Literaturempfehlungen Die perfekte Sommerlektüre: 15 Buchtipps für die Ferien

Ob am Strand, am See oder im heimischen Garten: Ein gutes Buch darf in den Sommerferien nicht fehlen. Damit die große Auswahl im Buchladen etwas leichter fällt und der Koffer nicht zu schwer wird, haben wir 15 Buchtipps für den Urlaub. Darunter: atmosphärische Belletristik vor südfranzösischer Kulisse, spannende Exkursionen in die Weltraumforschung, Bücher übers Zugfahren oder die Strände Europas. Viel Spaß beim Lesen!

Eine Person hält ein aufgeschlagenes Buch gen Himmel. Im Hintergrund sieht man das Meer.
Die Qual der Wahl: Welches Buch darf mit in den Urlaub? Wir haben sommerliche Lektüretipps, die Sie in den Sommerferien unterhalten. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Von Ostdeutschland nach Südfrankreich – Roman über Liebe, Tod und Verlockungen:
"Die Paradiese von gestern" von Mario Schneider

Sanfte Hügel, Pinienwald, Weinberge und in der Luft der Duft nach Rosen und Lavendel – in der Gegend des Bordelais in Frankreich liegt das Château Violet. Grand Dame des Hauses ist die 70-jährige Comtesse Charlotte Louise de Violet-Hascardin. Als Gräfin angesprochen zu werden, missfällt ihr allerdings. Eine durchaus ambivalente Persönlichkeit hat sich der preisgekrönte Dokumentarfilmer Mario Schneider als Protagonistin für seinen Debütroman "Die Paradiese von gestern" ausgedacht. Als beinahe gegenteilige Gegenüber zu der verbitterten adligen Dame muten die anderen beiden Hauptfiguren an: Ella und René aus Ostdeutschland kommen unverhofft als Gäste ins Château Violet. Es ist 1990 und der erste Sommer nach der Wiedervereinigung. Der Fall der Mauer und die daraus resultierende Reisefreiheit erfüllt dem jungen Paar den Traum, in das Land seiner Sehnsüchte zu reisen.

Mit diesem Wechselspiel zwischen Hochgefühl und jenem, von der Realität eingeholt zu werden, gelingt es Mario Schneider, dem Titel seines Romans gerecht zu werden. Denn auch wenn sich das Gestern nicht zurückholen lässt, lohnt es sich allem Anschein nach doch, im vermeintlichen Verfall die einstmaligen Paradiese zu erkennen.

(Ein Buchtipp von Frauke Siebels, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Mario Schneider: "Die Paradiese von gestern"
Mitteldeutscher Verlag, März 2022
552 Seiten, 28 Euro
ISBN: 978-3-96311-614-8

Reisetagebuch einer Bauhaus-Künstlerin – mit dem Fahrrad durch die Nachkriegszeit:
"Überall Verwüstung. Abends Kino" von Ré Soupault

Es ist das Jahr 1951. Der Zweite Weltkrieg steckt den Menschen noch in den Knochen. Die Verheerungen, die er angerichtet hat, sind noch immer sichtbar, auch die verborgenen im Inneren. Die moralische Schuld wiegt bei vielen weniger, es ist vielmehr das eigene Leid, das bedrückt. Ré Soupault, 1901 in Pommern geboren, aber nach vielen Jahren in Paris sich längst als Französin fühlend, reist im September und Oktober 1951 von Basel aus durch Süddeutschland: Mit ihrem Velosolex – einem schicken Fahrrad mit Hilfsmotor und immerhin 0,4 PS – legt sie insgesamt 1.500 Kilometer zurück.

Bei einem Spaziergang über die Höhen von Stuttgart notiert sie lapidar: "Überall Verwüstung. Abends Kino". So lautet der Titel des Reisetagebuchs, das Manfred Metzner, Verleger des Heidelberger Wunderhorn-Verlags und Nachlassverwalter Soupaults, nun herausgegeben hat. Dabei handelt es sich nicht nur um eine erkenntnisreiche Reise in die Nachkriegszeit. Das Buch ist auch ein weiteres wichtigeres Puzzleteil zur faszinierenden Biografie einer Künstlerin, die nach ihrer Ausbildung am Bauhaus in Weimar zur europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts zählte.

