Neue Ausstellung auf der Wartburg Wie ein Fleischer Luther bei der Bibel-Übersetzung half

Vor 500 Jahren begann Luther auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Er war nicht der Erste, der das tat, schon vorher gab es einzelne solcher Übersetzungen. Doch waren diese selten verständlich und gerieten deshalb in Vergessenheit. Übersetzen, das merkt man daran, ist eine Kunst. Und dieser Kunst spürt die Wartburg nun nach. Die neue Sonderausstellung "Luther übersetzt. Von der Macht der Worte" zeigt, dass noch Jahrhunderte später Bibel-Übersetzungen keine einfache Sache waren.

Verschiedene Objekte in der Ausstellung "Luther übersetzt" 4 min
Bildrechte: Rainer Salzmann/Wartburg-Stiftung

Die Ausstellung "Luther übersetzt. Von der Macht der Worte" lädt zu einem wilden Ritt durch die Jahrhunderte ein, das wird direkt zu Beginn deutlich. Am Eingang stehen vier Vitrinen, darin vier sehr unterschiedliche Bibeln. Ganz links eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, daneben eine sogenannte Vulgata, ein Frühdruck aus dem 15. Jahrhundert, daneben Luthers neues Testament. "Und das Stück in der vierten Vitrine, das führt uns in die Gegenwart. Das ist die Lutherbibel heute", sagt Kuratorin Grit Jacobs, und deutet auf ein Tablet mit einer Bibel-App.

"Diese vier Objekte deuten an, was wir innerhalb der Ausstellung noch viel intensiver erzählen: Die Übersetzung der Lutherbibel, 1534 abgeschlossen von Martin Luther und seinen Mitstreitern, ist kein totes Werk! Es ist ein lebendiges Werk." Während Martin Luther mit seinen Kollegen noch am Alten Testament arbeitete, sei die Arbeit an der Bibel schon weitergegangen. "Und sie wird bis heute weitergeführt", so die Kuratorin.

Verschiedene Objekte in der Ausstellung "Luther übersetzt"
Luther hat die Bibel nicht allein übersetzt Bildrechte: Rainer Salzmann/Wartburg-Stiftung

Luthers Bibelübersetzung: Reformation als Teamwork?

Übersetzen im Lauf der Jahrhunderte – in der Sonderschau macht Martin Luther natürlich den Anfang. Eindrücklich wird dargestellt, wie akribisch er ans Werk ging und zu Sachthemen in den Texten recherchierte. Für die Opfervorschriften des Alten Testaments ließ er etwa einen Fleischer kommen, der für ihn Schafe schlachten und deren Einzelteile benennen sollte. Und auch an den Formulierungen feilte er teilweise stundenlang – später in Wittenberg auch nicht nur allein. "An sich war Luther ein Teamarbeiter", sagt Wartburg-Chefin Franziska Nentwig. "Er hat also mit seinen Freunden um jede Endung gerungen. Und aus diesem Team ist dann diese Fassung entstanden, die er vertreten konnte."

Ausstellung auf der Wartburg zeigt Bibelübersetzungen im Spiegel der Zeit

Immer wieder hat es seitdem Bibel-Überarbeitungen gegeben, alle waren ein Spiegel ihrer Zeit, wie die Ausstellung deutlich macht. So war es etwa in der BRD vor rund 50 Jahren ein großes Anliegen, alte, unverständliche Begriffe radikal aus dem Text zu nehmen und zu ersetzen. So entstand die sogenannte Eimer-Bibel: Man ersetzte das Wort "Scheffel" aus der berühmten Bibelstelle "Licht nicht unter den Scheffel stellen" durch Eimer – was einigen Spott nach sich zog. "Dann kam ja auch noch die Diskussion in der Kommission, dass Eimer heute aus Plastik sind. Das wird ja gar nicht mehr dunkel, wenn man eine Kerze darunter stellt", erklärt Grit Jacobs. "Solche Diskussionen gab es über die fünf Jahrhunderte immer wieder. Und die belustigen einen einfach auch so."

Verschiedene Objekte in der Ausstellung "Luther übersetzt"
Die Übersetzung der Bibel sorgte auch in der BRD für Diskussionen Bildrechte: Rainer Salzmann/Wartburg-Stiftung

Die Gesellschaft verändert sich, ihre Sprache ebenfalls – und die Bibel zieht immer nach, das wird in der Sonderschau deutlich. Es sind wirklich anschauliche Geschichten mit teils kuriosen, teils überraschenden Details, die das Ausstellungsteam zusammengetragen hat, für die man sich aber Zeit nehmen muss, sie konzentriert lesen muss. Einfach durchlaufen funktioniert hier nicht.

Mitmach-Aktionen für Groß und Klein

Zum Glück gibt es nach diesem ersten Teil aber eine tolle Gelegenheit der Zerstreuung – in einer Übersetzungswerkstatt. "Die Idee ist, dass wir Mitmachgelegenheiten und Ausprobiermöglichkeiten für alle Zielgruppen haben", sagt Museumspädagoge Frank Worlitzer. "Wir möchten sowohl Kinder ansprechen als auch Erwachsene, Senioren, Schüler. Deswegen haben wir einen bunten Blumenstrauß an Stationen."

So kann man etwa nach alten Bibelbegriffen graben – so richtig im Sand – und dann in einer Art Puzzle nach ihrer heutigen Bedeutung suchen. Es gibt auch ein Quiz, bei dem es auf Schnelligkeit ankommt. Und, wer mag, darf am Ende noch Wörter abschießen – virtuell natürlich. Beim Retro-Computerspiel "Word Invaders" lässt Luther einen Federkiel nach dem nächsten ab auf verschiedene Begriffe, die dann ins Deutsche übersetzt werden – so geht's auf die ganz leichte Art.

Verschiedene Objekte in der Ausstellung "Luther übersetzt"
Ein Besuch auf der Wartburg ist auch für junges Publikum interessant Bildrechte: Rainer Salzmann/Wartburg-Stiftung

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Mai 2022 | 16:10 Uhr

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