Corona Sechs Dosen aus Biontech-Ampulle - 20 Prozent mehr Impfungen möglich

Ab sofort können mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Denn nun dürfen sechs statt der ursprünglichen fünf Impfdosen aus einer Ampulle gezogen werden. Biontech startet im Februar mit der Produktion in einem neuen Werk. Gibt es nun endlich ausreichend Impfstoff?

Im Landkreis Harz in einer Senioren Pflegeeinrichtung in Halberstadt (Seniorenzentrum Krüger) wurden die ersten Bewohner sowie das Pflegepersonal geimpft.
Ein Fünftel zusätzlich darf aus jeder Ampulle gezogen werden. Bildrechte: dpa

Ab sofort dürfen Ärzte in Europa sechs statt fünf Dosen aus einer Ampulle des Biontech/Pfizer-Impfstoffs "Comirnaty" ziehen. Das bedeutet eine Erhöhung um 20 Prozent! Damit können deutlich mehr Menschen geimpft werden. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am Freitag die zusätzliche Entnahme erlaubt. Da derzeit der Impfstoff knapp ist, ist das eine gute Nachricht für die Impfkampagne in Deutschland.

Ein Fläschchen des Biontech-Impfstoffs reicht laut Hersteller nur für fünf Dosen. Doch bald nach Impfstart hatten amerikanische Apotheker entdeckt, dass sich häufig sechs, zuweilen sogar sieben statt der vorgesehenen fünf Rationen aus einer Ampulle gewinnen lassen. Grund: Die Fläschchen werden vom Hersteller "überfüllt" geliefert. Zudem ist eine besondere Spritze erforderlich.

Da die Zulassung aber nur für die Entnahme von fünf Dosen galt, musste die Restmenge bislang mit den Flaschen entsorgt werden. Dadurch wurde wertvoller Impfstoff einfach in den Müll geworfen.

Ein Pfleger zeigt eine Dosis von 5ml des COVID-19-Impfstoffs von Pfizer-BioNTech.
5ml sind in einem Fläschchen enthalten. Bildrechte: imago images/Xinhua

Die Biontech/Pfizer-Partner hatten deshalb einen Antrag auf veränderte Zulassungsbedingungen gestellt. In der EU dürfen jetzt sechs, in den USA sogar sieben Dosen entnommen werden. Dort ist die Arzneimittelbehörde FDA für Impfstoffe zuständig. Eventuelle Reste der Fläschchen dürfen aber weiterhin nicht zusammengeschüttet und gespritzt werden, um Verunreinigungen zu verhindern.

Neues Biontech-Werk produziert ab Februar

Im Februar soll die Produktion des Biontech/Pfizer-Impfstoffs in einem neuen Werk in Marburg starten. Biontech übernahm das Werk vom Pharmakonzern Novartis bereits im vergangenen September. Nun wurden die Umrüstung und die Herstellungsgenehmigung erlaubt. Das dürfte etwas Luft aus der angespannten Situation nehmen. Denn noch immer fehlt genügend Impfstoff für Deutschland, um den Impfplan zügig durchzuführen.

EU bestellt weiteren Impfstoff

Am Freitag wurden wie geplant weitere rund 668.000 Dosen von Biontech/Pfizer an die Bundesländer ausgeliefert. Außerdem hat die EU weitere 300 Millionen Impfdosen bei diesem Konzern bestellt. Was die bisherige Bestellung einfach mal verdoppelt. 75 Millionen Dosen davon sollen bereits im zweiten Quartal 2021, also ab April, zur Verfügung stehen.

Kartons mit dem Corona-Impfstoff des US-Biotech-Unternehmens Moderna
Corona-Impfstoff des US-Unternehmens Moderna Bildrechte: dpa

Moderna-Impfungen beginnen nächste Woche

Die Corona-Impfungen mit dem zweiten in Europa zugelassenen Impfstoff Moderna können bereits in der kommenden Woche in Deutschland beginnen.

Von den mehr als 160 Millionen EU-weit bestellten Moderna-Dosen soll Deutschland mehr als 50 Millionen erhalten - insgesamt. Weil die Produktion so schnell nicht hochgefahren werden kann, kommen im ersten Quartal nur knapp zwei Millionen Dosen nach Deutschland, der Rest bis September.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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