(Ein Buchtipp von Ulrich Rüdenauer, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Ré Soupault: "Überall Verwüstung. Abends Kino. Reisetagebuch"
Herausgegeben von Manfred Metzner
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 2022
124 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-88423-664-2

Literarische Zugreise durch Europa:
"Gebrauchsanweisung fürs Zugfahren" von Jaroslav Rudiš

Züge spielen in den Büchern von Jaroslav Rudiš oft eine große Rolle. Etwa in "Winterbergs letzte Reise", nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse. Jüngst legte der Autor eine "Gebrauchsanweisung fürs Zugfahren" vor. Ein Kapitel über Loks bildete deshalb den Anfang des Buches. Und weitere folgten, denn Eisenbahnmensch ist nicht gleich Eisenbahnmensch. Unter den Bahnbegeisterten gibt es Tunnelmenschen, Bahndammmenschen, Schienenmenschen oder Bahnhofsuhrenmenschen.

Beim Zugfahren geht es Jaroslav Rudiš nie wirklich um Schnelligkeit. Eher um das Erkunden von Landschaften, das Einlassen auf andere Orte und andere Menschen – gerne im Speisewagen mit Blick aus dem Fenster und einem guten Bier vor sich. Einige der schönsten Strecken, die Rudiš beschreibt, liegen dabei in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Seine "Gebrauchsanweisung" ist eine Liebeserklärung ans Zugfahren. Und eine große Reiseerzählung.

(Ein Buchtipp von Tino Dallmann, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Jaroslav Rudiš: "Gebrauchsanweisung fürs Zugfahren"
Piper Verlag, September 2021
256 Seiten, 15 Euro
ISBN: 978-3-49227-749-5

Essays über die Strände Europas:
"Am Rande der Glücksseligkeit. Über den Strand" von Bettina Baltschev

In "Am Rande der Glückseligkeit" besucht die Leipziger Autorin Bettina Baltschev acht unterschiedliche Strände in Europa, die sie als naturgegebene Grenzen, Sehnsuchtsorte und Schauplätze geschichtlicher Schicksale beschreibt. Sie macht Ausflüge zu Literatinnen und Künstlern, die sich vom Strand haben inspirieren lassen, beobachtet Landschaften und die Menschen darin und erzählt von wahren und fiktiven, glücklichen und tragischen Schicksalen am Strand. Bettina Baltschevs Essaybuch "Am Rande der Glückseligkeit" gehörte 2022 zu den acht Büchern, die für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert waren.

Bettina Baltschev: Am Rande der Glückseligkeit 30 min
Bildrechte: Berenberg Verlag
30 min

MDR KULTUR - Das Radio Sa 05.03.2022 19:00Uhr 30:01 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Angaben zum Buch

Bettina Baltschev: "Am Rande der Glückseligkeit"
Berenberg Verlag, Frühjahr 2021
280 Seiten, 25 Euro
ISBN: 978-3-94633-485-9

Sachbuch über das dunkle Geheimnis der DDR-Weltraumforschung:
"Schöner neuer Himmel – Aus dem Militärlabor des Ostens" von Ines Geipel

Ines Geipel ist vor allem durch ihre Enthüllungen über das Doping-System im Leistungssport bekannt geworden. In ihrem aktuellen Sachbuch mit dem Titel "Schöner neuer Himmel – aus dem Militärlabor des Ostens" beschreibt sie, wie sich die Weltraumforschung der DDR mit einem neuen medizinischen Interesse am menschlichen Körper verknüpfte. Geipel erkundet, welche Forschungen und Manipulationen am menschlichen Körper in wissenschaftlichen Einrichtungen in der DDR stattfanden. Als Quelle für ihre umfangreiche Recherche dienten Akten aus wissenschaftlichen und militärmedizinischen Institutionen, die klare Hinweise darauf geben, dass man im militärmedizinischen Kontext den menschlichen Körper als eine Art Rohstoff verstanden hat, den man im Dienste der kommunistischen Planziele untersuchen und vor allem optimieren wollte.

