Porträt Jörg Schüttauf – vom Chemnitzer Amateurtheater ins Kino und Fernsehen

Der gebürtige Chemnitzer Schauspieler Jörg Schüttauf bewarb sich bereits mit 13 Jahren selbstbewusst für einen Kurs an der Leipziger Schauspielschule – und wurde angenommen. Der Durchbruch gelang ihm mit dem DEFA-Film "Ete und Ali" von Regisseur Peter Kahane. Bekannt ist Schüttauf auch für seine Rolle als "Tatort"-Kommissar Dellwo in Frankfurt (2022-2010). Nun ist er in "Das Mädchen mit den goldenen Händen" im Kino zu sehen. Ein Blick auf eine faszinierende Schauspielkarriere.

Der Schauspieler Jörg Schüttauf. 30 min
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Jörg Schüttauf ist der geborene Schauspieler, eine feste Größe im deutschen Film und ein Meister der Verwandlung. Immer wieder würdigt ihn die deutsche Filmszene mit Auszeichnungen: Mehrfach erhält er den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis oder den Deutschen Schauspielpreis. Seit über 50 Jahren genießt Schüttauf gnadenlos sympathisch die Aufmerksamkeit der anderen – auch hinter den Kulissen.

Er macht sehr gern Späße. Er kann gar nicht aufhören damit. Der mag es gern, wenn man über ihn lacht – und er ist auch wirklich komisch.

Schauspielerin Corinna Harfouch über Jörg Schüttauf

Eine Szene aus dem Kinofilm "Das Mädchen mit den goldenen Händen": Eine Frau steht vor Menschen, die um sie sitzen und zuhören.
Schauspielerin Corinna Harfouch spielt im Kinofilm "Das Mädchen mit den goldenen Händen" an der Seite von Jörg Schüttauf. Bildrechte: Wild Bunch Germany 2021

Karrierebeginn in Chemnitz

Von Klein auf liebt es Schüttauf, seine Stimme zu verstellen. Seine Karriere beginnt deshalb schon früh – in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Am 26. Dezember 1961 kommt Schüttauf in der Arbeiterstadt auf die Welt, wächst mit zwei Schwestern auf. Mit seinem Vater hat er ein schwieriges Verhältnis.

Monument von Karl Marx, nach dem Chemnitz im Jahr 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt wurde. Aufnahme von 1971.
Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte Jörg Schüttauf im damaligen Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Bildrechte: dpa

Umso inniger ist die Verbindung zu seinen Geschwistern und seiner Mutter Irmgard. Sie spürt sein Talent und nimmt ihn ernst, als er schon in der Grundschule die Bühne erobern will. Das Pioniertheater auf dem Chemnitzer Kassberg prägt den Schauspieler früh. Schüttauf erinnert sich: "Als kleiner Junge habe ich da gespürt, wie es ist, auf der Bühne zu stehen. Unten sitzen Leute und lachen an den richtigen Stellen und lauschen dir und den anderen. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Das war eine tolle Zeit."

Den Weg zum Profi hat der Junge immer vor Augen. Mit 13 Jahren schreibt er seine erste Bewerbung für einen Talent-Kurs an der Leipziger Schauspielschule "Hans Otto" – und wird genommen. Am Ende des Kurses ruft der Direktor Schüttauf zu sich ins Büro und sagt ihm, dass er das Zeug zum Schauspielern habe. Er dürfe in ein paar Jahren wiederkommen. "Von da an wusste ich, ich kann das werden. Die warten förmlich auf mich", erinnert sich Schüttauf.

DEFA-Spielfilm "Ete und Ali" wird Schüttaufs Durchbruch

Am Chemnitzer Opernhaus lernt er zunächst Tischler und Bühnentechniker, Anfang der 80er-Jahre darf er dann endlich auf die Bühne und nach Leipzig an die Theaterhochschule.

DEFA-Regisseure sind damals auf der Pirsch nach Talenten, so auch Peter Kahane, der in den 80er-Jahren zwei Hauptdarsteller für sein Roadmovie "Ete und Ali" sucht. Schüttauf überzeugt den Regisseur und bekommt eine Hauptrolle. Der Film wird sein Durchbruch: Für die Rolle des "Ete" erhält er seine erste Auszeichnung als bester Darsteller – einen polnischen Filmpreis. Für Schüttauf, der damals viel an sich zweifelt, eine erste Bestätigung.

