gemeiner Mensch. Bildrechte: Josephine Mark

Mark zeichnet das mit so prägnantem Tusche-Strich, dass all der Grimm Murr genauso ins Gesicht geschrieben steht, wie Angst, die ihn plötzlich befällt – und die Verwunderung darüber.

Für Comic-Zeichnen Job aufgegeben

Rund 15 Jahre lang hat die Zeichnerin für das Leipziger Kulturzentrum Moritzbastei als Grafikerin gearbeitet und nebenbei Cartoons veröffentlicht. Der Wunsch, längere Geschichten mit Tiefgang zu zeichnen, wurde immer größer – bis sie irgendwann im Jahr 2019 ihren Job an den Nagel hängte und zielstrebig loslegte.

Einzelne Seiten eines Comics liegen auf einem Tisch.
Alle Figuren sind schlicht aber markant gezeichnet. Bildrechte: Josephine Mark

Das Skript für "Murr" hat Mark in einer Woche geschrieben. Damit das so schnell geht, hat sie ihre Geschichte als Western angelegt.

Die Figurenkonstellation sei bei einem Western so klassisch, dass die Leserinnen und Leser dazu Bilder im Kopf hätten, ohne dass die lange vorgestellt werden müssten. Tatsächlich ist der Comic "Murr" auch deshalb so gelungen, weil er ohne Umwege auf den Punkt kommt – beim Humor – aber auch wenn es um Leben und Tod geht.

Zeichnerin, mit einer einzelner Seite in der Hand am Zeichenplatz, schaut in die Kamera.
Josephine Mark an ihrem Zeichentisch Bildrechte: Josephine Mark

Für Mark ist "Murr" jedenfalls nur ein Anfang. Zehn Comics will Mark in schneller Folge zeichnen – um sich dann, wie sie augenzwinkernd sagt, mit Muße ihrem Spätwerk widmen zu können.

Angaben zum Comic "Murr"
Autorin und Zeichnerin: Josephine Mark

118 Seiten, 15 Euro
ISBN: 978-3-943547-59-7
Zwerchfell Verlag

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. November 2021 | 18:05 Uhr