Geipel dringt tief in die konkrete Wissenschaftsgeschichte der DDR und anderer sozialistischen Länder ein und möchte mehr als nur eine weitere Unrechtsgeschichte aus dem Osten erzählen. So behält sie in ihrem Sachbuch auch die Entwicklungen im Westen mit im Blick, schaut in die Gegenwart und umreißt jene Gefahren, die immer dort lauern, wo sich Wissenschaft der öffentlichen Kontrolle entzieht.

(Ein Buchtipp von Jörg Schieke, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Ines Geipel: "Schöner Neuer Himmel. Aus dem Militärlabor des Ostens"
Klett-Cotta, Mai 2022
287 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-608-98429-3

Politische Essays:
"Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte …" von Ingo Schulze

Wer das Werk von Ingo Schulze kennt, wird von seinem Blick auf die Welt kaum überrascht sein. Seine Texte im Essayband mit dem Titel "Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte ..." handeln vor allem von der Gegenwart, in der er sich an gesellschaftlichen Schieflagen stößt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa, das für ihn weit in den Osten reicht. Eindrucksvoll ist zum Beispiel das Vorwort zum Leningrader "Blockadebuch" von Ales Adamowitsch und Daniil Granin und sein Gespräch mit Dzevad Karahasan über ein Werk des russischen Schriftstellers Andrej Platonow.

(Ein Buchtipp von Bettina Baltschev, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Ingo Schulze: "Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte …"
S. Fischer Verlag, Januar 2022
320 Seiten, 24 Euro
ISBN: 978-3-10397-043-2

Mosaik aus eigenen Erinnerungen:
"Heimliche Reisen" von Helga Schütz

Sie schrieb zahlreiche Drehbücher für die DEFA und führte Regie: Mit ihrer neuen Veröffentlichung legt die 1937 geborene Schriftstellerin Helga Schütz ein Erinnerungsbuch vor, mit Stationen in Schlesien, Dresden oder den USA. "Heimliche Reisen" ist ein sorgfältig formuliertes Buch, in dem sich die Autorin allerdings jederzeit bewusst ist, wie trügerisch diese Erinnerungen doch sein können. Während ihre Mutter im Schlesien ihrer Kindheit wandelt, sitzt Helga Schütz an einem Acker und denkt für sich: "Wenn ich einmal behaupten würde, dass ich die Wahrheit sage, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, dann ist es mit mir vorbei, von da an habe ich kein Gedächtnis mehr." "Heimliche Reisen" ist ein zartes, ein leises Buch, dem man wünscht, dass es in diesen lauten Zeiten nicht überhört wird.

(Ein Buchtipp von Bettina Baltschev, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Helga Schütz: "Heimliche Reisen"
Aufbau Verlag, Oktober 2021
380 Seiten, 24 Euro
ISBN: 978-3-35103-892-2

Über die Kunst der Diplomatie:
"Die Diplomatin" von Lucy Fricke

Lucy Frickes neuer Roman "Die Diplomatin" handelt von einer Tochter aus einfachen Verhältnissen, die sich auf den Weg gemacht hat, die Welt der deutschen Botschaften zwischen Montevideo und Istanbul zu erkunden. Während es sich in Frickes Vorgänger-Roman mit dem Titel "Töchter" noch um Sorgen persönlicher Natur handelte, die die Protagonistin umtrieben, steckt die Diplomatin Friederike Andermann, kurz "Fred", als erfahrene und ehrgeizige Konsulin mitten in internationalen Affären. Als sie ins politisch aufgeheizte Istanbul versetzt wird, steht sie vor der bisher größten Herausforderung ihrer Karriere.

Für ihren Roman über die Kunst der Diplomatie hat Lucy Fricke (die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert hat) sehr genau über den Auswärtigen Dienst recherchiert und zahlreiche Gespräche mit Botschafterinnen geführt. Der ehemalige Außenminister Heiko Maas lobt in einer Rezension in der Zeit Frickes "große Präzision in der Beschreibung der Außenpolitik".

