Petra Klemann Wie die Chefin des Leipziger Passage Kinos die Kinolandschaft geprägt hat

Der Vorhang schließt sich: Nach mehr als 30 Jahren in der Kinobranche und rund 25 Jahren als Geschäftsführerin der Passage Kinos Leipzig geht Petra Klemann in den Ruhestand. Zum Ende des Monats übernimmt ihre Tochter Kristin Klemann das Ruder.

Petra Klemann (Geschäftsführerin Passagekinos Leipzig) sitzt in Ihrem Kino und wird interviewed
Rund 25 Jahre leitete Petra Klemann die Passage Kinos in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Petra Klemann wirkt zufrieden. Nach einem Vierteljahrhundert übergibt sie die Passage-Kinos in gute Hände – die ihrer Tochter Kristin. Seit sieben Jahren führen sie die Geschicke in Leipzigs größtem Programmkino gemeinsam und sind längst ein eingespieltes Team – trotz gelegentlicher Differenzen, sagt Petra Klemann. "Gerade als wir jetzt dieses Jahr im Januar wiedereröffnet haben, nach der langen Corona-Pause, waren wir immer nur zu zweit im Büro und hatten nicht mal Zeit, uns abzustimmen. Wir haben intuitiv alles geregelt, sodass wir dann wirklich am 20. Januar wieder öffnen konnten. Da sind wir stolz darauf."

Per Zufall zum Kino

Während ihre Tochter in den Kinobetrieb hineingewachsen ist, war es bei der Mutter eher Zufall. Geboren und aufgewachsen in Leipzig wirkte sie vor der Wende im Jazzclub mit, verschickte Mitgliedsausweise und betreute die Musiker. So kam es zur schicksalhaften Begegnung mit Stefan Paul vom Filmverleih Arsenal, der in den 70er und 80er Jahren Musikfilme vertrieb. "Noch vor der Wende hatte der Jazzclub dann einige davon gezeigt", erinnert sich Klemann. "Stefan Pauk hatte so eine Art Diplomatenpass, weil er auch Geschäfte mit dem DEFA Außenhandel gemacht und hier auch Filme auf der Dokwoche präsentiert hat. Und dann gab es immer so auf Zuruf nachts im Capitol, früh um zwei Uhr, Filmvorführungen. Den hatte Stefan Pauk einfach im Kofferraum mit hergebracht."

Neuanfang nach der Wende

Nach der Wende ging es Klemann wie vielen Menschen im Osten: Sie musste den Neuanfang wagen. Ihre Festanstellung in der Chemie war Geschichte. Der Betrieb, in dem sie zuvor als Verfahrenstechnikerin arbeitete, wurde abgewickelt. Da kam ihr Interesse für Kultur zupass.

Gemeinsam mit Stefan Paul übernahm sie das Kino im Grassimuseum, auch um dem Heuschreckenkapitalismus aus dem Westen etwas entgegenzusetzen. "Damals waren die ganzen Kinos im sogenannten Joint-Venture an den damaligen Bochumer Kinobetreiber Rehs gegangen", erzählt Klemann. Sie habe ihre Kontakte zum Kulturamt genutzt und von dort den Tipp für das Kino im Grassimuseum bekommen.

Als ich dort stand und den wunderschönen Art-Deco-Saal sah, wusste ich: Das ist es. Und dann ging es los. Wir haben alles gespielt: Jim Jarmusch und Greenaway – das war herrlich. Im Innenhof haben wir im Sommer Open Air gemacht und zwischen zwei alten Bäumen die Leinwand gespannt. Das waren ganz tolle, spannenden Zeiten.

Petra Klemann Chefin der Passage Kinos

Vertrauen ins Kino nie verloren

Mit Gespür fürs Publikum führte Petra Klemann ihr Kino durch drei Jahrzehnte zum Erfolg, der das Kino dann auch finanziell durch die Pandemie und die damit verbundene lange Schließung rettete. Auch nach diesen schwierigen Zeiten hat sie das Vertrauen ins Kino nicht verloren. "Das Kino an sich ist ja weltweit. Auch in Amerika werden ja nach wie vor Kinofilme produziert und nicht nur für Netflix. Das arrangiert sich immer mehr nebeneinander. Insofern glaube ich, dass das Kino nicht aussterben wird. Es ist ein schönes Medium."

"Cinema Paradiso" zum Abschied

Zu Klemanns Abschied flimmert am Donnerstag noch einmal "Cinema Paradiso" über die Leinwand des Astoria. Mit Guiseppe Tornatores nostalgischer Erinnerung an die Magie des Kinos endete vor mehr als zwanzig Jahren die Ära ihres ersten Kinos im Grassi – und nun auch ihre eigene Laufbahn als Kino-Queen in Leipzig.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 27. Juni 2022 | 20:00 Uhr

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