Regisseur Peter Kahane blickt in die Kamera
Regisseur Peter Kahane entdeckte Jörg Schüttauf in den 80er-Jahren für seinen DEFA-Film "Ete und Ali" Bildrechte: imago/Future Image

Er ist nicht abgehoben. Er hat eine sehr gute, geerdete Art, auf die Dinge des Lebens zu gucken. Das macht ihn auch erfolgreich.

"Ete und Ali"-Filmregisseur Peter Kahane über Jörg Schüttauf

Auch nach der Wiedervereinigung sehr erfolgreich

Nach dem Erfolg von "Ete und Ali" kommt Schüttaufs Karriere in Fahrt. Er dreht Filme für das DDR-Fernsehen und steht auf der Bühne des Potsdamer Theaters. Die Bretter, die im Gegensatz zum Film so wenig Geld bedeuten, sind für ihn ein Kokon, ein geschützter Raum – auch über die Wendezeit, die wirre Zeit um 1989, als die Sorge um neue Engagements manche seiner Kollegen verzweifeln lässt.

Eine Szene aus der TV-Komödie "Männer im gefährlichen Alter". Zu sehen sind die Schauspieler Fritz Wepper, Jörg Schüttauf, Friedrich v. Thun.
Jörg Schüttauf mit Fritz Wepper (links) und Friedrich von Thun (rechts) in der TV-Komödie "Männer im gefährlichen Alter" (2004) Bildrechte: MDR/Aspekt-Telefilm

Aber Schüttauf hat Glück: 1991 spielt er die Hauptrolle in dem spektakulären Polizeiruf "Mit dem Anruf kommt der Tod" und zeigt, was er drauf hat. Mit 29 Jahren wird er der jüngste Ermittler im deutschen Fernsehen. Die Serie "Der Fahnder" macht ihn noch bekannter – in vier Jahren dreht er 46 Folgen. Danach verlässt er das Set in München für andere Projekte. Jahre später nimmt Schüttauf nochmal eine Polizistenrolle an, 2002 geht er als "Tatort"-Kommissar auf Sendung. Acht Jahre spielt er den Ermittler, bekommt Preise – trotzdem lässt er wieder los.

Schüttauf brillant als Honecker

2017 spielt Schüttauf eine Doppelrolle in der Komödie "Vorwärts immer". Schüttauf schlüpft darin in die Rolle eines Schauspielers, der gerade ein Honecker-Stück spielt – und durch verzwickte Umstände plötzlich auf den echten Generalsekretär trifft. Witzig sein ist eine große Kunst, und Schüttaufs Drang zur Perfektion zeigt sich hier deutlich – der Spaß profitiert davon.

Es ist genau dieses komödiantische Talent von Jörg, weshalb ich ihn unbedingt in dieser Rolle wollte und für ihn total gekämpft habe.

Regisseurin Francis Meletzky über die Besetzung in "Vorwärts immer"

Blick von unten auf einen Mann mit grauem Anzug, Hornbrille und Hut mit mittelgroßer Krempe. Über ihm flattern Flaggen der DDR.
Jörg Schüttauf als Erich Honecker in der Filmkomödie "Vorwärts immer" Bildrechte: MDR/ARD Degeto/Crazy Film/Nadja Klier

60. Geburtstag im Dezember 2021

Seit vielen Jahren lebt der Schauspieler in Caputh, in der Nähe von Potsdam. Er ist glücklich verheiratet, hat zwei Töchter. Am 26. Dezember 2021 feierte er seinen 60. Geburtstag. Die Zeit vergeht – kalt lässt ihn das nicht. Aber was bedeutet eine Zahl, wenn man sich im Herzen jung fühlt und viel Erfahrung hat?!

Jörg Schüttauf steht mit Brille und in dunkelblauen Wollpullover an einem Lesepult vor einem Mikrofon und blickt in die Kamera.
Auch im MDR-Hörspielstudio ist Jörg Schüttauf häufig zu Gast Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Jörg Schüttauf im Kino "Das Mädchen mit den goldenen Händen"
Ab 17. Februar 2022 im Kino

Regie: Katharina Marie Schubert
In den Hauptrollen: Corinna Harfouch, Jörg Schüttauf, Gabriela Maria Schmeide, Ulrike Krumbiegel u.a.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 17. Februar 2022 | 23:10 Uhr

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