Angaben zum Buch

Lucy Fricke: "Die Diplomatin"
Claassen, März 2022
256 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-354610-005-2

Mit James Cook um die Welt:
"Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale" von Michael Pantenius

Der Historiker Michael Pantenius setzt eine historische Persönlichkeit ersten Ranges ins Bild, die kaum einer kannte: Johann Reinhold Forster war ein weltberühmter Botaniker, Ornithologe, Ethnologe, Geograph und Philosoph. Er segelte mit James Cook um die Welt, lehrte in Halle an der Universität und gestaltete maßgeblich den Botanischen Garten, so wie er heute vorzufinden ist. Pantenius hat es geschafft, das erstaunliche und facettenreiche Leben von Forster nachzuspüren, es eindrücklich und schwungvoll zu beschreiben. Das Buch hebt eine bisher unbeachtete Persönlichkeit in den gebührenden Fokus und löscht gleichzeitig einen blinden Fleck hallescher Geschichte.

(Ein Buchtipp von Annett Krake, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Michael Pantenius: "Johann Reinhold Forster. Von Tahiti an die Saale"
Hasenverlag Halle (Saale)
88 Seiten, 14 Euro
ISBN: 978-3-945377-78-9

Sachbuch ergründet Faszination für Nerds:
"Nerds. Eine Popkulturgeschichte" von Annekathrin Kohout

Daniel Düsentrieb, Mark Zuckerberg und Harry Potter haben etwas gemeinsam. Auf sie alle trifft in gewisser Weise der Begriff "Nerd" zu: Sie werden als Eigenbrötler wahrgenommen, manchmal verspottet und fallen durch besondere Interessen auf. In dieser Form gibt es den Nerd seit den 60er-Jahren. Da trat er zum ersten Mal in Teenager-Komödien auf und wurde als Gegensatz zum meist sportlichen und beliebten Helden in Szene gesetzt.

Die Leipziger Autorin Annekathrin Kohout hat die Entwicklung des Nerds in ihrem jüngsten Buch nachgezeichnet. In ihren Überlegungen gelingt es ihr immer wieder, analytische und erzählerische Funken zu schlagen. Sollte der Nerd eines Tages von einer anderen Figur abgelöst werden, dann hat Annekathrin Kohout ihm ein kluges und poppig schillerndes Denkmal in Buchform geschaffen.

(Ein Buchtipp von Tino Dallmann, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Annekathrin Kohout: "Nerds – Eine Popkulturgeschichte"
Verlag C.H. Beck, Januar 2022
272 Seiten, 16,95 Euro
ISBN: 978-3-40677-446-1

Eine Hommage an die freie Welt:
"Die letzten Tage von Hongkong" von Marko Martin

Hongkong gilt als der liberale Teil Chinas und kann weitgehend autonom von Peking agieren. Als die Regierung 2019 jedoch das "Gesetz über flüchtige Straftäter und Rechtshilfe in Strafsachen" vorschlug, gingen Millionen Menschen aus Protest auf die Straße: Das Gesetz hätte es ermöglicht, dass Häftlinge nach China hätten ausgeliefert werden können.

Die Protestierenden – gut ein Viertel der Bevölkerung – sahen das Prinzip "ein Land, zwei Systeme" und damit die Demokratie in Hongkong bedroht. Sie fürchteten, dass von nun an auch demokratische Aktivistinnen und Aktivisten an den autoritären Staat ausgeliefert werden könnten. Der Schriftsteller Marko Martin, der aus Burgstädt in Sachsen stammt, reiste um den Jahreswechsel 2019/2020 in die Region und schrieb ein literarisches Tagebuch, das unter dem Titel "Die letzten Tage von Hongkong" erschienen ist.

Das Buch ist ein intellektueller Monolog voller Verweise auf verwandte Literatur, auf antiautoritäre Theorien und philosophische Ansätze. Dabei beschreibt das literarische Tagebuch keinen Abschied von der ehemaligen Insel der Freiheit, sondern protestiert durch präzise Erinnerungen gegen diktatorische Strukturen.

(Ein Buchtipp von Clara Hoheisel, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Marko Martin: "Die letzten Tage von Hongkong"
Tropen Verlag, 2021
320 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-60850-523-8

Porträt der Ukraine unter Stalin:
"Die rote Herzogin" von Svetlana Lavochkina

Die 1973 in der Ostukraine geborene und in Leipzig lebende Schriftstellerin Svetlana Lavochkina brilliert mit einem Prosatext, in dem sie von einem Prestigeobjekt des Diktators Stalin berichtet, nämlich von der Errichtung des Dnjepr-Staudamms nahe der ukrainischen Metropole Saporischschja. In dem Roman "Die rote Herzogin" erzählt sie die Vorgeschichte zu ihrem viel besprochenen Roman "Puschkins Erben". Herauskommt ein sprachgewaltiges Porträt der Ukraine zu Zeiten des Roten Terrors.

