Klub-Geschichte 70 Jahre Scheune Dresden: Vom FDJ-Jugendheim zur Kult-Location

Auf einem Trümmergrundstück in der Dresdner Neustadt sollte ein Ort für die Nachkriegsjugend entstehen. Am 21. Dezember 1951 wurde im Jugendheim "Martin Andersen Nexö" Eröffnung gefeiert. 70 Jahre später fällt die große Party aus. Nicht nur wegen Corona. Das Haus in der Dresdner Alaunstraße kam in die Jahre und an die Kapazitätsgrenze. So beginnt demnächst der ganz große Umbau, der bis 2024 dauert. Illustre Erinnerungen an die Klub-Geschichte werden deswegen auf den Social Media-Kanälen der Scheune geteilt. Auch wir gratulieren mit einem Rückblick.

Schaubudensommer an der Scheune in Dresden. 4 min
Bildrechte: IMAGO / Sven Ellger
4 min

Aus dem FDJ-Jugendheim mit Tanzabenden für junge Ehepaare wurde in 70 Jahren die Kult-Location der Bunten Republik Neustadt. Gefeiert wird das Jubiläum ohne große Party und vor dem Haus, wie Grit Krause berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Di 21.12.2021 12:00Uhr 04:03 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Eigentlich müsste am kürzesten Tag des Jahres besonders groß und lange gefeiert werden in der Scheune. Am 21. Dezember 1951 beginnt die Geschichte des weit über Dresden hinaus bekannten Clubs als "Jugendheim Martin Andersen Nexö". Angeblich wollte Staats- und Parteichef Walter Ulbricht seinen Namen für das wenig repräsentativ anmutende Gebäude nicht hergeben.

Beginn als FDJ-Jugendheim

Dresdner Kulturzentrum Scheune feiert Jubiläum
Eröffnet als Jugendheim "Martin Andersen Nexö" Bildrechte: Erich Höhne & Erich Pohl / SLUB / Deutsche Fotothek

Auf einem Trümmergrundstück war es "unter tatkräftiger Mithilfe von Neustädter Jugendlichen" errichtet worden, wie es auf der Website in den Annalen heißt. Nach der feierlichen Eröffnung starteten dort erstmal praktisch orientierte Angebote für die Nachkriegsjugend: Koch-, Näh- oder Fotozirkel, auch Tanzabende für "junge Ehepaare und solche, die es werden wollen".

Scheune als Szene-Treff mit Folk, HipHop und Punk

In den Sechzigerjahren kamen Songklub, Jazzforum, Rockpodium dazu und schließlich das hauseigene Ensemble der Jungen Talente. Aus dem Ort der Bildung und sinnvollen Freizeitbeschäftigung für die Freie Deutsche Jugend (FDJ) wurde langsam aber sicher ein Ort auch der Subkultur, als Ende der Siebziger eine neue junge Mannschaft die Regie übernahm.

Anfang der Achtzigerjahre gab es dort nicht nur Lesungen und Kabarettaufführungen, sondern auch Folk, HipHop und Punk. An eine gewisse "Narrenfreiheit" erinnern sich die Programm-Macherinnen dieser Tage. Alternative Gruppen fanden dort ein Zuhause wie der queere Verein Gerede e.V. oder das statt-Theater Fassungslos. Das FDJ-Jugendheim firmierte inzwischen als Zentraler Klub der Jugend, aber eigentlich als "Die Scheune".

Filmvorführung im Mai 1985 in der Scheune in der Dresdner Neustadt, einem der beliebtesten Jugenklubs der Stadt.
Filmvorführung im Mai 1985 in der Scheune, die inzwischen beliebter Jugendtreff ist. Bildrechte: IMAGO / Ulrich Hässler

Kreatives Zentrum in der Bunten Republik Neustadt

Der Name passte bald unfreiwillig zum architektonischen Konzept auch für die nähere Umgebung. Das Viertel verfiel planmäßig, um in näherer Zukunft Plattenbauten Platz zu machen. Den Leerstand nutzten junge Künstlerinnen, Studenten und Bohemians. So entstand rund um die Scheune ein kreatives Netzwerk, das ein ganzes Viertel prägte. Nach der Wende machte die "Bunte Republik Neustadt" von sich reden.

Die Band Kraftklub ( GER ) aus Chemnitz / Sachsen mit Sänger Felix Brummer bei einem Auftritt ihrer Autobahn zur Hölle Tour im Liveklub Scheune Dresden am 23.12.2011
Kraftklub-Konzert 2011 in der Scheune Bildrechte: IMAGO / Andreas Weihs

Die Scheune blieb etabliertes Veranstaltungszentrum für Musik und Kunst mittdrin, den sie war der einzige funktionierende Club mit Anlage. Aufwändig umgebaut wurde das Haus 1994 , um Rock- und Popkonzerte angemessen präsentieren zu können. Seit 1998 sorgt der Schaubudensommer für Furore, ein Theater- und Kleinkunstfestival, das gemeinsam mit einem Verein und der Stadt im Garten hinter der Scheune veranstaltet wird und ins ganze Viertel ausstrahlt.

2007 wurde die Scheune privatisiert, seitdem betreibt der scheune e.V. das Kulturzentrum. Institutionell gefördert wird es durch die Stadt. Vor Corona bot das Haus fast täglich Programm: von der Lesung, über Kabarett und Performance bis zum Konzert. Außerdem beteiligt sich die Scheune an Festivals wie der Tanzwoche Dresden, dem Stadtteilfest Bunte Republik Neustadt oder dem Dresdner Drumfestivals.

Schaubudensommer an der Scheune in Dresden.
Schaubudensommer 2016 an der Scheune Bildrechte: IMAGO / Sven Ellger

Umbau, Interim im Blechschloss, Wiedereröffnung 2024

Gleich nach dem Jubiläum erfindet sich die Scheune wieder neu. 2022 beginnt der große Umbau. Eröffnet wurde deswegen ein kleines Interim, das Blechschloss im Vorhof. Dort soll es weiter Lesungen, Comedy oder kleine Konzerte geben, ansonsten wird die Scheune andernorts Gastgeber sein.

Die alte Spielstätte ist nicht nur in die Jahre, sondern auch an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen. So soll der große Saal erweitert und ein kleinerer Saal hinzugefügt werden. Unter dem Dach sind Künstlerappartments geplant. Die Fassadengestaltung soll nach dem Ergebnis eines Bürgerdialogs umweltverträglich und nachhaltig erfolgen, mit Holz oder Stein, möglicherweise mit einer Fassaden-Begrünung. Im Herbst 2024, so der Plan, soll Wiedereröffnung sein.

Dresdner Kulturzentrum Scheune feiert Jubiläum: Sicht von Alaunstr. 43 auf den Vorplatz
Die große Jubiläumsfeier muss nachgeholt werden, die Scheune geht in den großen Umbau bis 2024. Bildrechte: Frank Lenggenhager

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Dezember 2021 | 13:10 Uhr

Abonnieren