Hoffnungsschimmer Zulassung oder Studie: Welche Corona-Impfstoffe kommen noch?

Alle Welt wartet auf die Zulassung weiterer Impfstoffe gegen das Coronavirus. Welche sind schon zugelassen, welche noch in der Entwicklungsphase? BRISANT mit einer Übersicht.

Eine Spritze ist vor den Logos der Unternehmen Sanofi, Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson, Sanofi und GlaxoSmithKline zu sehen. Alle Unternehmen stellen bereits Corona-Impfstoffe her, oder werden es in naher Zukunft tun.
Viele Impfstoffe sind noch in der Erprobungsphase. Bildrechte: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt derzeit 248 Impfstoff-Projekte. Hier stellen wir diejenigen vor, die in Europa bereits verimpft werden oder auf dem Weg zur Zulassung sind:

Sinovac: CoronaVac

Das Vakzin CoronaVac des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac wird bereits in Indonesien und China verimpft. Studien aus Brasilien lassen allerdings an dessen Wirksamkeit zweifeln. CoronaVac soll nur 50,4 Prozent wirksam sein. Eine Studie aus Indonesien zeigte zuvor eine Wirksamkeit von 65 Prozent, eine andere aus der Türkei hingegen 91 Prozent.

Sinovac beschwichtigt. Wenn der Abstand zwischen den beiden Impfdosen drei Wochen beträgt - statt den anvisierten 14 Tagen - steige die Wirksamkeit immerhin auf etwa 70 Prozent.

CoronaVac basiert wie die Impfstoffe gegen Tetanus, Kinderlähmung oder Keuchhusten auf einem Totimpfstoff. In diesem Fall einem abgetöteten Coronavirus.

Ein Mitarbeiter von SinoVac kontrolliert Spritzen mit SARS CoV-2-Impfstoff
Ein Mitarbeiter von SinoVac kontrolliert Spritzen mit SARS CoV-2-Impfstoff. Bildrechte: dpa

Sinopharm: Vero

Wie das Unternehmen Sinopharm Ende Dezember mitteilte, soll sein Impfstoff Vero einen annähernd 79-prozentigen Schutz  bieten. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Daten aus den Studien gibt es bislang nicht.

Vero basiert ebenfalls auf einem Totimpfstoff, einem abgetöteten Coronavirus.

Serbien setzt bei seiner Corona-Impfkampagne seit dem 19. Januar auch Sinopharm ein. Damit ist das Balkanland das erste europäische Land, das den chinesischen Impfstoff verimpft.

Janssen/Johnson & Johnson: Ad26.COV2.S

Der Impfstoff von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff. Er schleust über harmlose Viren den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß des SARS-CoV-2-Virus in die Körperzellen. Die produzieren dann Antikörper.

Eine einzige Dosis reicht aus, um den vollen Impfschutz zu bekommen. Das macht diesen Impfstoff einzigartig unter allen anderen. Studien laufen in mehreren Ländern. Am 11. März hat die EMA das Vakzin für Europa zugelassen. Die EU hat bereits 200 Millionen Dosen vorbestellt. Er kann im Kühlschrank gelagert werden.

Gegen die südafrikanische Corona-Mutante B.1.351 wirkt der Impfstoff aber laut Studien nur zu 57 Prozent.

Zwei Ampullen mit dem Corona-Impfstoffes Janssen des amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson werden präsentiert.
Einzigartig: Vom Impfstoff von Janssen/Johnson&Johnson reicht eine Dosis. Bildrechte: dpa

CureVac: CVnCoV

Der Impfstoff von CureVac ist neben dem Biontech-Impfstoff Comirnaty der zweite mRNA-Impfstoff, der in Deutschland entwickelt wurde. Das Unternehmens sitzt in Tübingen. CureVac hat jüngst einen Kooperationsvertrag mit dem Pharmariesen Bayer geschlossen. Er lässt in Wuppertal das Vakzin von den Bändern laufen.

Noch ist das Präparat im Entwicklungsstadium, im Sommer könnte es zugelassen werden. Bestellt ist aber schon. Nach EU-Schlüssel könnten Deutschland 53 Millionen Dosen zustehen. Laut Hersteller hält sich das Vakzin bei fünf Grad über drei Monate hinweg.

Sanofi

Der französische Pharmakonzern Sanofi entwickelt gemeinsam mit dem britischen Partner GlaxoSmithKline einen Totimpfstoff, kombiniert mit künstlichen Eiweißen.

Der Durchbruch lässt allerdings noch auf sich warten. Denn gerade bei älteren Menschen schlägt eine Immunisierung nicht wie erwartet an. Die Zusammensetzung wird nun überarbeitet.

Dumm gelaufen: Frankreich hatte sich von hauseigenen Impfstoff viel erhofft und im Sommer 45 Millionen Dosen bestellt.

Ein Mann arbeitet in einem medizinischen Labor.
Arbeit im Sanofi-Labor. Bildrechte: dpa

Novavax: NVX-CoV2373

Auch der Impfstoff des US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Novavax basiert auf einem Totimpfstoff kombiniert mit künstlichen Eiweißen. Zwischenergebnisse der Phase III zeigen eine Wirksamkeit von 89,3 Prozent.

Auch gibt es Daten zur Wirkung gegen die neuen Mutationen. Bei der britischen Variante B 1.1.7 ist die Schutzwirkung um zehn Prozent vermindert, bei der südafrikanischen Mutation B.1.351 sogar um 40 Prozent. Der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Einen Zulassungsantrag gibt es noch nicht.

Gamaleya-Institut: Sputnik V

Sputnik V gilt nach eigenen Aussagen als russische "Wunderwaffe". Erste Studien zeigen, dass das Vakzin zu fast 91 Prozent wirksam ist. Es ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff.

Als erstes Land in der EU hat Ungarn den Impfstoff zugelassen. Ein Zulassungsantrag für Europa ist gestellt. Laut EMA wird eine Kommission bis Ende Juni Studien durchführen.

Quellen: Dlf, spiegel, dpa, ärzteblatt, AFP, Wirtschaftswoche, Reuters

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. März 2021 | 17:15 Uhr

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