(Ein Buchtipp von Ulf Heise, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Svetlana Lavochkina: "Die rote Herzogin"
Übersetzt aus dem Englischen von Diana Feuerbach
Verlag Voland & Quist, 2022
128 Seiten, 20 Euro
ISBN: 978-3-86391-323-6

Roman des Literaturnobelpreisträgers:
"Ferne Gestade" von Abdulrazak Gurnah

"Ferne Gestade" erzählt die Lebens- und Fluchtgeschichte zweier Menschen aus Sansibar. Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah liefert in diesem preisgekrönten Roman einen differenzierten Blick auf die Themen Exil und Erinnerung. Einer der Protagonisten wählt den Fluchtweg über den "sozialistischen Bruderstaat" DDR. Als die beiden Protagonisten Mahmud und Omar Jahre später wieder aufeinandertreffen, entrollt sich beider Vergangenheit.

Angaben zum Buch

Abdulrazak Gurnah: "Ferne Gestade"
Aus dem Englischen von Thomas Brückner
Penguin Verlag, März 2022
416 Seiten, 26 Euro
ISBN: 978-3-32860-260-6

Packender Historienroman:
"Goethe in Karlsbad" von Ralf Günther

Mit Werken wie "Der Dieb von Dresden", "Die Pestburg" und "Der Leibarzt" erwarb sich Ralf Günther einen Namen. In seinem jüngsten Roman "Goethe in Karlsbad" entführt er die Leser ins 19. Jahrhundert. Das Geschehen kreist um Johann Wolfgang von Goethe, der 13 Mal in Karlovy Vary weilte. Günther lässt den König der Weimarer Klassik in seiner Fantasie einen weiteren Abstecher dorthin antreten, und zwar 1825.

Ungeheuer stimmungsvoll beschwört Ralf Günther in seiner fiktiven Story die Atmosphäre herauf, die Goethe an Karlsbad faszinierte. Günther demonstriert mit diesem Buch, dass er locker in der Oberliga von Autoren historischer Romane mitzuspielen vermag. Sein Text verfügt über die Güteklasse der Werke von Rebecca Gable oder Noah Gordon und verdient den Ritterschlag.

(Ein Buchtipp von Ulf Heise, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Ralf Günther: "Goethe in Karlsbad"
Kindler Verlag, März 2022
176 Seiten, 18 Euro
ISBN: 978-3-46300-004-6

Requiem auf eine verlorene Generation:
"Aus unseren Feuern" von Domenico Müllensiefen

Domenico Müllensiefens Romandebüt "Aus unseren Feuern" geht los wie ein Thriller. Unter dem aufregend funkelnden Mantel des Krimis verbirgt sich allerdings ein großer Gesellschaftsroman. Während Protagonist Heiko, Angestellter eines Leipziger Bestattungsunternehmens, seinen toten Freund für die Trauerfeier wäscht, den Unterkiefer zunäht, ihn bekleidet, das Grab aushebt, blickt er zurück auf die Zeit ihrer Jugend – die Jugend einer Nachwendegeneration.

Mit rasanten und gewitzten Dialogfeuerwerken schickt Müllensiefen seine Protagonisten durch eine Zwischenwelt: neuerdings Westen, aber doch geprägt von Ost-Eltern. "Aus unseren Feuern" ist ein ungewöhnliches, explosives und rasend unterhaltsames Buch über das Erwachsenwerden und die Suche nach dem Sinn im Leben in einer Umbruchszeit.

(Ein Buchtipp von Dennis Wagner, MDR KULTUR)

Angaben zum Buch

Domenico Müllensiefen: "Aus unseren Feuern"
Kanon Verlag, Februar 2022
336 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-98568-015-3

(Redaktionelle Bearbeitung: Rebekka Adler)

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Katrin Schumacher 56 min
Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juli 2022 | 18:00 Uhr